Debatte

Schloss Ahrensburg: Schlossherr war Sklavenhändler

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Janina Dietrich
Tobias von Pein ist Landtagsabgeordneter der SPD.

Tobias von Pein ist Landtagsabgeordneter der SPD.

Foto: SPD Kreis Stormarn

Politiker Tobias von Pein (SPD) fordert Mahnmal, um an Opfer des Sklavenhandels und Kolonialgeschichte zu erinnern.

Ahrensburg. In die Debatte um Straßennamen und den Umgang mit historischen Personen in Ahrensburg hat sich jetzt auch der Landtagsabgeordnete und SPD-Kreisvorsitzende Tobias von Pein eingeschaltet. Er fordert ein Mahnmal für die Opfer von Sklavenhandel und Kolonialismus auf dem Gelände des Ahrensburger Schlosses. „Wir brauchen eine sichtbare Erinnerung an die Kolonialgeschichte und die Schattenseiten von Heinrich Carl Schimmelmann“, sagt von Pein, der sich als Sprecher gegen Rechtsextremismus und für Demokratie in der SPD-Landtagsfraktion engagiert.

Gedenkstätte soll sichtbaren Kontrast darstellen

Schimmelmann hatte das Ahrensburger Schloss 1759 gekauft und vor dem Verfall gerettet. Später stieg er in den Sklavenhandel ein. „Die Aufarbeitung des kolonialen Erbes ist ein notwendiger Teil der Diskussion um heutigen Rassismus“, sagt von Pein. „Dieser hat eine seiner Wurzeln im Denken europäischer Eroberer und Gelehrter. Daher braucht es eine breite Debatte in unserer gesamten Gesellschaft, aber auch konkret vor Ort“, sagt der 35-Jährige. Das Thema sei so wichtig, dass es für alle sichtbar sein müsse. „Es muss in der Schule stärker behandelt werden, es muss an Orten mit Bezügen zur Kolonialgeschichte sichtbar sein – also auch in Ahrensburg.“

Es sei zu wenig, die Schattenseiten von Heinrich Carl Schimmelmann nur im Schloss zu thematisieren, das Bauwerk selbst in seiner Außenwirkung aber ausschließlich positiv darzustellen. „Wir brauchen eine Gedenkstätte als sichtbaren Kontrast“, sagt von Pein. Wenn möglich, sollten dort auch die Namen und die Zahl der Opfer des Sklavenhandels genannt werden. Das alles trage zu einer Sensibilisierung bei.

Stadtverordnete wollen über Straßennamen diskutieren

Vor diesem Hintergrund begrüße er den Vorstoß in Ahrensburg, sämtliche Straßennamen auf den Prüfstand zu stellen. Wie berichtet, sind in der Stadt rund 60 Straßen, Veranstaltungssäle und öffentliche Einrichtungen nach historischen Personen benannt. Angedacht ist eine Kommission, die die Biografien der Namensgeber untersucht und nach noch festzulegenden Kriterien bewertet.

Im Bildungsausschuss stimmten Grüne, CDU, Linke und größtenteils auch die SPD für den Beschlussvorschlag der Verwaltung. Das letzte Wort haben die Stadtverordneten. Sie trafen Ende September aber noch keine Entscheidung, weil die Sitzung in der Sporthalle der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule vorzeitig wegen Kälte abgebrochen wurde. Nach Rathausangaben soll das Thema nun am Montag, 26. Oktober, erneut auf die Tagesordnung kommen. Dann wird in der Turnhalle des Eric-Kandel-Gymnasiums getagt – wenn es die Temperatur angesichts des coronabedingt erforderlichen Lüftens zulässt. Alternative Pläne gibt es laut Rathaussprecher Fabian Dorow derzeit nicht. Er sagt: „Die Möglichkeiten sind begrenzt.“

Von Pein ist für Umbenennung der Schimmelmannstraße

Tobias von Pein spricht sich schon jetzt dafür aus, die Schimmelmannstraße in Ahrensburg umzubenennen. „Ein Straßenname ist in der breiten Wahrnehmung auch immer eine Ehrung“, sagt er. „Wir brauchen aber keine Ehrung, sondern Mahnung und Aufarbeitung.“ Im Fall von Schimmelmann lägen genug Erkenntnisse vor, die eine Umbenennung erforderlich machten.

Stadtverordnetenversammlung: Mo 26.10., 19.30, Turnhalle des Eric-Kandel-Gymnasiums, Reesenbüttler Redder 4-10

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