Wettbewerb

Speaker Slam: Barsbütteler ist Rede-Weltmeister

| Lesedauer: 6 Minuten
René Soukup
Dirk Burmann zeigt seine Auszeichnung vor der Bücherleihzelle auf dem Stemwarder Spielplatz.

Dirk Burmann zeigt seine Auszeichnung vor der Bücherleihzelle auf dem Stemwarder Spielplatz.

Foto: René Soukup

Dirk Burmann geht beim internationalen Speaker Slam in Berlin „Excellence Award“ als Sieger hervor. Überzeugt hat er mit einem Vortrag.

Barsbüttel. Zwei Armbänder zieren das linke Handgelenk von Dirk Burmann, das braune mit großen Schmucksteinen ist ein sogenanntes Tigerauge und soll Stärke und Zuversicht vermitteln, ein weiteres mit kleinen Perlen hat die Farben Schwarz, Grün, Gelb, Weiß und Rot. Das hat er in Italien gekauft, natürlich wegen der Optik. Es ist eher ungewöhnlich, dass Finanzexperten solche Utensilien auch bei Geschäftsbesprechungen tragen. Doch damit nicht genug der Besonderheiten: Der Barsbütteler ist Rede-Weltmeister. Vor Kurzem gewann er beim internationalen Speaker Slam in Berlin den „Excellence Award“. 73 Teilnehmer aus zehn Nationen traten in mehreren Kategorien an einem Abend mit ihren Beiträgen gegeneinander – so viele wie noch nie. New York, Wien, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Wiesbaden und München waren Austragungsorte in den Jahren zuvor.

„Der Zeitdruck war eine neue Situation für mich“

Exakt vier Minuten hatte der 50-Jährige Zeit, das Publikum mitzureißen. Beim Überschreiten dieser Grenze wird das Mikrofon ausgeschaltet. Der selbstständige Unternehmensberater war 20 Sekunden früher fertig mit seinem Vortrag, den er „Die unausweichliche finanzwirtschaftliche Kernschmelze“ titelte. Burmann arbeitete sich an Thesen von Buchautoren zu Finanz-Crash-Szenarien ab, stellte sie mit neuen Blickwinkeln infrage. Die rund 100 Besucher waren genauso begeistert wie eine Jury aus Journalisten, Verlegern und Agenturmitgliedern.

„Ich hatte schon Lampenfieber und relativ kalte Hände. Der Zeitdruck war ja eine neue Situation für mich“, beschreibt der gebürtige Eutiner seinen Gemütszustand auf dem Weg zur Bühne. Es war seine erste Teilnahme an solch einem Wettbewerb. Dabei ist er geübt, vor vielen Menschen zu sprechen. Bis vor zwei Jahren hielt Burmann noch Vorträge an der Fachhochschule Kiel zum Thema Unternehmensbewertung.

Dirk Burmann hält sich mit Jogging fit

Aufgewachsen ist er in Neustadt an der Ostsee, machte nach der Schule eine Ausbildung zum Bankkaufmann und studierte dann Betriebswirtschaftslehre. Er arbeitete früher in der Wirtschaftsprüfung in Hamburg und Genf, bei der Online-Bank Comdirect und in leitender Funktion bei einer Tochter der HSH Nordbank. Dann wurde er Unternehmer und ist jetzt viel unterwegs. Vier bis fünf Tage pro Woche reist er durch Deutschland oder hält sich beruflich in Skandinavien und auch London auf. Meistens nutzt Burmann die Bahn.

Seit zwölf Jahren lebt er mit seiner Frau im Barsbütteler Ortsteil Stemwarde, hält sich mit Jogging fit und ist Fördermitglied der Feuerwehr. Die richtet jedes Jahr ein großes Pfingstfest über mehrere Tage aus. Es ist für Burmann eine Selbstverständlichkeit, dort mitzuhelfen. 2020 fiel die Sause wegen Corona natürlich aus.

Redner sollten Authentizität vermitteln

Seine Kinder, eine Tochter (22) und der Sohn (19), machen derzeit eine Ausbildung bei der Sparkasse Holstein. Vor der Familie hat er auch geübt und seinen Text gesprochen für den Auftritt in der Hauptstadt. „Die Kinder fanden es spannend, dass der Vater dabei ist“, sagt Burmann. Wichtig ist allerdings auch die Körpersprache, also Gestik und Mimik. Deshalb trainierte der Barsbütteler vor dem Spiegel, hatte stets eine Stoppuhr dabei. Manchmal sei er bei 3 Minuten und 30 Sekunden gewesen, dann wieder bei viereinhalb Minuten. Immer wieder änderte er Sätze und nahm ganze Bausteine heraus. Selbst am Tag der Präsentation dokterte er noch an Abschnitten herum. Für den Wettbewerb hatte sich der Stormarner erst eine Woche vorher angemeldet. Parallel entwickelte er erste Ideen für die Ausgestaltung der Präsentation.

Was einen guten Redner ausmacht? Da muss Burmann nicht lange überlegen, antwortet prompt: „Er sollte inhaltlich was zu sagen haben, es gut verpacken können. Nur so schafft er es, das Publikum auf die Reise mitzunehmen.“ Zudem sei es wichtig, authentisch zu sein. Emotionen spielten natürlich auch eine Rolle. Bei seinem Vortrag hat er Stimmtechniken gezielt eingesetzt, dazu gehört das Betonen von bestimmten Textstellen zwecks Gewichtung.

Der Finanzfachmann ist ein risikobereiter Mensch

Burmann ist über ein Ausbildungsprogramm mit den Schwerpunkten Rede und Positionierung auf den Wettbewerb, bei dem auch Profisportler und Wissenschaftler zur Konkurrenz zählten, gestoßen. Zudem war das Schreiben von Büchern Bestandteil des Kurses. „Ich wollte mir Inspirationen holen, was ich über die Beratungstätigkeit hinaus noch machen kann“, sagt er. Ein Buch zu schreiben, sei schon immer sein Traum gewesen. Jetzt überlegt er, zuerst eine Online-Kolumne zu starten und später mit einem Werk nachzulegen. „Auf jeden Fall wird es dabei um Finanzen und Ökonomie gehen.“ Einen Verlag zu finden, sei keine Sache, die sich auf die Schnelle regeln ließe.

Der Finanzfachmann ist ein risikobereiter Mensch und investiert in Aktien. Er sagt: „Die sind aber breit gestreut, ich setze auf Blue Chips und Technologieunternehmen.“ Glück hatte Burmann nicht immer. Als Anfang der 2000er-Jahre der Neue Markt zusammenbrach, habe auch er „auf die Mütze gekriegt“ und legt gleich mit den Gründen nach: „Ich habe mich von Emotionen anstecken lassen, viel zu spät verkauft.“ Man müsse sich Grenzen setzen für das Abstoßen von Aktien – bei fallenden und steigenden Kursen. Auf jeden Fall sei diese Anlageform ein langfristiges Investment.

Schon als Kind redete Burmann viel

Passend dazu: In seinem Vortrag zitierte Burmann den 1999 gestorbenen Börsenguru André Kostolany mit den Worten: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten“. Geld sei ihm nicht mehr so wichtig wie früher. „Es ist kein Garant für persönliches Glück“, sagt der Selbstständige.

Übrigens: Geredet hat der Barsbütteler auch in der Kindheit schon viel. Und zwar in der Schule. Allerdings störte er damit den Unterricht. Burmann: „Das steht in all meinen Zeugnissen bis zur siebten Klasse.“

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