Kultur

Musikalische Improshow auf Bargteheider Bühne

Als Play-Boy am Klavier geht Jan Christof Scheibe auch auf die skurrilsten Wünsche des Publikums ein.

Als Play-Boy am Klavier geht Jan Christof Scheibe auch auf die skurrilsten Wünsche des Publikums ein.

Foto: Jan Christof Scheibe

Jan Christof Scheibe & Friends geben im Kleinen Theater ein Wunschkonzert auf Zuruf. Das Publikum entscheidet über die Song-Inhalte.

Bargteheide. Eine oft zitierte Phrase besagt: Das Leben ist kein Wunschkonzert. Wenn also schon nicht das Leben, dann aber ein Abend mit Musiker Jan Christof Scheibe & Friends. An diesem Sonntag, 27. September (19.30 Uhr), bietet das Multitalent im Kleinen Theater Bargteheide eine musikalische Improshow. Das Programm? Darüber entscheidet das Publikum. Denn dessen Ideen und Textvorlagen fließen in die Songs mit ein. Dabei sind der Fantasie der Zuschauer keine Grenzen gesetzt. Jan Christof Scheibe sagt: „Wir vertonen Postleitzahlen genauso wie Telefonnummern, manchmal bringen die Zuschauer auch Rezepte oder Bedienungsanleitungen mit.“ Dichten und gleichzeitig improvisieren: Was für den Normalsterblichen mindestens eine Aufgabe zu viel ist, beherrscht der Künstler aus dem Effeff.

Jeder Musiker wird zum Multiinstrumentalisten

Mit von der Partie sind Gitarrist Mirko Michalski und Drummer Jens Carstens, Beides exzellente Musiker: Michalski steht sonst mit so bekannten Größen wie Ina Müller und Gustav Peter Wöhler auf der Bühne, Carstens spielt in der Band von Helene Fischer. Scheibe: „Das sind sehr eloquente Musiker, die Lust darauf haben, ein Abenteuer zu erleben.“ Eine grundlegende Voraussetzung, denn das spontane Umsetzen, die Kreativität auf Knopfdruck ist nichts für schwache Nerven. Es verwundert nicht, dass die Show „Deutschlands einziges Livekonzert auf Zuruf“ (Scheibe) ist. „So etwas trauen sich halt nur wenige“, vermutet der Künstler.

Hinzu kommt, dass bei den gemeinsamen Auftritten jeder Musiker zum Multiinstrumentalisten wird – nicht nur Gitarre, Klavier und verschiedene Percussioninstrumente, auch Mundharmonika, Blockflöte und etliches mehr kommen reihum zum Einsatz. Die Auswahl ist groß, sie muss zum jeweiligen Genre passen. Scheibe erläutert, warum: „Die Leute bestimmen alles. Sie könnten sich auch bestehende Titel wünschen.“

Die Zuschauer bestimmen das Programm

Ein Stück über ein verpatztes Einstellungsgespräch zur Melodie von Beethovens Fünfter? Kommt sofort. Ein Country-Song über die Warteschleife am Telefon beim Internetanbieter? Bitteschön! Ein Hitmix aus Queens „We Are The Champions“ und „Da Da Da“ der Neue-Deutschen-Welle-Band Trio – warum nicht? Bei solchen Aufgaben laufen sich die Musiker erst so richtig warm.

Das Ergebnis sind urkomische, originelle und überraschende Texte, unterlegt mit mitreißenden Melodien. Überraschend für Hörer und Künstler gleichermaßen. Beide verbindet, dass sie nicht wissen, was sie erwartet. Scheibe sagt: „Die Zuschauer werfen ihre schriftlichen Vorschläge in den offenen Gitarrenkoffer.“ Sie werden erst herausgeholt, wenn sie zum Einsatz kommen. „Wir schauen uns das vorher nicht an, sonst wäre es ja nicht so spannend“, findet Scheibe.

Scheibe stand schon als Kind im Scheinwerferlicht

Die Idee zum Bühnenprogramm sei bei der Zusammenarbeit mit Entertainerin Sissi Perlinger entstanden, mit der er viele Jahre als Comedyduo „Sissi Perlinger und Herr Scheibe“ durch Deutschlands Kulturstätten tourte. „Ich habe das als Warm-up angefangen“, erinnert sich der 57-Jährige. Aus diesen Anfängen entwickelte er ein eigenständiges, abendfüllendes Konzept, mit dem er seit etwa acht Jahren auf der Bühne steht.

Scheibe stand schon als Kind im Scheinwerferlicht. Der Sohn eines Kirchenmusikers und Chorleiters nahm schon im Alter von vier Jahren Klavier- und Gesangsunterricht. Es folgten Konzertauftritte, 1972 dann auch erstmals im Fernsehen, als Knabenstimme in der „Peter-Alexander-Show“. Er begann ein Kompositionsstudium, ging dann aber doch lieber auf Tour mit Bands wie der A-capella-Formation Partyanimals, Channel 5 oder Michel van Dyke.

„Privat höre ich gar keine Musik“, sagt Scheibe

Scheibe komponiert Theater- und Filmmusik, arbeitet als Bühnenautor, Musikproduzent und Darsteller und konzipiert zudem eigene Solo-Programme. Nicht zu vergessen die musikalische Leitung des Heaven Can Wait Chors, mit dem er seit Jahren Erfolge feiert. Derzeit spielt er „Zu viel Sex … reloaded“ im Hamburger Imperial Theater.

Auf die Frage, welche Musik er privat bevorzugt, offenbart der Musiker Überraschendes: „Privat höre ich gar keine Musik“, sagt er. Doch am Sonntag sei erst einmal Party angesagt, unter Corona-Bedingungen, versteht sich. Scheibe: „Das heißt, man läuft nicht Gefahr, Leuten zu nahe zu kommen.“ An frühere Auftritte in Bargteheide hat er gute Erinnerungen: „Das Publikum ist bunt gemischt und wahnsinnig freundlich. Wir hatten dort schon sehr lustige Abende.“ Ist das Publikum auch diesmal begeistert dabei, kann der Abend auch schon mal ein bisschen länger als geplant werden.