Kultur

Es gibt wieder Kunst im Ahrensburger Marstall

Die Künstlerin Sylvie Ringer hat den Corona-Lockdown für ihre Arbeiten in Kanada genutzt. 

Die Künstlerin Sylvie Ringer hat den Corona-Lockdown für ihre Arbeiten in Kanada genutzt. 

Foto: Melissa Jahn

Künstlergruppe stellt Werke im Kulturzentrum aus. Zu sehen sind Arbeiten mit explizitem Wissenschaftsbezug und zu forschenden Themen.

Ahrensburg.  Aus Garn gesponnene Worte, eine Installation mit keimenden Kartoffeln und Ockerpigmente auf Leinwand – wer sich inspirieren lassen und Kunst aus nächster Nähe erleben möchte, hat dazu von sofort an wieder im Ahrensburger Marstall die Möglichkeit. Im Kontext des Jahresthemas „Wissen und Forschen“ der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn untersuchen acht Künstler in der Gruppenausstellung „Peer to Piece – Vom forschenden Blick“ verschiedene Medien und Techniken, jeder auf seine Art. Die Ausstellung ist noch bis zum 25. Oktober geöffnet, ein Besuch aber nur nach Voranmeldung möglich.

Künstler wollen, dass ihre Werke gesehen werden

Mitten im Nirgendwo, nahe ihres Geburtsortes Kamloops in Kanada, hat Sylvie Ringer Kunstwerke zum Vidette Lake angefertigt. Einem Ort, der in den 80er-Jahren von buddhistischen Mönchen zum Zentrum des Universums erklärt wurde und seither eine Pilgerstätte für Suchende geworden ist. Die 37 Jahre alte Absolventin der HAW Hamburg nutzte den coronabedingten Lockdown, um zwei Stunden von der nächstgrößeren Stadt entfernt zu leben und zu forschen. „Das war nicht nur der perfekte Ort für eine Quarantäne“, sagt Ringer. „Ich hatte auch genügend Zeit, um mich auf alle Besonderheiten einzulassen.“

Ihre Zeichnungen und Papierarbeiten entstehen an Orten, zu denen Ringer einen persönlichen Bezug hat und denen eine mythologische oder historische Bedeutung zugeschrieben wird. Sie arbeitet mit Kohle oder anderen Materialien, die sie in der direkten Umgebung und Landschaft findet, so auch die rotbraunen Ockerpigmente, die sie für die aktuelle Arbeit mit Kokosöl, statt des traditionellen Bärenfettes der indigenen Bevölkerung gemischt hat. Zusammen mit ihren Mitstreitern freut sie sich, dass die Kunstwerke nun wieder im Marstall angeschaut werden können und sagt: „Wir alle stecken viel Energie und Zeit in unsere Arbeit. Am Ende wollen wir natürlich gesehen werden.“

Begegnung kann nicht durch digitale Formate ersetzt werden

Zu sehen sind Arbeiten mit expliziten Wissenschaftsbezügen sowie forschende, eher wissenschaftsferne Themen. Julia Frankenberg beschäftigt sich mit natürlichen Materialien wie Kartoffeln und ihrer Wirkung auf die menschliche Wahrnehmung. Jennifer Eckert untersucht Buchstabensysteme und die daraus resultierende Möglichkeiten der Übertragung von Sprache und Gestalt. Antje Feger und Benjamin F. Stumpf beziehen sich in ihrer Installation auf einen Versuchsaufbau der Drehspiegelmethode. Jana Schumacher zeigt unter dem Titel The Day Before Tomorrow unter anderem großformatige Digitaldrucke von Stürmen auf Satellitenaufnahmen. Anna Tautfest untersucht Raster und Formen und Katja Lell ihre eigene russlanddeutsche Migrationsgeschichte.

In den vergangenen Monaten mussten sich Kunstinteressierte auf Alternativangebote einlassen. Visualisierungen, 3-D-Ausstellungsrundgänge und aufgezeichnete Künstlergespräche ersetzten zumindest zeitweise die Rundgänge vor Ort. Zudem gab es begleitende Kataloge zu den Ausstellungen wie gewohnt zu erwerben. „Dies ist von mehreren hundert Menschen angenommen worden“, sagt Katharina Schlüter, Geschäftsführerin der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn. Zudem sei das neue Format eine gute Möglichkeit, eine erstaunlich hohe Reichweite zu erzielen und neue Interessenten zu werben. „Dies war für uns eine spannende Zeit, in der wir Neues kennengelernt und genutzt haben“, sagt die Leiterin für Kunst und Kultur. „Wir werden diese Formate sicherlich auch in Zukunft für Präsentationen einstreuen. Eine direkte Begegnung kann dadurch jedoch nicht ersetzt werden.“

Besucherzahl ist begrenzt, Voranmeldung erforderlich

Bis jetzt ist die Anzahl der Besucher beschränkt. Wer die Ausstellung besuchen möchte, muss sich bis 12 Uhr am Vortag im Doodle-Kalender auf der Website der Galerie unter www.galerie-im-marstall.de anmelden. Zudem wird es zwei digitale Gesprächsrunden mit den ausstellenden Künstlern geben. Am Mittwoch, 30. September, ab 19 Uhr, moderiert Katharina Schlüter einen Livestream mit Landrat Dr. Henning Görtz, Anna Tautfest und Katja Lell zum Thema „Zukunft denken – Wie kann Künstlerdasein in Zeiten von Corona und danach gelingen?“. Anmeldungen unter info@galerie-im-marstall.de.

Am Sonntag, 25. Oktober spricht Belinda Grace Gardener über Instagram live (@galerieimmarstall) zudem mit Sylvie Ringer über das Thema „Wissen Forschen: Mythen, Legenden, Narrationen – Welche Art von Wissen schafft künstlerisches Forschen?“

Galerie im Marstall, Lübecker Straße 8, Öffnungszeiten: Mittwoch, Sonnabend und Sonntag 11 bis 17 Uhr, Stormarner Kinderatelier zur Ausstellung, Sa, 17. Oktober in der Galerie am Marstall und Sa, 24. Oktober im Atelier Mamülei