Kultur

In Bargteheide gibt’s bald harten Rock im Stil der Zwanziger

Aus dem „Himmel und Hölle“ nach Bargteheide (v. l.): Stephan „Stoppel“ Eggert, Dirk Bewig, Agata Gromek, Daniel Malheur und Kaspar Loyal.

Aus dem „Himmel und Hölle“ nach Bargteheide (v. l.): Stephan „Stoppel“ Eggert, Dirk Bewig, Agata Gromek, Daniel Malheur und Kaspar Loyal.

Foto: Heinrich von Schimmer

The Heaven and Hell Orchestra kommt ins Kleine Theater. Mit dabei sind drei Freunde, die sich auch Schulzeiten in Ahrensburg kennen.

Bargteheide.  „Highway to Hell“ von AC/DC, „Jump“ von Van Halen und „Ace of Spades“ von Motörhead: The Heaven and Hell Orchestra präsentiert Hard-Rock-Klassiker auf vorher noch nie gehörte Weise – im Stil der Tanzkapellen aus den 1920er-Jahren. Die völlig neu arrangierten Songs wie „My Way to Hell“, „The Jumpdance“ und „The Gambler“ präsentiert die Band im Oktober im Kleinen Theater Bargteheide.

Die wahre Geschichte von der Erfindung des Heavy Metal

Drei Schulfreunde aus Ahrensburg arbeiten in dem Projekt zusammen. Es sind der jetzt in Berlin lebende Sänger Daniel Malheur, der Pianist Dirk Bewig, der mittlerweile in Bargteheide lebt, und Selig-Schlagzeuger Stephan „Stoppel“ Eggert. „Der Auftritt in Bargteheide ist nicht nur wegen unserer Heimat etwas ganz Besonderes, sondern auch in diesem Jahr der einzige in großer Besetzung“, sagt Salontenor Daniel Malheur, der in der Hauptstadt als „Erfinder des Monokel-Pop“ gilt.

Die drei Stormarner besuchten in den 1980er-Jahren das Heimgarten-Gymnasium in Ahrensburg. Mit ihnen kommen die Geigerin Agata Gromek, der Kontrabassist Kaspar Loyal (Berliner Staatsoper) und Pianist Peter André Rodekuhr ins Kleine Theater. Letzterer entlastet Dirk Bewig, der als Multiinstrumentalist auch mal zu Gitarre und Akkordeon greift und sich um Multimedia-Einspielungen kümmern kann. „Das wird ein Spektakel“, sagt Sänger Daniel Malheur, „so wie bei einem Alice Cooper der 1920er-Jahre.“

In einer Mischung aus Theater, Varieté und Konzert erzählt die Band die wahre Geschichte von der Erfindung des Heavy Metal. Dessen Wiege stand nämlich im verruchten Berlin der ausgehenden Weimarer Republik. Dort lud der britische Komponist und Kapellmeister Charles Theodor Goodhill ins „Himmel und Hölle“ neben der Gedächtniskirche am Kurfürstendamm ein, verpackte seine teuflischen Botschaften in seichte Tanzrhythmen. 1932 sei der „Meister der schweren Musik“ unter nie ganz geklärten Umständen ums Leben gekommen, so die Sage, die auch hinter dem Bandalbum „Mephistopolis“ (2016) steckt.

Sänger Daniel Malheur schreibt an „Groschenroman“

Wie für alle Künstler waren wegen der Corona-Restriktionen seit März kaum Auftritte möglich. „Deshalb ist es um so schöner, wieder gemeinsam mit vielen Musikern auf der Bühne stehen zu können“, sagt der Sänger. Bei aktuellen Konzerten sei die Stimmung sowohl bei den Musikern als auch beim Publikum oft besonders. „Wir haben Lust zu spielen, und die Besucher haben Bock drauf. Das macht alle glücklich und dankbar.“

In Berlin sehe es noch „düster“ aus. Dort ist Malheur vor allem solo und mit seinem Trio vor kleinem Publikum unterwegs. „So langsam geht es wieder los, die meisten Termine sind aber ins nächste Jahr verschoben.“ Entsprechend eng werde es im Kulturkalender 2021.

Daniel Malheur hat die freie Zeit seit dem Frühjahr für ein weiteres Projekt genutzt: Er schreibt ein Buch über das Leben des von ihm ersonnenen Hard-Rock-Protagonisten Charles Theodor Goodhill. „Als musikalischer Gast war ich häufig bei Lesungen, kenne einige Autoren. Das Schreiben hat mich schon immer gereizt“, sagt er. „Der Spieler – ein Groschenroman aus Berlin“ heißt das Werk. Es ist zur Hälfte fertig, darunter das Kapitel „Blackout oder Der erste Tango in Paris“.

Klassiker von Metallica als Foxtrott, Tango oder Polka

Die Kombination aus Lesung und Konzert sei zudem eine gute Möglichkeit für die Bühne. „In der momentanen Situation ist es am einfachsten zu organisieren, wenn man allein auftritt“, sagt er. Doch zunächst sieht Malheur seine Musikerfreunde aus Schulzeiten in Bargteheide wieder. Dort zeigt das Orchester in voller Besetzung, dass die Klassiker von Black Sabbath, Metallica, Judas Priest und Co auch als Foxtrott, Tango oder Polka gut klingen.

Und Schlagzeuger „Stoppel“ Eggert dürfte an dem Konzertabend noch einen weiteren Grund zur Freude haben: Am 16. Oktober erscheint das neue Album „Myriaden“ seiner Band Selig.

Hier gibt es Tickets:

Das Konzert von The Heaven and Hell Orchestra im Kleinen Theater Bargteheide (Hamburger Straße 3) ist am Freitag, 16. Oktober. Es beginnt um 20 Uhr.

Karten kosten im Vorverkauf 25 Euro (ermäßigt 23) und an der Abendkasse 27 (25). Online sind Tickets auf www.kleines-theater-bargteheide.de erhältlich.

Vorverkaufsstellen: in Bargteheide Arkaden-Buchhandlung (Bahnhofstraße 5), Bargteheider Buchhandlung (Rathausstraße 25) und Kulturservicebüro im Theater (Telefon 04532/54 40); in Ahrensburg Buchhandlung Stojan (Hagener Allee 3a); in Bad Oldesloe KuB (Beer-Yacoov-Weg 1).