Neubauvorhaben

Barsbüttel schafft mehr Platz für Firmen im Gewerbegebiet

Barsbüttels Bürgermeister Thomas Schreitmüller, Marcus Wohlert (Strabag), Landrat Henning Görtz und Ingenieur Michael Hohmann beim offiziellen Spatenstich.

Barsbüttels Bürgermeister Thomas Schreitmüller, Marcus Wohlert (Strabag), Landrat Henning Görtz und Ingenieur Michael Hohmann beim offiziellen Spatenstich.

Foto: René Soukup

Spatenstich für Erweiterung auf 143 Hektar. Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn investiert 16 Millionen Euro in das Projekt.

Barsbüttel. Neben dem Verkehrskreisel am Ende der Rahlstedter Straße in Barsbüttel ist ein Zaun installiert. Dahinter befinden sich sechs aneinandergereihte Baucontainer, Fachkräfte haben einen rund drei Meter breiten Leitungskanal gegraben und Rohre gelegt. Weiter nördlich schippt ein Bagger Sand für die Erschließungsstraße. Die Arbeiten zur Gewerbegebietserweiterung haben begonnen. Am Donnerstag war offizieller Spatenstich mit Bürgermeister Thomas Schreitmüller und Landrat Henning Görtz, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der für die Erschließung zuständigen Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) ist. Jene investiert rund 16 Millionen Euro und verkauft auch die Grundstücke. Die Fläche für Unternehmen in der Gemeinde wächst um 15 auf 143 Hektar.

Möbel Höffner kann vier zusätzliche Hektar nutzen

Im Frühjahr kommenden Jahres sollen die ersten Gebäude hochgezogen werden. Die Fertigstellung ist bis Dezember 2023 angestrebt. Elf Hektar sind für Barsbütteler Betriebe, die sich vergrößern wollen. Auf vier Hektar ergeben sich neue Möglichkeiten für Möbel Höffner. Angedacht sind mehr Stellplätze für Lastwagen und der Ausbau des Logistikzentrums.

Die WAS hat bereits zahlreiche Anfragen gesammelt und laut Georg Frank, Prokurist und Projektleiter bei der 1957 gegründeten Wirtschaftsförderungsgesellschaft, im ersten Schritt eine Liste erstellt mit Firmen, die Priorität genießen. Er sagt: „Wir werden sicherlich nicht alle Interessenten bedienen können.“ Mit drei Unternehmen wurde bereits konkret gesprochen. Andere Betriebe haben ein Schreiben erhalten und müssen nun erklären, wie viel Platz sie benötigen und die Zahl der Arbeitsplätze nennen. Klar ist: Unternehmen, die viel Gewerbesteuer zahlen, sind im Vorteil. Solche mit wenig Umsatz und Beschäftigten haben keine Chance auf eine Ansiedlung.

Etwa 15 Betriebe könnten sich auf Gebiet ansiedeln

Das gilt ohnehin für Firmen aus dem Bereich Einzelhandel, die zum Beispiel Lebensmittel verkaufen, also Waren des täglichen Bedarfs. Auch Teppich- und Küchenspezialhäuser, Möbel-Fachmärkte sowie Einrichtungsspezialisten sind ausgeschlossen. Somit gibt es für Höffner keine Konkurrenz in der Nachbarschaft. „Wir gehen davon aus, dass wir das Areal schnell belegen können“, sagt Frank, der mit seinen Kollegen die Auswahl trifft. Barsbüttel hat bei dem Verfahren allerdings Mitspracherecht. Nach groben Schätzungen der WAS werden 15 Betriebe aus der rund 13.900 Einwohner zählenden Gemeinde direkt an der Autobahn 1 ein neues Zuhause finden. „Es könnten auch zwei oder drei mehr werden“, so Frank.

Das privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen, dessen Gesellschafter der Kreis, die Sparkasse Holstein sowie die Investitionsbank Schleswig-Holstein sind, verlangt für den Quadratmeter 180 Euro. Die WAS zahlt wiederum allein eine Million Euro an die Gemeinde für rund 58.000 Quadratmeter Ausgleichsflächen in den Ortsteilen Stellau und Willinghusen. Inbegriffen sind die Unterhaltspflege über 20 Jahre sowie Kosten für Knickausgleich.

Das Interesse an neuen Gewerbeflächen ist groß

Die Schaffung von neuen Flächen für Betriebe und damit die Chance auf mehr Gewerbesteuereinnahmen ist für Barsbüttel wichtig. Derzeit hat die Kommune rund 22 Millionen Euro Schulden, Ende 2018 waren es zwölf Millionen. Die Steigerung ist unter anderem der Sanierung und Erweiterung des Rathauses geschuldet mit Projektkosten in Höhe von rund zehn Millionen Euro. Und es müssen weitere Kredite aufgenommen werden, weil unter anderem die Feuerwehren in Willinghusen und Stemwarde neue Wachen bekommen.

„Heute ist ein guter Tag für Barsbüttel. Die Bürger haben ja auch etwas von Gewerbesteuereinnahmen“, sagte Schreitmüller bei dem symbolischen Akt und nannte als Beispiel „das tolle Angebot der Gemeinde bei der Schulkindbetreuung“. Das Interesse an neuen Gewerbeflächen ist laut dem Verwaltungschef trotz Corona nach wie vor groß.

Das Innenministerium in Kiel stoppte erste Pläne

Um die Erweiterung auf den Weg zu bringen, tauschten Gemeinde und Höffner ein Grundstück. Darüber verhandelten die Parteien lange angesichts der Extravereinbarungen. Der Deal gestaltet sich so: Höffner bekommt den Stellauer Weg und baut eine Ersatzstraße um sein Grundstück herum. Zusätzlich erhält Barsbüttel einen Höffner-Abschnitt für die Zufahrt vom Kreisel ins neue Areal. Die 2005 eröffnete Filiale in Stormarns Süden gilt als Aushängeschild des Möbel-Unternehmens.

Ursprünglich wollte Barsbüttel an der A 1 ein prestigeträchtigeres Projekt vollziehen mit dem ersten grenzübergreifenden Gewerbegebiet der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg. Rund 40 Hektar nördlich in Richtung Rahlstedt und Stapelfeld wollte die Kommune ausweisen und zusammen mit der WAS vermarkten. Darum bemühte man sich schon 2011. Das Innenministerium in Kiel stoppte die Pläne, weil sie dem Regionalplan des Landes widersprechen.

Stapelfeld baut grenzübergreifendes Gewerbegebiet

Das Rennen machte schließlich Nachbar Stapelfeld – und freut sich nun über den Straßenausbau. Die Rampen an der dortigen A-1-Anschlussstelle bekommen eine zusätzliche Abbiegespur, zudem wird die Alte Landstraße von Braak in Richtung Hamburg auf einem 1,6 Kilometer langen Abschnitt bis zur Kreuzung an der Müllverbrennungsanlage (MVA) Stapelfeld zweispurig.

Den entsprechenden Vertrag unterzeichneten vor Kurzem Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP), WAS-Geschäftsführer Detlev Hinselmann sowie die Bürgermeister von Stapelfeld und Braak, Jürgen Westphal (WGS) und Hans-Ulrich Schmitz (CDU).