Geschäftsidee

Trittauer Fun-Parc erfindet sich in Corona-Krise neu

Fun-Parc-Betreiber Knut Walsleben vor einem Stapel Balken für den Einbau der Spuckschutzwände um die Lounges.

Fun-Parc-Betreiber Knut Walsleben vor einem Stapel Balken für den Einbau der Spuckschutzwände um die Lounges.

Foto: Lutz Kastendieck

Weil die Clubs und Diskotheken geschlossen bleiben müssen, will die Großraumdisco Ende September als Restaurationsbetrieb öffnen.

Trittau.  Seit mehr als sechs Monaten ruht der Betrieb in der weit über den Kreis Stormarn hinaus bekannten Diskothek Fun-Parc. Schon machte das Gerücht die Runde, der Partytreff bleibe für immer geschlossen. Doch nun regt sich dort wieder Leben. Im Royal Club mit dem größten Dancefloor des insgesamt 2000 Quadratmeter umfassenden Tanztempels im Technologie- und Wirtschaftspark Trittau wird seit Tagen emsig gesägt, gehämmert und geschraubt. „Wenn alles läuft wie geplant, werden wir am Freitag, 25. September, wieder öffnen“, sagt Inhaber Knut Walsleben. Dann allerdings nicht als Disco, sondern als Restaurationsbetrieb mit Musik.

Discobetreiber kritisiert das Vorgehen der Landesregierung

Kaum eine andere Branche ist von den Corona-Restriktionen so betroffen wie die Disco- und Clubszene. In der jüngsten Verordnung der schleswig-holsteinischen Landesregierung vom 1. September war ihr nur ein einziger Satz gewidmet. „Diskotheken und ähnliche Einrichtungen sind zu schließen.“

Für Walsleben, zugleich Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe (BDT), ist das ein schlechter Witz. „So geht das jetzt seit Anfang März und ein Ende dieser Durststrecke ist nicht in Sicht. Wir sind ein wichtiger, anerkannter Teil der Freizeitkultur, an der Tausende Arbeitsplätze hängen. Trotzdem gibt es für uns keine Öffnungsperspektive. Schlimmer noch, es gibt nicht mal Gesprächsangebote“, kritisiert er das Vorgehen der Landesregierung.

Walsleben stand bei Protestdemo als Redner auf der Bühne

Die Verzweiflung in der gesamten Veranstaltungsbranche offenbarte sich kürzlich bei einem Protestmarsch in Berlin mit rund 15.000 Teilnehmern. Dort hatten sich neben Vertretern von Tanzbetrieben, Konzertdirektionen und zahlreichen Technikern auch namhafte Musiker wie Herbert Grönemeyer eingefunden, um Nöte zu artikulieren und Berufsperspektiven einzufordern.

Als einer der Redner kritisierte Walsleben leichtfertige Äußerungen von Spitzenpolitikern wie Markus Söder (CSU) und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Bayerns Ministerpräsident Söder hatte Diskotheken und Clubs pauschal als „Infektionsbomben“ bezeichnet. Die überdies nicht in der Lage seien, wie in der Gastronomie nachvollziehbare Namenslisten zu führen. Zu befürchten sei viel mehr, dass sich ins Discos dort auch „Donald Duck, Mickey Maus oder Superman“ wiederfinden würden.

QR-Codes sollen bei der Einlasskontrolle helfen

„Das spricht für wenig Sachkenntnis“, moniert Walsleben. Denn anders als in Gaststätten, wo oft nur Zettel zum Selbsteinschreiben verteilt würden, gebe es in vielen Tanzbetrieben längst eine elektronische Registrierung. „Beim Zutritt und Verlassen des Fun-Parc müssen etwa QR-Codes gescannt werden. So wissen wir genau, wer bei uns ein und ausgeht. Mit irgendwelchen Fantasienamen kommt bei uns keiner durch“, berichtet der 45-Jährige.

Mehr noch würden Tanzbetriebe mit ihrem Raumangebot, ihrer technischen Ausstattung und ihrer langjährigen Erfahrung im Veranstaltungsmanagement beste Voraussetzung bieten, um einen größtmöglichen Infektionsschutz zu bieten. „Wir arbeiten seit Jahren eng mit den örtlichen Behörden zusammen. Warum schenkt man uns jetzt so wenig Vertrauen?“, fragt der erfahrene Veranstalter. Aus seiner Sicht sind Discos und Clubs die Lösung für einen geregelten Partybetrieb und nicht das Problem. Weil deren Fachkräfte damit vertraut seien, vorgegebene Maßnahmen und Konzepte gesetzeskonform umzusetzen – auch in Corona-Zeiten.

Wegekonzept soll Kontakte zwischen Gruppen minimieren

Den Beweis will Walsleben jetzt antreten. Dafür läuft aktuell ein aufwendiger Umbau im Fun-Parc. Im Royal Club wird der Tanzboden um 30 Zentimeter angehoben und mit vier weiteren Lounges für je zehn Personen bestückt. „Wir werden den gesamten Raum in 25 Sitzgruppen umbauen und für 25.000 Euro mit Plexiglaswänden als Spuckschutz versehen. Alle Tresen und die beiden anderen Tanzräume bleiben geschlossen. So begrenzen wir die Zugangszahl auf jene 250 Gäste, die indoor zeitgleich zusammensein dürfen“, erklärt der innovative Unternehmer.

Zudem gibt es ein ausgeklügeltes Wegekonzept, um möglichst wenig Kontakt zwischen den Gästen der verschiedenen Lounges zu gewährleisten. Dazu dienen auch je zwei Bewegungskarten pro Separee, für die Abstecher aufs WC und zum Rauchen. Zudem werden Speisen und Getränke prinzipiell vom Servicepersonal in die Lounges gebracht.

Zehnfacher Luftaustausch pro Stunde ist garantiert

Für genügend Frischluft ist im Fun-Parc ohnehin gesorgt. „Unsere moderne Anlage sorgt für einen zehnfachen Luftaustausch pro Stunde, während vom Robert-Koch-Institut nur ein sechsfacher Austausch gefordert ist“, so Walsleben.

Obwohl ausgelassener Tanz praktisch untersagt sein wird, müssen Besucher auf einen DJ, wummernde Bässe und pulsierende Strobolights nicht verzichten. „Es ist einfach wichtig, dass wir unseren Gästen ein Angebot unterbreiten, um sie nicht gänzlich zu verlieren“, sagt Knut Walsleben. Das gleiche gelte für die acht Festangestellten und rund 80 Minijobber des Fun-Parcs: „Wenn es dauerhaft keine Aussicht auf eine Weiterbeschäftigung gibt, werden sie sich abwenden und andere Arbeit suchen.“ Insofern soll das neue Konzept nicht nur ein Signal des Aufbruchs sein, sondern auch Hoffnung verbreiten.