Stormarn

Die Zahl der Fahrraddiebstähle geht zurück

Jürgen Hentschke (ADFC Stormarn) zeigt die optimale Radsicherung: mit zwei verschiedenen Schlössern und an Festverankertes angeschlossen.

Jürgen Hentschke (ADFC Stormarn) zeigt die optimale Radsicherung: mit zwei verschiedenen Schlössern und an Festverankertes angeschlossen.

Foto: Petra Sonntag

Polizei verzeichnet Rückgang der Delikte um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Der Wert gestohlener Räder steigt indes deutlich.

Bad Oldesloe. Trotz allgemeinem Fahrrad-Boom und bestem Radelwetter in den vergangenen Monaten ist die Zahl der Fahrraddiebstähle in Stormarn im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, wie eine Anfrage dieser Zeitung bei Polizeidienststellen im Kreisgebiet zeigt. Während im ersten Halbjahr 2019 kreisweit noch 263 Diebstähle bei der Polizei angezeigt wurden, waren es laut Auskunft der Zentralen Dienste in Bad Oldesloe in diesem Jahr von Januar bis einschließlich Juni nur noch 255.

An öffentlichen Plätzen stehen weniger Fahrräder

Insgesamt seien im vergangenen Jahr in Stormarn 616 Fahrraddiebstähle bekannt geworden, so Polizeisprecherin Sandra Kilian. „Davon waren 518 unter erschwerenden Umständen, das heißt, die Räder waren durch Fahrradschlösser gesichert oder standen in abgeschlossenen Kellern, 98 Räder waren hingegen gar nicht angeschlossen.“ In einigen Kommunen Stormarns ist der Rückgang der Raddiebstähle in diesem Jahr indes deutlich spürbar.

„Wir verzeichnen im Vergleich zu den Vorjahren bislang zirka ein Drittel weniger Fälle“, sagt Frank-Stephan Simon, Leiter der Polizeizentralstation Bargteheide. Bis Mitte August habe es im Zuständigkeitsbereich der Wache 48 angezeigte Raddiebstähle gegeben. „Davon waren 17 in der Nähe des Bahnhofs, sieben im Bereich der hiesigen Schulen und fünf außerhalb von Bargteheide in angrenzenden Gemeinden wie Delingsdorf, Elmenhorst und Bargfeld-Stegen. Der Rest verteilt sich über ganz Bargteheide.“ Allein die angezeigten Diebstähle außerhalb Bargteheides hätten 2019 zum selben Zeitpunkt bei zehn Fällen gelegen. Dass die Diebstähle weniger geworden sind, überrascht Simon nicht. „Anstatt nach Hamburg zu pendeln, arbeiten die Leute mehr im Homeoffice. Deshalb stehen weniger Fahrräder am Bahnhof, der zu den Schwerpunkten bei diesen Delikten zählt.“

Reinfelder Polizei verzeichnet ein Drittel weniger Fälle

In Reinfeld sind die Fahrradstellplätze am Bahnhof ebenfalls sehr beliebt bei Dieben. Doch auch hier hat die Polizei Reinfeld, die bis zur Kreisgrenze nach Segeberg zuständig ist und auch kleine Orte wie Meddewade und Mönkhagen betreut, seit Jahresbeginn weniger Diebstähle festgestellt. Während es im Vorjahr bis zum 24. August noch 19 Fälle gewesen seien, seien es dieses Jahr nur 13, so ein Beamter des Polizeireviers auf Anfrage. Das ist ebenfalls ein Drittel weniger.

Auch im Süden des Kreises schlagen Fahrraddiebe in diesem Jahr seltener zu. „Wir haben bis zum 24. August 31 Anzeigen wegen eines gestohlenen Fahrrads aufgenommen“, sagt Polizeihauptmeisterin Petra Hoff vom Polizeirevier Glinde. „Zum selben Zeitpunkt des vergangenen Jahres waren es noch 49.“ In Glinde gebe es keinen Schwerpunkt für Fahrraddiebe. Die Räder würden vor der Haustür, an der Bushaltestelle, vor Schulen oder aus dem Garten gestohlen.

Das Rad nicht nur ab-, sondern auch anschließen

Dabei können Fahrradbesitzer viel dazu beitragen, damit Langfinger kein leichtes Spiel haben. „Diebe nehmen gerne Fahrräder, die nicht gut gesichert, also nur mit einem einfachen Schloss versehen oder gar nicht abgeschlossen sind“, sagt Reiner Hinsch vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) Stormarn. Die Räder würden oft nur für einen kurzen Weg gestohlen, die meisten Diebstähle gingen nach Einschätzung des Verbands nicht auf organisierte Kriminalität zurück. „Zur Sicherung des Rads ist ein gutes Schloss wichtig. Und man sollte das Rad nicht nur ab-, sondern auch anschließen, so dass Diebe es nicht wegtragen können.“ Hinsch, der für den ADFC Ortsgruppensprecher in Bad Oldesloe ist, kennt das Problem vom Oldesloer Bahnhof. „Dort stehen eher keine hochwertigen Räder, sondern einfache Zweiträder, die sich die Leute zugelegt haben, um zwischen Bahnhof und zu Hause zu pendeln. Aber auch die müssen gut gesichert werden.“

Bei der Wahl des Schlosses sollten Radbesitzer nicht zu sparsam sein, rät Hinsch. „Dafür sollte man mindestens 60 Euro ausgeben, damit es den Angriffen der Diebe standhält.“ Bei führenden Marken weise eine Klassifizierung der Sicherheitscodes von A bis F auf die Diebstahlsicherheit hin. „F ist die hochwertigste Variante beim Schloss.“

Code beinhaltet wichtige Daten des Besitzers

Hentschke und Hinsch bieten diesen Monat in Ahrensburg und Bad Oldesloe ADFC-Codierungsaktionen an (siehe Info). Bei den 98 Fahrrädern, die 2019 im Kreis gestohlen wurden und nicht abgeschlossen waren, konnte die Polizei immerhin zehn Fälle aufklären. Von den 518 Diebstählen, bei denen das Schloss aufgebrochen oder das Rad aus dem Keller entwendet wurde, konnten indes nur 29 Fälle, also 5,6 Prozent, aufgeklärt werden.

Auch die Akkus der E-Bikes werden geklaut

Fahrräder sind in der Regel über die Hausratversicherung versichert, sofern ein entsprechender Vertragsbaustein mitabgeschlossen wurde. „Die Summe des Versicherungswerts kann man selbst festlegen“, sagt Sandra Münstermann von der Provinzial-Versicherung in Ahrensburg. „Gegen Vorlage des Kaufbelegs und der polizeilichen Anzeige erstatten wir den Neuwert, wenn das Rad abgeschlossen oder in einem Keller eingeschlossen war.“

Die Summe des Schadenswertes nehme deutlich zu, sagt Münstermann. „Die Leute fahren vermehrt E-Bikes, die 3000 Euro und mehr kosten.“ Oft werde auch nur der Akku eines E-Bikes geklaut. „Der kostet bereits 600 Euro und ist mit ein paar Handgriffen schnell abgeschraubt. Allein die Akku-Halterung kostet schon 100 Euro.“ Mit den Akkus würden die Diebe danach Handel treiben.

Termine für ADFC-Fahrradcodierungen

In Ahrensburg und Bad Oldesloe bietet der ADFC Stormarn diesen Monat an zwei Sonnabenden Gelegenheit zur Fahrradcodierung. Ein Aufkleber mit verschlüsselter Nummer, der auf den Rahmen des Fahrrads geklebt wird, zeigt künftig sofort, wer der Eigentümer des Rads ist. Der Codierungsaufkleber verbindet sich unablösbar mit dem Lack des Fahrrads. Voranmeldung mit Namen und Adresse per E-Mail erforderlich.

Ahrensburg, 12. September, 9 bis 13 Uhr, vor Fahrrad Kretzschmann (Manhagener Allee 15), Anmeldungen per E-Mail an Juergen.Hentschke @adfc-stormarn.de.Bad Oldesloe, 19. September, 9 bis 13 Uhr, vor dem KuB (Kultur- und Bildungszentrum, Beer-Yaacov-Weg 1), Anmeldungen per E-Mail an Reiner.Hinsch@adfc-stormarn.de. Zur Codierung sind neben dem Fahrrad auch Personalausweis sowie ein Eigentumsnachweis für das Rad mitzubringen. Die Codierung ist für ADFC-Mitglieder kostenlos, für alle anderen kostet sie 8 Euro. Die Codierungstage sind Teil des „Stadtradelns 2020“.