Ermittlungen

18-Jährige gestorben: Brandtragödie schockt Großhansdorfer

An der Einfahrt zu der ausgebrannten Doppelhaushälfte an der Ostlandstraße liegen Blumen. Einsatzkräfte fanden die Tote im Dachgeschoss.

An der Einfahrt zu der ausgebrannten Doppelhaushälfte an der Ostlandstraße liegen Blumen. Einsatzkräfte fanden die Tote im Dachgeschoss.

Foto: Harald Klix

Junge Frau kommt bei Großfeuer ums Leben. 16-Jährige kann sich retten. Im ersten Notruf wurde Hoisdorf als Einsatzort gemeldet.

Grosshansdorf.  Am Tag nach dem tödlichen Wohnungsbrand zieht kalter Rauch durch die Ostlandstraße in Großhansdorf. An der Einfahrt zur weiß gestrichenen Doppelhaushälfte, in der eine 18-Jährige ums Leben gekommen ist, liegen einige Blumen, die jemand unter das rot-weiße Absperrband der Polizei gelegt hat. Im Dachgeschoss war am Donnerstagvormittag ein Feuer ausgebrochen. Eine 16-Jährige, die mit in dem Haus war, konnte das Gebäude aus eigener Kraft verlassen. Laut Polizei ist sie nicht verwandt mit der 18-Jährigen.

Erster eingehender Notruf sorgte für Verwirrung

Was die Flammen ausgelöst hat, ist weiterhin unklar. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zur Brandursache laufen noch. „Zur Unterstützung soll in Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Lübeck ein Sachverständiger beauftragt werden“, sagt ein Polizeisprecher. Auch die genaue Todesursache steht noch nicht fest. Sie soll bei einer Obduktion geklärt werden.

Für Verwirrung hatte am Donnerstag der erste eingehende Notruf in der 112-Einsatzzentrale gesorgt. In dem Anruf war von einem Zimmerbrand in der Straße An der Buschkoppel in Hoisdorf die Rede. Deshalb löste die Integrierte Rettungsleitstelle Süd (IRLS) in Bad Oldesloe um 10.41 Uhr einen Alarm für die Hoisdorfer Feuerwehr aus.

Der Dachstuhl habe komplett in Flammen gestanden

Gut drei Minuten später musste der Einsatzort in Ostlandstraße in Großhansdorf korrigiert werden. „Derselbe Notrufteilnehmer hatte sich noch mal gemeldet und die richtige Adresse genannt“, sagt IRLS-Leiter Carsten Horn. Um 10.44 Uhr konnte die Alarmierung der Großhansdorfer Wehr erfolgen mit dem Zusatz, dass Menschenleben in Gefahr sind.

„Wir sind dann sofort in die Ostlandstraße gefahren“, sagt Gemeindewehrführer Andreas Biemann. Als die Retter in der schmalen und nur 200 Meter langen Anliegerstraße eintrafen, habe der Dachstuhl bereits komplett in Flammen gestanden. Nach ersten Informationen vor Ort sollte sich noch eine Person im Haus befinden.

Beim Löschen stürzten Teile des Dachstuhls ein

Zur personellen Unterstützung und um mehr Atemschutzgeräte zu haben, wurden die Freiwilligen Feuerwehren aus Ahrensburg, Ahrensfelde, Hoisdorf, Siek und Oetjendorf angefordert. Hinzu kamen Polizei und Rettungsdienst sowie Notfallseelsorger. Bis zu 100 Feuerwehrleute bekämpften die Flammen, die sich auf die andere Hälfte des Doppelhauses ausbreiteten, von mehreren Seiten. Dabei stürzten Teile des Dachstuhls ein. Die Helfer verhinderten ein Übergreifen auf weitere Gebäude. Erst nach fünf Stunden war das Feuer vollkommen gelöscht.

Als die Einsatzkräfte endlich ins Haus konnten, bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen. Dort fanden sie den Leichnam der 18 Jahre alten Bewohnerin in einem Schlafzimmer im oberen Geschoss.

Großhansdorfs Bürgermeister Janhinnerk Voß begleitete den Großeinsatz vor Ort. „Wir haben für die betroffenen Angehörigen und die Notfallseelsorger sofort Räume im Rathaus bereitgestellt“, sagt er. Da die beiden Doppelhaushälften durch Feuer, Rauch und Löschwasser nicht mehr bewohnbar sind, habe die Gemeinde den Besitzern auch weitere Hilfe angeboten. Sie seien zunächst bei Verwandten untergekommen.

Einsatz ist auch belastend für die Feuerwehrleute

„Das ist wirklich ein tragisches Unglück“, sagt Voß. Auch für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute, die in der schmalen Straße sehr gute Arbeit geleistet hätten, sei der Einsatz sehr belastend. „Es haben sich natürlich einige die Frage gestellt, ob mehr möglich gewesen wäre, wenn beim Notruf sofort die richtige Adresse eingegangen wäre“, so der Bürgermeister. So seien wertvolle Minuten verloren gegangen. Die Feuerwehrleute konnten mit dem Expertenteam von der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) über ihre Erlebnisse reden.

Groß ist der Schock auch im persönlichen Umfeld der 18-Jährigen. In der Berufsschule in Ahrensburg, die die junge Frau zuletzt besuchte, war für mehrere Mitschülerinnen aus dem vergangenen Schuljahr kein Unterricht mehr möglich. Schließlich durfte die Klasse nach Hause gehen.

Die beiden Doppelhaushälften an der Ostlandstraße in Großhansdorf bleiben bis auf Weiteres abgesperrt. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf mehrere Hunderttausend Euro.