Tiermisshandlung

Nach Ehestreit: Mann würgt Katze und wirft sie in Teich

Richterin Gisela Happ verhängte eine Geldstrafe.

Richterin Gisela Happ verhängte eine Geldstrafe.

Foto: Filip Schwen

61-Jähriger aus Bargfeld-Stegen in Ahrensburg vor Gericht. Tier überlebt verletzt. Der Mann beleidigt und attackiert zudem Polizistin.

Ahrensburg. Das Leid einer Katze hat am Mittwoch das Amtsgericht Ahrensburg beschäftigt: Im Streit mit seiner Ehefrau hatte ein 61-Jähriger aus Bargfeld-Stegen das gemeinsame Haustier laut Lübecker Staatsanwaltschaft zunächst mit einem Kabel gewürgt und anschließend in den Gartenteich geworfen.

Die Anklagebehörde wirft dem Bargfeld-Stegener eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz vor, außerdem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Beleidigung.

Die Ehefrau filmte die Tat

Das Gericht hatte bereits im Vorfeld der Verhandlung per Strafbefehl eine Geldstrafe gegen S. verhängt. „Wenn die Beweislage klar ist, kann auf diese Weise ein Urteil gefällt werden, ohne dass eine Hauptverhandlung mit Beweisaufnahme und Zeugen erfolgt“, sagte Richterin Gisela Happ zum Abendblatt. Der Angeklagte habe dann zwei Wochen Zeit, Einspruch einzulegen. „Das ist in diesem Fall geschehen“, so Happ.

Wolfgang S. (Name geändert) hatte der 14 Jahre alten Maine-Coon-Katze laut Anklageschrift (Az.: 792 Js 11544/19). am späten Abend des 11. Dezember 2018 nach einem Streit mit seiner Gattin ein Lautsprecherkabel um den Hals gelegt. Mit der Schlinge um den Hals habe er die Katze in den Garten des Hauses in Bargfeld-Stegen getragen, dort in den Teich geworfen. Das Tier konnte sich befreien und überlebte verletzt. Die Ehefrau filmte die Tat und alarmierte die Polizei. S. soll alkoholisiert gewesen sein.

Polizeibeamtin erlitt Blutergüsse

Als die Polizeibeamten eintrafen, soll S. sie beleidigt und dabei Formulierungen wie „asoziale Sinti“ verwendet haben. „Eine Beamtin, die zu verhindern versuchte, dass der 61-Jährige wieder zu seiner Ehefrau gelangte, hat der Angeklagte bei dem Versuch, sie gewaltsam beiseite zu drängen, so fest an den Handgelenken ergriffen, dass die Polizistin Hämatome erlitt“, heißt es in der Anklage. Die Ehefrau flüchtete nach der Tat mit den gemeinsamen Kindern (vier und sieben Jahre) zu einer Verwandten. Die Katze kam mit den drei übrigen Samtpfoten der Familie in ein Tierheim.

Gleich zu Verhandlungsbeginn räumte S. die Misshandlung der Katze ein, überrascht dann aber mit der Begründung der Tat: Er habe das Tier nicht töten, sondern vielmehr seiner Gattin eine Lektion erteilen wollen. „In unserer Ehe kriselte es“, sagte S. An jenem Tag sei der Streit eskaliert, als seine Ehefrau gedroht habe, die Katzen einschläfern zu lassen. „Ich habe gesagt: Wenn du sie loswerden willst, kann ich sie gleich hier erwürgen“, so der 61-Jährige. Um das zu verdeutlichen, habe er zu dem Kabel gegriffen. „Eigentlich habe ich das getan, um die Katzen zu retten.“ Außerdem sei die Katze nach der Tat weder verängstigt noch verletzt gewesen.

Katze versuchte, Kabel durchzubeißen

Dem widersprach die vom Gericht bestellte tiermedizinische Sachverständige. In dem von der Ehefrau aufgenommen Video sei zu sehen, wie die Katze verzweifelt versuche, das Kabel zu durchbeißen. „Angelegte Ohren und geweitete Pupillen zeigen, dass das Tier große Angst durchleidet“, so die Veterinärin. Als Folge der Tat gebe die Katze beim Atmen laute Geräusche von sich. Auch psychische Schäden seien wahrscheinlich.

Richterin Gisela Happ sagte: „Der Beweggrund hinter Ihrer Tat ist vollkommen egal. Spätestens durch die Reaktion Ihrer Katze musste Ihnen klar sein, dass sie aufhören müssen.“ Auch für sein aggressives Verhalten gegenüber den Polizeibeamten hat der 61-Jährige eine skurrile Erklärung: „Ich habe gedacht, es seien keine echten Polizisten.“ Er sei von dem Erscheinen der Beamten überrascht gewesen. „In der Zeitung liest man ja immer wieder von Trickbetrügern“, meinte S.

Im Anschluss an die Einlassung des Angeklagten sollten dessen Ehefrau sowie die Polizeibeamten als Zeugen aussagen. Doch dazu kam es nicht. Nach kurzer Unterredung mit seinem Verteidiger erklärt S.: „Ich ziehe den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück.“ Einen Grund für die Kehrtwende nannte er nicht. Damit ist die ursprüngliche Geldstrafe rechtskräftig, die Verhandlung überflüssig geworden. Welchen Betrag S. zahlen muss, entscheidet das Gericht in den kommenden Tagen.