Rettungsdienst

Neue Stormarner Rettungsleitstelle soll Maßstäbe setzen

In der jüngsten Bauausschusssitzung des Kreises Stormarn präsentierten Bauamtsleiter Thilo Scheuber (l.) und der Ausschussvorsitzende Wolfgang Gerstand (CDU) ein Modell der neuen Rettungsleitstelle in Bad Oldesloe, die 2023 bezugsfähig sein soll.

In der jüngsten Bauausschusssitzung des Kreises Stormarn präsentierten Bauamtsleiter Thilo Scheuber (l.) und der Ausschussvorsitzende Wolfgang Gerstand (CDU) ein Modell der neuen Rettungsleitstelle in Bad Oldesloe, die 2023 bezugsfähig sein soll.

Foto: CDU Stormarn

Kreis investiert insgesamt 22 Millionen Euro in Prestigeprojekt mit modernster Technik in Bad Oldesloe.

Bad Oldesloe.  Für Wolfgang Ger­stand ist der geplante Neubau der Rettungsleitstelle im Oldesloer Gewerbegebiet an der Autobahn 1 das „größte und wichtigste Bauvorhaben“ des Kreises in den kommenden Jahren. „Es geht um die Daseinsvorsorge für etwa 650.000 Menschen in den Kreisen Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Ostholstein. Das unterstreicht den herausragenden Stellenwert dieses Projekts“, so der Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschuss-Vorsitzende des Kreises.

Gebäude wird mit der modernsten Technik ausgestattet

Für den CDU-Politiker handelt es sich bei dem vorliegenden Entwurf um ein „schlüssiges, zukunftsweisendes Konzept“, das in eine der „ausgereiftesten Leitstellen in ganz Norddeutschland“ münden werde. „Um dieses mit modernster Technik ausgestattete Bauwerk wird man uns nach seiner Fertigstellung beneiden“, ist Gerstand überzeugt. Kürzlich habe sich etwa der Kreis Segeberg andocken wollen. Doch weil die Planungsphase nun abgeschlossen sei, käme der Vorstoß zu spät.

Dabei haben sich die Verhandlungen um den notwendigen Grunderwerb zur Geduldsprobe entwickelt. Zu einem neuralgischen Punkt war unter anderem eine notwendige Erschließungsstraße an der Teichkoppel geworden, weil das von der Kreisverwaltung favorisierte Grundstück in zweiter Reihe liegt. „Ohne rechtssichere Erschließung kein Baurecht, so sind nun mal die Modalitäten“, erklärte Bauamtsleiter Thilo Scheuber. Weil sich die Entscheidung zur Kostenübernahme für die Erschließungsstraße aber immer weiter verzögert hätten, baue der Kreis die Zuwegung nun kurzerhand selbst.

Besitzer des Baugrundstücks ist ein ehemaliger Landwirt

Am Freitag soll der Kaufvertrag für das Grundstück, das ebenso wie die benachbarten Areale des Amazon-Verteilzentrums und des Asklepios-Zentrallagers vom ehemaligen Landwirt Peter Hinrich Eggers aus Rethwisch veräußert wird, notariell beglaubigt werden. „Damit sind dann alle Voraussetzungen gegeben, um im Frühjahr kommenden Jahres mit dem Bau beginnen zu können“, sagt Scheuber voller Vorfreude.

Für den Bauamtsleiter ist die neue Leitstelle ein ganz besonderes Projekt. „Durch seine spezielle, seltene Typologie ist das Bauwerk nicht mit einem normativen Standardgebäude zu vergleichen“, erläutert Scheuber. Zudem sei es erklärtes Ziel gewesen, auch in soziokultureller, ökologischer und nachhaltiger Sicht Maßstäbe zu setzen. Herausgekommen ist ein zweigeschossiger, L-förmiger Entwurf des Architekturbüros Trapez aus Hamburg. „Dieses Büro verfügt über reichhaltige Erfahrungen mit solcherart Bauten und hat unter anderem die Leitstelle West in Elmshorn für die Kreise Dithmarschen, Pinneberg und Steinburg konzipiert“, berichtet Scheuber. Sie sei bei einem Besuch intensiv studiert und dann teilweise modifiziert worden.

Energieplaner soll für maximale Energieeffizienz sorgen

An der Ausgestaltung des wie ein Findling solitär in offener Landschaft stehenden Baus sind Fachplaner von 13 verschiedenen Ingenieurdisziplinen beteiligt. Um eine maximale Energieeffizienz zu erreichen, wurde zudem extra ein Energieplaner hinzugezogen. „Unsere Ambition war ein Bau, der durchaus die hohen Standards des BNB-Zertifikats für nachhaltiges Bauen von Bundesgebäuden erfüllt“, so Scheuber.

So wird zur Wärmeerzeugung per Geothermie eine 50-KW-Erdwärmepumpe (Sole/Wasser) mit Tiefensonden genutzt. Für Spitzenlasten und als Rückfallebene dient ein zusätzlicher Gas-Brennwertkessel. Die Wärmeübertragung selbst erfolgt über Flächenheizungen im Fußboden sowie in Leitstellenbetriebs- und Lagerräumen über die Decke. Auch die eingesetzten Baustoffe werden unter ökologischen Gesichtspunkten wie Wartungsintensität und Recyclebarkeit ausgewählt. So soll das Gebäude aus Bimsbeton zum Schutz der Außenfassade eine langlebige Verklinkerung erhalten sowie ein teilbegrüntes Dach samt 500 Quadratmeter umfassender Solaranlage.

Konzept sieht drei Sicherheitszonen im Gebäude vor

„Damit die Mitarbeiter der Leitstelle nicht permanent in Räumen mit künstlichem Licht sitzen müssen und vom natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus abgekoppelt werden, wird es Glasfronten und Lichtschächte geben“, erklärt Scheuber. Um die Bildschirmarbeitsplätze aber vor zusätzlicher Wärmestrahlung und Lichtreflexen zu schützen, wurden die wichtigsten Funktionsräume konsequent gen Norden ausgerichtet. Um den erhöhten Sicherheitsanforderungen zur Abwehr von Sabotage- und Terrorangriffen gerecht zu werden, sind sie zudem durchweg im Obergeschoss angesiedelt. „Selbst mögliche Attacken mit Schusswaffen müssen beim Neubau einer Leitstelle bedacht werden“, sagt Scheuber.

Zum Sicherheitskonzept gehören zudem drei Sicherheitszonen innerhalb des Gebäudes, für die es separate Zutrittsberechtigungen gibt, eine doppelte Verkabelung für die eingehenden Notrufe, diverse Überwachungskameras im Außenbereich und eine vollständige Einfriedung des gesamten Areals.

21 Millionen Euro plus eine eine Million für den Grunderwerb haben die Kreispolitiker für das ehrgeizige Unterfangen genehmigt. „Eine Investition, die jeden einzelnen Cent wert ist“, sagt Ausschusschef Wolfgang Gerstand.