Kultur

29. Kunststipendiatin wirkt in der Trittauer Wassermühle

Anna Mieves im Atelier, auf dem Tisch eine Mischung aus Arrangement und Arbeitsprozess: neben Unterlagen drei gerahmte Frottagen des Baumstamms, mittig auf dem Tisch liegt ein atmosphärisches Bild von der erhitzten Oberfläche des aufgeplatzen isländischen Bodens unter kalter Sonne.

Anna Mieves im Atelier, auf dem Tisch eine Mischung aus Arrangement und Arbeitsprozess: neben Unterlagen drei gerahmte Frottagen des Baumstamms, mittig auf dem Tisch liegt ein atmosphärisches Bild von der erhitzten Oberfläche des aufgeplatzen isländischen Bodens unter kalter Sonne.

Foto: Elvira Nickmann

Sparkassen-Kulturstiftung ermöglicht Bildhauerin Anna Mieves einjährigen Arbeitsaufenthalt. Sie bereitet derzeit Publikation vor.

Trittau. Seit Mai ist die Wassermühle in Trittau das vorübergehende Zuhause von Anna Mieves. Die 1982 geborene Künstlerin ist die 29. Stipendiatin der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn. Sie fühlt sich sichtlich wohl an ihrer Wohn- und Arbeitsstätte, hat ihre Familie mitgebracht und bereits selbst gepflanzte Tomaten hinter dem benachbarten Atelierhaus geerntet. Sie sagt: „Es ist toll, dass es an diesem Ort eine kleine Ateliergemeinschaft gibt.“ Die Künstler hatten schon eine gemeinsame Ausstellung – in Schaukästen, Besichtigung nach Anmeldung, wegen der Pandemie.

Wechsel nach Trittau sei optimaler Zeitpunkt für die Stipendiatin gewesen

1992 hat die Kulturstiftung das erste Jahresstipendium dieser Art vergeben. Es wird für bildende Künstler in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern ausgeschrieben und beinhaltet neben freiem Wohnen einen monatlichen Unterhaltszuschuss von 800 Euro sowie die Nutzung eines großen Atelierraumes.

Landrat und Stiftungsvorstand Henning Görtz, der zur offiziellen Vorstellung von Anna Mieves gekommen ist, sagt: „Es ist immer ein spannender Moment, die neuen Stipendiaten kennenzulernen.“ Die Stiftung bekomme Einblicke in neue Arbeitsweisen. „Und am Ende des Aufenthalts sehen wir, was in diesem Jahr geschaffen worden ist.“ Dann wendet sich Görtz an die Künstlerin und wünscht ihr viel Erfolg und Schaffenskraft.

Joachim Koop, Leiter der Trittauer Filiale der Sparkasse Holstein sagt: „Ich freue mich, dass wir mit Anna Mieves einen inspirierenden Gast willkommen heißen können.“ Mit Blick auf die Corona-Krise merkt Katharina Schlüter, Geschäftsführerin der Stiftung, an: „Für unsere neue Stipendiatin war der Wechsel nach Trittau zum 1. Mai eigentlich ein optimaler Zeitpunkt.“ Das Gremium, welches über die Vergabe der Stipendien entscheidet, habe die Bildhauerin vor allem mit ihrer betont technischen Formensprache überzeugen können.

Mieves geht ihre Projekte von zwei verschiedenen Seiten an

Mieves hat vor ihrem Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg eine Ausbildung zur Holzbildhauerin absolviert. „Aus geteiltem Interesse an bildenden Künsten und dem Umgang mit Formen“, erläutert die Künstlerin. Neben Videos, Szenografien und Performances umfassen vor allem Installationen einen großen Teil ihres Schaffens. „Ich arbeite installativ, großformatig und raumbezogen“, sagt Mieves. Dazu bearbeitet sie unterschiedlichste Materialien wie Holz, Porzellan und Kunststoffe. „Das Material spielt eine wichtige Rolle.“

Besonderes Augenmerk richtet die Künstlerin auf die durch Einwirkung von äußeren Kräfte im Material entstandenen Strukturen wie Knicke, Vertiefungen oder Verdichtungen. Ihren Arrangements liegt ein Prinzip des offenen Gefüges zugrunde. Mieves sagt, warum: „Die Geschlossenheit von Objekten empfinde ich als problematisch.“

Steckverbindungen und Abdrücke als wiederkehrende Elemente

Sie gehe ihre Arbeiten aus zwei verschiedenen Blickwinkeln an: „Eine Seite hat mit Narration zu tun, die andere mit formalen Aspekten“, sagt sie. Erzählungen seien wichtig, müssten sich aber nicht konkret ablesen lassen. Als Beispiel nennt sie ein Projekt, dessen Ausgangspunkt in Island liegt, wo Mieves ein Auslandssemester verbrachte.

Die Bildhauerin berichtet, dass an der isländischen Küste oft Baumstämme ausd der sibirischen Forstwirtschaft angeschwemmt werden. Sie erwarb ein Exemplar, zerlegte es, ließ es nach Deutschland verschiffen. In der Arbeit mit dem Stamm hätten sie Umbauten des gleichen Materials dazu gezwungen, immer wieder eine neue Formensprache zu finden. „Ich möchte, dass die Dinge in Bewegung bleiben“, erläutert Anna Mieves. Durch dieses In-Bewegung-Kommen der Teile eröffneten sich neue Betrachtungsräume. Die Künstlerin macht Zwischenzustände sichtbar, gibt Raum für Entwicklung. Zu den wiederkehrenden Elementen in ihrem Werk zählen beispielsweise Steckverbindungen und Abdrücke.

Die Publikationen der Bildhauerin versprechen, spannend zu werden

Aktuell ist Anna Mieves mit der Arbeit an einer Publikation beschäftigt. Thema: Ist das Baumprojekt. Auf ihrem Arbeitstisch stehen drei mit Kreide erstellte Frottagen. Sie dokumentieren verschiedenen Bearbeitungsspuren auf der Oberfläche des Stamms. Sie sagt: „Die Publikation wird Frottagen, Bildaufnahmen und Text enthalten. Inhaltlich geht es um fragmentarische Erzählungen in einzelnen Heften, deren Reihenfolge variabel ist.“

Zum Abschluss jedes Aufenthaltes präsentieren die Stipendiaten ihre aktuellen Arbeiten. Was die Arbeiten und die Publikation von Bildhauerin Anna Mieves angeht, so versprechen sie in jedem Fall spannend zu werden.