Feuerwehr

Grüne fordern Konsequenzen nach Großbrand in Barsbüttel

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René Soukup
Feuerwehrleute beim Einsatz im Barsbütteler Gewerbegebiet in der Nacht zum 26. Juli. Sie kämpften stundenlang gegen die Flammen.

Feuerwehrleute beim Einsatz im Barsbütteler Gewerbegebiet in der Nacht zum 26. Juli. Sie kämpften stundenlang gegen die Flammen.

Foto: Michael Arning

Partei möchte, dass alle Betriebe in der Gemeinde Pläne für die Feuerwehr anfertigen, in denen gelagerte Gefahrstoffe aufgeführt sind.

Barsbüttel.  Es war ein Einsatz, der den Feuerwehrleuten alles abforderte. Wie berichtet, waren bei dem Großbrand im Barsbütteler Gewerbegebiet nordwestlich der Autobahn 1 in der Nacht zum 26. Juli 200 Löschspezialisten mehr als 18 Stunden damit beschäftigt, die Flammen zu ersticken. Neben einer 20 mal 40 Meter großen Lagerhalle brannten noch mehrere angrenzende Büros. Dabei liefen Chemikalien aus. Welche das waren, wusste Gemeindewehrführer Frank Becker nicht. Das soll sich bei ähnlichen Ereignissen künftig ändern. Die Grünen fordern nämlich, dass alle Barsbütteler Betriebe der Wehr regelmäßig Gefahrgüter melden und eine Kennzeichnung an den Gebäuden gut sichtbar sein muss.

So manch ein Feuerwehrplan sei inzwischen überholt

Für den Hauptausschuss am Donnerstag, 10. September, hat die Partei eine Anfrage an die Verwaltung gestellt, die rechtlichen Hintergründe zu dem Thema zu erläutern. „Auf Nachfrage teilte uns die Feuerwehr mit, dass in kleinen Unternehmen keine sogenannten Feuerwehrpläne geführt werden“, sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Angela Tsagkalidis. Sie war an jenem Sonntagmorgen mit dem Rad zur Unglücksstelle gefahren, der Eindruck sei ob der Zerstörung erschreckend gewesen. Die Politikerin sagt: „Bei Unkenntnis über gefährliche Stoffe besteht Lebensgefahr für das Feuerwehrpersonal und auch die Allgemeinheit. Zudem kann die Natur erheblichen Schaden nehmen.“

Laut Frank Becker ist manch ein Feuerwehrplan überholt. Er sagt: „Ich wünsche mir kurze Dokumente mit den fachlich richtigen Angaben, einem Ansprechpartner samt Telefonnummer.“ Im aktuellen Fall seien mehr Räume vorhanden gewesen als aufgezeichnet. „Das hat uns beim Löschen irritiert und vor allem Zeit gekostet.“ In einem Feuerwehrplan müssen die wesentlichen Gefahrstoffe aufgeführt werden, zum Beispiel voluminöse Propangasbehälter, große Mengen an Säure und Lauge sowie radioaktive Stoffe.

Ende Juli brach ein Großfeuer im Gewerbegebiet aus

Die Kritik des Barsbütteler Gemeindewehrführers bestätigt Lars Köberich, Brandschutzingenieur bei der Bauaufsicht des Kreises. Er sagt: „Die Feuerwehrpläne sollten alle zwei Jahre von einer fachkundigen Person auf Ihre Vollständigkeit geprüft werden. Die Erfahrung zeigt leider, dass sie oft nicht aktuell sind.“ Bei Industriegebäuden seien ab 2000 Quadratmetern Feuerwehrpläne anzufertigen.

Das Feuer im Gewerbegebiet war am 25. Juli gegen 22.20 Uhr ausgebrochen und hatte den 2000 Quadratmeter umfassende Firmenkomplex zu weiten Teilen zerstört. 13 Freiwillige Feuerwehren, das Technische Hilfswerk und unter anderem die Feuerwehr Hamburg waren an den Löscharbeiten beteiligt. Zum Zeitpunkt des Brandes sind keine Mitarbeiter von Unternehmen im Gebäude gewesen. Drei Feuerwehrleute verletzten sich bei dem Einsatz und mussten ins Krankenhaus. Zwischenzeitlich waren die Anwohner aufgefordert worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Brandgeruch war auch in den östlichen Hamburger Stadtteilen Jenfeld, Öjendorf und Tonndorf wahrzunehmen.

Polizei schätzt den Sachschaden auf 450.000 Euro

Die Ursache ist bis heute unklar. Das bestätigte die Kriminalpolizei in Reinbek auf Anfrage dieser Zeitung. Ein Beamter der Dienststelle in Stormarns zweitgrößter Stadt sagt: „Die Gutachter vom Landeskriminalamt waren dort. In der Regel dauert es mehrere Wochen, bis ein Schriftstück angefertigt ist.“

Sechs Firmen sind betroffen, die Räume bei einer Immobilienverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Hamburg gemietet haben. Die Polizei schätzte den Sachschaden unmittelbar nach dem Feuer auf rund 450.000 Euro, sagt nun, die Summe könnte auch höher sein. Carsten Koch, Geschäftsführer der Lichtbogen Handelsgesellschaft, bezifferte den wirtschaftlichen Schaden für seine Firma auf „mehrere 100.000 Euro“. In der Halle lagerte sein gesamter Warenbestand.

Inzwischen wurde das Wasser aus dem Becken abgepumpt

Durch den Großbrand wurde auch das im Gewerbegebiet zwischen den Straßen Großer Kamp, Ohlweg und der Autobahn liegende Regenrückhaltebecken verseucht. An der Wasseroberfläche trieben tote Fische, es roch nach Chemikalien. Hamburg Wasser riegelte den Teich ab und legte Ölsperren an. Neues Regenwasser wurde durch einen Abwasserkanal zum Klärwerk umgeleitet. Mitarbeiter untersuchten auch in umliegenden Gärten die Luft auf kritische Gase. Das Ergebnis ist laut Unternehmen unbedenklich für Anwohner.

Inzwischen wurde das Wasser aus dem Becken abgepumpt, vergangene Woche zudem eine Schlammprobe entnommen. „Wenn ein Ergebnis vorliegt, werden wir uns mit der Umweltbehörde sowie der Gemeinde Barsbüttel zwecks des weiteren Vorgehens abstimmen“, sagt Hamburg-Wasser-Sprecherin Sabrina Schmalz.

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