Einrichtung

Hortbetreuung in Glinde: ein Start mit Hindernissen

Stadtjugendpflegerin Dagmar Schöps und Bürgermeister Rainhard Zug stellen den Familienwegweiser vor, der im Rathaus ausliegt.

Stadtjugendpflegerin Dagmar Schöps und Bürgermeister Rainhard Zug stellen den Familienwegweiser vor, der im Rathaus ausliegt.

Foto: Susanne Tamm

Stadt übernimmt an der Grundschule Tannenweg Einrichtung von der Arbeiterwohlfahrt. Kinder in feste Gruppen eingeteilt.

Glinde. Mit einigen Hindernissen ist der Betrieb des neuen städtischen Hortes an der Grundschule Tannenweg angelaufen. Für helle Auf­regung sorgte zunächst das vermeintliche Verschwinden einer Zweitklässlerin. Als die Mutter ihre Tochter von der Schule abholen wollte, war das Mädchen nicht mehr da. Noch während der Suche stellte sich heraus, dass das Kind gegenüber einer Erzieherin erklärt hatte, es dürfe mit zu einem Freund nach Hause gehen. Davon wusste wiederum die Mutter nichts.

„Es war ein schwieriges Jahr für die Kollegen“

„Wir haben uns bei der Familie entschuldigt“, sagt Bürgermeister Rainhard Zug bedauernd. „Wir sind dabei, das aufzuarbeiten. Leider ist es passiert, zum Glück ist das Kind aber nie in Gefahr gewesen.“ Abholverfahren und Kommunikation würden verändert, um ähnliche Fälle künftig zu vermeiden, sagte der Verwaltungschef.

Ansonsten habe das Team von Stadtjugendpflegerin Dagmar Schöps einiges geleistet, um den Übergang vom Awo-Hort zur neuen Außenstelle des bewährten Hortes Löwenzahn in Wiesenfeld zu gestalten, und dabei viele Schwierigkeiten gemeistert. Zug: „Es war ein schwieriges Jahr für die Kollegen.“

Keine der Awo-Erzieherinnen arbeite für Stadt

Vorausgegangen war der politische Beschluss, dass Glinde beide Horte an den Grundschulorten betreiben sollte, um eine Nachmittagsbetreuung nach einheitlich hohen Standards zu gewährleisten. Darauf kündigte die Stadt der Awo die Räume am Tannenweg, um dort die Kinder selbst zu betreuen.

„Wir waren auch sehr daran interessiert, die Mitarbeiter im Rahmen eines Betriebsübergangs zu übernehmen“, sagt Stadtjugendpflegerin Dagmar Schöps. Nach wie vor seien ihr alle Erzieher willkommen. „Aber eine Einigung war mit der Awo leider nicht möglich“, sagt Rainhard Zug. Es sei an unterschiedlichen Auffassungen über die Verträge der Mitarbeiter gescheitert. Heute arbeitet keine der Awo-Erzieherinnen für die Stadt.

Corona erschwerte Start der neuen Einrichtung

„Im März erklärte die Awo von einem Tag auf den anderen, dass sie die Betreuung nicht weiterführen wird“, sagt Rainhard Zug. „Wir haben innerhalb von 14 Tagen die Betreuung aufgebaut. Wir sind immer da, um den Eltern Sicherheit zu geben.“

Heute betreibt die Stadt fünf Hortgruppen mit 20 Kindern und eine Gruppe der Offenen Ganztagsschule in Wiesenfeld sowie sechs Hortgruppen und eine Betreute-Grundschulzeit-Gruppe. Corona erschwerte den Start der neuen Einrichtung zusätzlich. Am 1. August nahm die Stadt den Regelbetrieb wieder auf. „Wir hatten alles fertig organisiert, die Gruppen eingeteilt, die Erzieherinnen, alles“, berichtet Dagmar Schöps. Dann habe ein neuer Erlass des Bildungsministeriums, der die Grundschulen aufforderte, Kohorten einzurichten, alles wieder umgeworfen. Die Kohorten sollen im Fall einer Infektion verhindern, dass gleich die gesamte Schule geschlossen werden muss. „Darauf waren wir nicht eingerichtet“, sagt Schöps.

„Die Eltern haben viel geleistet“

„Wenn die Kinder aber nachmittags in kohortenübergreifenden Gruppen betreut werden, macht dies keinen Sinn mehr“, erläutert die Stadtjugendpflegerin. „Abgesehen davon, dass das auch kein Kind und auch die Eltern nicht mehr verstehen.“ Also wurde alles neu organisiert. Nun werden die Kinder entsprechend ihrer Gruppe im Schulunterricht betreut.

„Jetzt haben wir wieder Beschwerden, weil die Kinder getrennt von ihren Spielkameraden eingeteilt sind“, sagt Schöps. „Aber wir arbeiten zurzeit mit erhöhtem Schwie­rigkeitsgrad.“ Der sogenannte Schnupfenplan, die notwendige Gesundheitsbestätigung durch die Eltern, bei vielen dazu noch sprachliche Probleme – all das fordert Erzieher wie Eltern heraus. „Wir sind noch ein bisschen dabei, unsere Regeln zu finden“, sagt die Stadtjugendpflegerin. Ihr Chef lobt die Familien: „Die Eltern haben viel geleistet.“ Auch die Kinder und Jugendlichen hätten tapfer alles mitgemacht.

Eine Hilfe mit vielen nützlichen Telefonnummern und Anlaufstellen könnte Glindes neuer Familienwegweiser sein, der jetzt im Rathaus und in vielen Geschäften ausliegt.