Kulturereignis

Chor statt Fußball: Bargteheide singt auf dem Sportplatz

Alles hört auf sein Kommando: Sören Schröder spornt auch große Chöre zu Höchstleistung an wie hier bei einem Auftritt im Hamburger Stadtpark.

Alles hört auf sein Kommando: Sören Schröder spornt auch große Chöre zu Höchstleistung an wie hier bei einem Auftritt im Hamburger Stadtpark.

Foto: Maike Keller

Kleines Theater verlegt Auftritt von Chorleiter Sören Schröder nach draußen. 400 Gäste lassen Stimmen bei Open-Air-Spektakel erklingen.

Bargteheide. Wenn auf einem Sportplatz Gesang ertönt, dann wohl zumeist aus den Kehlen von Fußballfans. Am Sonnabend, 12. September, erklingen jedoch Fangesänge ganz anderer Art auf dem Rasenplatz des Sportzentrums Bargteheide. Die 400 Akteure, die an diesem Tag für das Open-Air-Chorspektakel „Bargteheide singt“ zusammenkommen, vereint die Begeisterung für den gemeinschaftlichen Gesang.

Musiker Schröder steht mit vielen Stars auf der Bühne

Ursprünglich war nur eine Veranstaltung für den 2. April im Kleinen Theater geplant. Doch die Corona-Pandemie durchkreuzte die Pläne des Theatervereins ebenso wie die von Chorleiter Sören Schröder. Der Hamburger Musiker und Komponist wirkt bei Formaten wie „Hamburg singt!“ und „Der Norden singt“ mit, die große Hallen wie die Barclaycard-Arena füllen. Zudem hat er sich einen Namen mit Live-Chören für Künstler gemacht, steht mit Stars wie Stefan Gwildis, Joja Wendt, Howard Carpendale, Adel Tawil oder US-Künstler Josh Groban auf der Bühne. Bei zwei früheren Auftritten begeisterte er auch das Bargteheider Publikum.

So verwunderte es nicht, dass die Karten für die Vorstellung im April ruckzuck ausverkauft waren. So schnell, dass es sogar den Vorsitzenden des Theatervereins, Olaf Nehls, überraschte. Er sagt: „Am 17. Dezember um null Uhr haben wir die Buchung aufgemacht. Ich hatte mit meiner Frau gewettet, dass die Tickets bis mittags verkauft sind, sie dagegen ging von neun Uhr aus – und behielt recht.“ Das Kleine Theater sei regelrecht von Anfragen überrannt worden, so Nehls. Daher habe der Verein entschieden, zwei weitere Termine im September anzubieten. „Doch dann kam der Lockdown und der Vorverkauf wurde gestoppt.“ Insgesamt seien für die Veranstaltungen im April und September etwa 400 Tickets verkauft worden. Das Theaterteam überlegte, welcher Ort geeignet sein könnte, dem vielköpfigen Publikum auch unter den gegebenen Bedingungen ein Chorerlebnis zu ermöglichen.

TSV, Feuerwehr und Stadt tragen zum Gelingen bei

Sören Schröder sagt: „Die Idee, das Ganze auf einen Sportplatz zu verlegen, kam in einem Telefonat mit Olaf Nehls auf.“ Der Vereinsvorsitzende habe alles in die Wege geleitet. „Der Fokus liegt dabei auf der Gesundheit der Menschen“, betont Schröder. Und weiter: „Es gelten klare Abstands- und Hygieneregeln. Wer zu uns kommt, soll sich gut aufgehoben fühlen.“ Es sei für ihn die erste Veranstaltung dieser Art seit dem Lockdown, so Schröder. „Ich bin wahnsinnig dankbar, dass das Bargteheider Publikum das gemeinsame Singen annimmt.“ Für den Musiker ist das Setting auf einem Fußballfeld eine ganz neue Erfahrung.

Kleine Fähnchen markieren die Stellen, an denen Besucher ihre mitgebrachten Sitzgelegenheiten aufstellen dürfen. Denn die Verordnung gibt vor, dass das Publikum während der Veranstaltung sitzen muss. Olaf Nehls erläutert das Prozedere: „Die Fähnchen werden im Zwei-Meter-Abstand in den Rasen gesteckt, gesetzlich vorgeschrieben ist ein Abstand von 1,50 Meter.“ Auch bei den Gästen unterschreite das Theater die erlaubte Höchstzahl: 500 Besucher sind möglich, doch das Theater lässt nicht mehr als 400 zu. Ohne die Unterstützung der Jugendfeuerwehr, der Stadt und des TSV Bargteheide wäre das Vorhaben nicht umsetzbar. „Die Jugendfeuerwehr steckt die Fähnchen und weist die Gäste ein“, sagt Nehls.

Stadt schafft den Raum für Musikveranstaltung

Ekke Wehnsen, Vorsitzender des TSV Bargteheide, sagt: „Das ist eine tolle Veranstaltung. Ich mag Chorgesang, denn er verbreitet gute Stimmung.“ Der Termin sei zum Zeitpunkt der Anfrage noch frei gewesen und er habe auch keinerlei Bedenken wegen des Publikums auf der neu angelegten Rasenfläche. „Wenn da alle zwei Meter jemand sitzt, kann das der Platz gut vertragen. Das ist ein vorsichtiges Begehen und etwas ganz anderes, als wenn ein Fußballer in die Grasnarbe reingrätscht.“

Die Platzbelegung sei grundsätzlich Aufgabe des Sportvereins, die Stadt wiederum müsse ihr Plazet zur Nutzung geben. Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht sagt: „Das ist eine tolle Veranstaltung, die wir als Stadt gern unterstützen.“ Sie sehe auch den Bedarf. „Die Menschen sehnen sich nach solchen musikalischen Aktivitäten, die derzeit nur sehr beschränkt möglich sind. Wir schaffen den erforderlichen Raum und rücken so die Kultur wieder mehr in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens.“

Derzeitige Umstände erfordern neue Konzepte

Sören Schröder sieht das genauso: „Wir brauchen den Anfang. Der Abend wird so magisch dadurch, dass er überhaupt stattfindet.“ Neue Konzepte wie dieses seien gefragt. „Hauptsache, es geht weiter.“ Er werde alles geben, was er während der letzten Monate nicht habe geben können. „Ich sprühe vor Energie“, sagt der Musiker. Die Texte zum Mitsingen werden auf eine Leinwand projiziert. Der Chorleiter wird gemeinsam mit Sängerin Lara Kriegesmann für gute Laune sorgen. Wer singe, verspüre ohnehin keine Sorgen. „Uns haben es die letzten 100 Jahre Musikgeschichte angetan. Man kann Menschen aller Generationen für die unterschiedlichsten Stücke begeistern“, sagt der Chorleiter. Für einen Song von Mark Forster ebenso wie „wenn man eine heftige Rock’n’Roll-Nummer von ,Freude schöner Götterfunken‘ abfackelt“.

Er kommuniziere mit den Gästen auf Augenhöhe. „Wir auf der Bühne sind nichts ohne das Publikum. Die eigentlichen Stars sind die auf dem Fußballfeld.“