Kultur

Kunstwerke erzählen im Reinbeker Schloss vom Wandel

Rudolf Zahn (l.) und Bernd M. Kraske, Vorstandsvorsitzende der Sammlung Rolf Italiaander, vor einem Werk von Otto Fischer-Trachau im Reinbeker Schloss.

Rudolf Zahn (l.) und Bernd M. Kraske, Vorstandsvorsitzende der Sammlung Rolf Italiaander, vor einem Werk von Otto Fischer-Trachau im Reinbeker Schloss.

Foto: Pia Borchers

In der Einrichtung wird die Ausstellung „Aufbruch – Die Hamburgische Sezession“ eröffnet. Gezeigt werden 33 Gemälde von 16 Künstlern.

Reinbek.  Es waren Blumenbilder und Stillleben, die die Hamburger Malerei prägten – bis es 1919 auch in der Hansestadt zur Sezession, zur Abspaltung von der herkömmlichen Kunst kam. „Aufbruch – Die Hamburgische Sezession“ heißt eine Ausstellung, die an diesem Sonntag, 23. August, um 11.30 Uhr im Reinbeker Schloss eröffnet wird. Gezeigt werden 33 Werke von 16 Künstlern der Vereinigung „Hamburgische Sezession“ aus der Sammlung Italiaander.

Nazis konfiszierten und zerstörten viele der Werke

„Nach dem Ersten Weltkrieg war die Kunst in Hamburg zweitrangig“, sagt Bernd M. Kraske, ehemaliger Leiter des Reinbeker Kulturzentrums und Vorsitzender der Sammlung Rolf Italiaander. „Die Hamburger Künstler schlossen sich zusammen, um ein neues Kunstbewusstsein zu schaffen.“ Die Maler, Architekten, Schriftsteller, Musiker und Schauspieler verband das Ziel, eine lebendige Kunstszene zu etablieren. In ihren Werken spiegeln sich die Strömungen ihrer Zeit wider, vielfach des Expressionismus oder später der Neuen Sachlichkeit. „Einen einheitlichen Sezessionsstil gab es eigentlich nicht. Die Mitglieder waren alle Individualisten, das erkennt man auch in ihren Werken“, erklärt Kraske.

Mit der Machtübernahme der Nazis 1933 löste sich die Vereinigung auf. Viele Werke ihrer Mitglieder galten später als „entartet“, wurden konfisziert und zerstört. Anderen Sezessionisten, wie der jüdischen Malerin Alma del Banco, drohte die Deportation. Sie nahm sich 1934 das Leben. Nach Kriegsende gab es Versuche, die Künstlervereinigung neu zu gründen. Doch viele Ehemalige überlebten den Krieg nicht, und so fehlte es an Mitgliedern und Geld.

Die Ausstellung ist bis zum 18. Oktober zu sehen

Der deutsch-niederländische Forscher, Schriftsteller und Kunstsammler Rolf Italiaander (1913–1991) war es, der viele der erhalten gebliebenen Werke zusammentrug und mit Arbeiten aus der Nachkriegszeit ergänzte. Auf seinen Forschungsreisen lernte er viele der ehemaligen Sezessionisten persönlich kennen. Als Vorsitzender der Sammlung weiß Kraske: „Italiaander war ein Motor für Kunst und Literatur in Hamburg“. Er war unter anderem Mitbegründer der Freien Akademie der Künste in Hamburg und gründete das Museum Rade, das heute am Reinbeker Mühlenteich liegt.

Gretchen Wohlwill (1878–1962), Emil Maetzel (1877–1955) und Ivo Hauptmann (1886–1973) sind einige der Sezessionisten, deren Werke im Schloss zu sehen sind. Ein Höhepunkt der Sammlung sind die Werke von Otto Fischer-Trachau. Meist war der Künstler als Raumgestalter tätig und ist für seine Kirchen-, und Kapellenbemalungen bekannt. Seine Gemälde bleiben eine Besonderheit. Bernd M. Kraske hat zu jedem eine Erläuterung verfasst. Am 6. September und am 11. Oktober wird er jeweils um 11.30 Uhr durch die Ausstellung führen. Am Sonntag wird er nach der Eröffnung durch Bürgermeister Björn Warmer eine Einführung geben.

Die Ausstellung ist bis zum 18. Oktober zu sehen, mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.