Sportplatz-Partys

Nach Lärm-Ärger in Bargteheide: Anwohner sollen zahlen

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Lutz Kastendieck
Vertreter der Stadtverwaltung, der Fraktionen und des TSV Bargteheide trafen sich mit Anwohnern des KGB-Sportplatzes zum Ortstermin.

Vertreter der Stadtverwaltung, der Fraktionen und des TSV Bargteheide trafen sich mit Anwohnern des KGB-Sportplatzes zum Ortstermin.

Foto: Stadt Bargteheide

Feiernde Jugendliche auf Sportplatz des Kopernikus Gymnasiums: Politik und Verwaltung beraten über Schutzmaßnahmen.

Bargteheide.  Nach dem Fäkalienanschlag auf ein privates Wohnhaus am Sportplatz des Kopernikus Gymnasiums Bargteheide (KGB) Mitte des Monats haben sich jetzt Vertreter der Stadtverwaltung, der Parteien und des Sportvereins TSV mit Anwohnern zu einem Vor-Ort-Termin getroffen. „Aus meiner Sicht fand das Treffen am Donnerstagabend in einer zumeist konstruktiven Atmosphäre statt. Das Bemühen aller Seiten um pragmatische Lösungen war deutlich spürbar“, zog der Erste Stadtrat Mathias Steinbuck (CDU) ein erstes Fazit.

Anwohner alarmierten zum wiederholten Mal Polizei

Der Anschlag vom 18. Juli wird als Racheakt von Jugendlichen bewertet, weil Anwohner zum wiederholten Male die Polizei wegen ruhestörenden Lärms auf dem KGB-Sportplatz alarmiert hatten. Er gilt inzwischen als Hotspot der Stadt. Immer wieder finden sich dort Jugendliche, nicht nur aus Bargteheide, in großen Gruppen zusammen, um zumeist bei lauter Musik gemeinsam Alkohol und Drogen zu konsumieren.

Daran hat sich trotz einer erhöhten Polizeipräsenz durch mehr unangemeldete Kontrollgänge aber offenbar wenig geändert. Am vergangenen Sonntag und Montag soll es auf dem Areal laut Berichten von Anwohnern zu weiteren ausufernden Partys mit 20 und mehr Teilnehmern gekommen sein.

Nach Übergriff wurde Betretungsverbot erlassen

„Ja, wir haben hier ein Problem, dem wir uns schnellstens stellen müssen“, hatte Bürgervorsteherin Cornelia Harmuth (CDU) unmittelbar nach dem Fäkalienanschlag deutlich gemacht. Mit dem Übergriff sei ganz klar eine Grenze überschritten worden. Es gebe unmittelbaren Handlungsbedarf, um solchen Auswüchsen Einhalt zu gebieten.

Als erste Sofortmaßnahmen hatte Steinbuck als Stellvertreter der Bürgermeisterin nicht nur veranlasst, dass illegale Zugänge zu dem Gelände geschlossen werden. Er drängte zudem auf ein kurzfristig zu erlassendes Betretungsverbot der Anlage zwischen 22 und 6 Uhr mittels entsprechender Schilder.

Vier Zaunabschnitte sind inzwischen repariert worden

„Die Hinweisschilder sind zwar noch nicht aufgestellt worden, da sich die Entwürfe noch in der finalen Abstimmung befinden“, sagte Stadtsprecher Alexander Wagner auf Abendblatt-Anfrage. Eine Spezialfirma habe aber inzwischen vier Abschnitte der Einfriedung auf der Nordseite repariert, die erst im Frühjahr dieses Jahres auf zirka 110 Meter Länge erneuert worden sei.

Nach Ansicht der Anrainer werden Verstöße gegen die gültige Nutzungsordnung aber nicht einmal am Tage konsequent unterbunden. „Anfang der Woche gab es das Training eines American-Football-Teams. Da war sogar der Leiter des Ordnungsamts, Dietmar Fleischmann, in der Nähe, verhindert hat er es aber nicht“, berichtet ein Anwohner.

Sportplatz ist ausschließlich für Schulsport zugelassen

Die Nutzung des KGB-Sportplatzes war eines der Hauptthemen bei der Begehung am Donnerstagabend. Laut Baugenehmigung aus dem Jahr 1980 ist der Sportplatz ausschließlich für den Schulsport zugelassen. Das wollen mehrere Fraktionen jedoch ändern. „Es kann nicht sein, dass solch eine Anlage, in der bereits viel Steuergeld steckt, nicht auch für den Vereins- und Freizeitsport genutzt werden kann“, sagt etwa SPD-Fraktionschef Mehmet Dalkilinc. Eine Ansicht, die im Grunde von allen Fraktionen mitgetragen wird.

Deshalb hatte die Stadtverwaltung durch ein Lärmgutachten bereits klären lassen, unter welchen Voraussetzungen zusätzliche Nutzungen möglich sind. Laut Analyse des Büros Lairm Consult wäre Vereinssport werktags von 16.30 bis 22 Uhr ohne den Bau einer zusätzlichen Lärmschutzanlage durchaus zulässig. Allerdings nur, soweit es sich dabei um reine Trainingseinheiten handelt und nicht um Wettkämpfe und Punktspiele mit Zuschauern. Sie würden eine Lärmschutzwand von 60 Metern Länge und vier Metern Höhe bedingen.

SPD und CDU wollen legale Jugendreffpunkte schaffen

Laut Kostenschätzung könnte solch eine massive Anlage, die die Anwohner jedoch ablehnen, bis zu 100.000 Euro kosten. Für Aufruhr bei der Begehung sorgte Martina Fischer von den Grünen, als sie mitteilte, diese Kosten müssten dann aber von den Anrainern übernommen werden. Das sei so nämlich in einem städtebaulichen Vertrag mit jenem Investor geregelt worden, der die Wohnbebauung südlich des Sportplatzes realisiert habe. Ob das auch in den Kaufverträgen der jetzigen Eigentümer verankert ist, muss nun geklärt werden.

Unterdessen haben sich die Kommunalpolitiker bei dem Ortstermin auch mit der Frage befasst, ob auf dem weitläufigen Terrain nicht auch ganz legale Treffpunkte für Jugendliche möglich sind. Die SPD-Fraktion favorisiert dafür den ehemaligen Tennisplatz im Nordwesten der Anlage. „Das wäre ein perfekter Standort“, sagt Fraktionschef Dalkilinc. Zum einen, weil er am weitesten entfernt von der Wohnbebauung liege. Zum anderen, weil der Court zum Tennisspielen sowieso nicht mehr geeignet sei und es in Bargteheide genügend Alternativen gebe.

Anwohner sollen ihre Vorstellungen zusammentragen

Die CDU-Fraktion könnte sich eine Umwidmung des ehemaligen Basketballfelds an der Südkurve des Sportplatzes vorstellen. „Hier wäre sogar eine Zuwegung von der Bahnhofstraße aus denkbar“, so Mathias Steinbuck. Zuvor müsse in dem rückwärtigen Bereich der Grundstücke an der Lohe aber erst einmal Ordnung geschaffen werden. Während des Rundgangs hatte sich herausgestellt, dass dort etliche Bewohner auf städtischem Grund illegal Grünabfälle und Müll gelagert haben.

„Die Anrainer sollen jetzt ihre Vorstellungen noch einmal zusammentragen, damit wir sie bei der nächsten Sitzung des Bauausschusses am 13. August in unseren Beratungen berücksichtigen können“, sagt dessen Vorsitzender Norbert Muras, Fraktionschef der Wählergemeinschaft für Bargteheide (WfB). Ohne eine Absicherung der Anlage zur Wohnbebauung sei eine Entspannung am KGB-Sportplatz aber kaum möglich.

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