Insektenschutz

Bad Oldesloe verwandelt Grünflächen in Blumenwiesen

Inmitten von Wildblumen: Ulrike und Klaus Gräber (v. l.) vom Nabu mit Ulrike Külper (Tiefbauamt), Helge Brauer (Bauhof) und Bürgermeister Jörg Lembke.

Inmitten von Wildblumen: Ulrike und Klaus Gräber (v. l.) vom Nabu mit Ulrike Külper (Tiefbauamt), Helge Brauer (Bauhof) und Bürgermeister Jörg Lembke.

Foto: Finn Fischer

Neun Flächen im Stadtgebiet mit 20.500 Quadratmetern werden nicht mehr regelmäßig gemäht. Sechs weitere kommen nächstes Jahr hinzu.

Bad Oldesloe.  Wildblumenwiesen statt Rasen: In Zusammenarbeit mit Naturschützern gestaltet die Stadt Bad Oldesloe derzeit viele Grünflächen um und will damit dem Insektensterben entgegenwirken. Eine von neun Insektenschutzzonen befindet sich in einem Park in Bad Oldesloe-West.

Tieren soll Lebensraum zurückgegeben werden

„Wir haben ja so ein bisschen das Problem, dass die heimischen Pflanzen vielen Leuten nicht schön genug blühen“, sagt Klaus Gräber, Vorsitzender vom Naturschutzbund (Nabu) Bad Oldesloe. Was einfach so wachse, sei Unkraut, müsse herausgerupft oder niedergemäht und durch Rasen ersetzt werden. Nach diesem Motto arbeitete lange auch der Baubetriebshof, der die städtischen Grünflächen pflegt.

Mit den neuen Insektenschutzflächen soll den Tieren ein wichtiger Lebensraum zurückgegeben werden. Klaus Gräber: „Wir wollen etwas schaffen, was den Hummeln und Bienen langfristig etwas bringt.“ Die etwa ein Hektar große Fläche zwischen Weideblicken und der Wolkenweher Dorfstraße ist eine von neun renaturierten Rasenflächen, die vom Baubetriebshof bewirtschaftet werden. Das bedeutet: nicht mähen, sondern wachsen lassen.

Rege Nutzung durch Insekten kurbelte Projekt an

Wie es zu dem Projekt kam, erzählt Gärtnermeister Helge Brauer vom Baubetriebshof. „Wir hatten auf dem alten Friedhof im vergangenen Jahr irrtümlich eine Grünfläche zu früh während der Blütezeit gemäht. Daraufhin gab es Beschwerden.“ Ein runder Tisch, um zu überlegen, wie das künftig verhindert werden könne, sei die Initialzündung für die Insektenschutzzonen gewesen.

Im Sommer 2019 nahm der Baubetriebshof in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, dem Nabu und dem BUND zunächst in einzelnen Rasenflächen Inseln aus den Mähintervallen heraus. Viele Pflanzen konnten in diesen Bereichen keimen, blühen und sich versäen. Eine rege Nutzung durch Insekten war die unmittelbare Folge. Deswegen wurde der Versuch ausgedehnt. Gemäht wird erst im Herbst. „Ein Drittel wird auch im Winter stehengelassen. So haben die Insekten einen Platz, an dem sie ihre Larven ablegen können“, sagt Helge Brauer. Derzeit verhandelt der Bauhof mit Biogasanlagen, um den Schnitt zu verwerten.

Wildblumenwiesen fügen sich gut in Umgebung ein

20.500 Quadratmeter ehemalige Rasenfläche wurden für Insekten umgestaltet. Nächstes Jahr kommen sechs Wildblumeninseln hinzu. Hinweistafeln weisen auf den Sinn des Gestrüpps hin. Ein QR-Code führt auf eine Internetseite, die das Projekt erklärt. „Sonst könnten die Leute auf den Gedanken kommen, dass die Grünfläche einfach vergessen wurde“, so Bürgermeister Jörg Lembke.

Tatsächlich fügt sich die Wildblumenwiese gut in die Umgebung ein. „Da haben sich die Mitglieder des Bauhofs viele Gedanken gemacht“, sagt Ulrike Gräber, die Frau des Nabu-Vorsitzenden und ebenfalls engagierte Naturschützerin. 112 Pflanzenarten hat sie auf der Fläche gezählt. Ein bisschen paradox sei das Ganze schon. „Wir beobachten seit Jahren, dass außerhalb der Stadt die Zahl der Insekten wegen der in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide abnimmt“, sagt Ulrike Gräber, „und jetzt wird ausgerechnet die Stadt der Rückzugsort.“