Sofortprogramm

Pflegeberufekammer im Land kritisiert Systemfehler

Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein, fordert den Gesetzgeber zum Dialog mit den Heilberufekammern auf.

Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein, fordert den Gesetzgeber zum Dialog mit den Heilberufekammern auf.

Foto: Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein

Bund stellt Finanzierung zusätzlicher 13.000 Altenpflege-Stellen in Aussicht. Doch es mangelt an Fachkräften und Aufwand ist zu groß.

Ahrensburg.  Die Idee klingt simpel: Alle Einrichtungen der Altenpflege können vom Bund zusätzliches qualifiziertes Personal finanziert bekommen, wenn sie alle Planstellen besetzt haben und darüber hinaus bis zu zwei weitere Mitarbeiter beschäftigen können. So sieht es das „Sofortprogramm Pflege“ von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor. Doch die gute Idee floppe, weil sie in der Praxis zu kompliziert sei, entgegnet die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. Sie vertritt rund 27.000 Beschäftigte.

Zu wenig Fachpersonal für offene Stellen

2019 wurde die Finanzierung von 13.000 zusätzlichen Stellen für die stationäre Altenpflege in Aussicht gestellt - lediglich rund 2600 Stellen sind besetzt. Die seitens der Krankenkassen finanzierten Stellen in der Altenpflege konnten nicht besetzt werden oder wurden von den Einrichtungsträgern nicht beantragt. Die Idee scheint an der Realität gescheitert. Vielerorts gibt es nämlich kein Fachpersonal auf dem Arbeitsmarkt.

Den einzigen Zustrom stellen Lehrlinge dar. Derzeit steigen aber mehr aus dem Job aus als hinzukommen. Auf 200.000 examinierte Pflegefachpersonen wird die Zahl der Berufsaussteiger geschätzt.

Bei Personaländerungen entsteht Aufwand

Die Erstattung der Personalkosten für Pflegefachpersonen über dem Plan-Soll muss der Arbeitgeber beantragen. Zudem muss er nachweisen, dass alle Stellen besetzt und die zusätzlichen Personalkosten tatsächlich entstanden sind. Rutscht eine Einrichtung unter die Plan-Soll-Grenze, muss der Arbeitgeber das Geld zurückzahlen. Diesen bei jeder Personaländerung entstehenden Aufwand scheuen offensichtlich viele Träger.

Gerade große, renditeorientierte Träger würden kaum zusätzliches Personal einstellen. Da die Einnahmen durch die Förderung genau so hoch sind wie die Personalkosten, bleibt kein Gewinn übrig. Auf der anderen Seite ist der Verwaltungsaufwand erheblich. Deshalb lohnt sich ein solches bilanzverlängerndes Nullsummenspiel nicht.

Pflegeberufekammer-Präsidentin fordert Anreize

„Dass ein gut gemeintes Förderprogramm scheitert, ist ärgerlich. Es zeigt aber vor allem, dass im System der Pflege vieles schief läuft – letztendlich zu Lasten der Pflegefachpersonen und der Pflegeempfänger. Wir müssen an vielen Stellschrauben ansetzen. Wir brauchen Anreize hin zur gesellschaftlich, pflegefachlich und pflegewissenschaftlich gewollten und geforderten Pflegequalität“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. Diese unwirksame Regelung mache deutlich: Gesetzgeber sind gut beraten, wenn sie die Heilberufekammern, also auch die Pflegeberufekammer, vor der Gesetzgebung einbeziehen. Denn sie setzen sich aus Berufsangehörigen aller Einsatzbereiche zusammen.

„Wir als Pflegeberufekammer wollen Lösungsansätze auf den Weg bringen, um jene Pflege zu ermöglichen, die wir alle früher oder später brauchen. Als Vertretung der professionell Pflegenden im Land stehen wir für Gespräche mit allen beteiligten Akteuren – Gesellschaft, Politik, Kostenträger, Berufsverbände und Gewerkschaften – bereit“, sagt Kammervorstand Marco Sander.