Klinikkonzern

Asklepios baut für mehr als 40 Millionen in Bad Oldesloe

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Lutz Kastendieck
So soll das Asklepios-Zentrallager in Bad Oldesloe nach seiner Fertigstellung im Juli 2021 aussehen.

So soll das Asklepios-Zentrallager in Bad Oldesloe nach seiner Fertigstellung im Juli 2021 aussehen.

Foto: Goldbeck / Formfest

Modernstes Logistikzentrum bundesweit soll in einem Jahr auf dem 5,5 Hektar großen Areal stehen und bis zu 100 Arbeitsplätze bieten.

Bad Oldesloe.  Während auf dem Amazon-Areal an der A-1-Anschlussstelle Bad Oldesloe ein halbes Dutzend Bagger bereits die Parkplätze und die Zufahrten für die Ladeports planieren, steht der Neubau des Asklepios-Zentrallagers gleich nebenan noch ganz am Anfang. Auf dem 5,5 Hektar großen Areal wurde mit dem ersten Spatenstich jetzt der Startschuss für das Prestigeprojekt des Klinikverbunds gegeben.

Bau hat 16.000 Quadratmeter Fläche für Lager und Büro

„Dieser Bau ist ein Meilenstein. Nicht nur für Asklepios, sondern für die Logistik von Krankenhausbetreibern in Deutschland überhaupt“, sagt Kai Hankeln, Vorstandschef des Klinikkonzerns, über die überregionale Bedeutung des mehr als 40 Millionen Euro teuren Projekts am östlichen Rand des Gewerbegebiets rund um die Teichkoppel.

Das größte und modernste Zentrallager für Medizinprodukte in Deutschland werde in seiner Dimension und Ausstattung Maßstäbe setzen, sagte Hankeln. Geplant sind auf insgesamt 16.000 Quadratmetern ein Hochregallager von 160 x 90 Metern mit insgesamt 20.000 Palettenstellplätzen sowie ein Bürotrakt als Schaltzentrale von 60 x 12 Metern. Mit einer maximalen Höhe von 15 Metern stellt der Asklepios-Bau das benachbarte Amazon-Zentrallager (zehn Meter) buchstäblich in den Schatten.

Einlagern der Medizinprodukte erfolgt vollautomatisch

Noch viel beeindruckender soll sich hingegen das Innenleben des gewaltigen Logistikzentrums präsentieren, das nach dem Prinzip eines Autostores konzipiert ist. Das Einlagern der angelieferten Waren, die mehr als 3000 unterschiedliche Medizinprodukte umfassen, erfolgt ebenso vollautomatisch wie das Zusammenstellen der durch die einzelnen Kliniken georderten Bestellungen.

„Wir haben dafür ein hochmodernes System der auf Lagerrobotik spezialisierten Firma SMB International erworben. Es deckt alle Mengenanforderung ab, vom Umfang eines Containers über mehrere Kartons bis zum kleinen Päckchen“, berichtet Reinhard Wiedemann, Asklepios-Geschäftsführer für Einkauf und Versorgung.

Gros der Mitarbeiter stellen Elektroniker und IT-Fachleute

Deshalb wird das Gros der 70 bis 100 Mitarbeiter auch nicht aus klassischen Kommissionierern bestehen, die die Produkte aus den Orderaufträgen zusammenstellen, sondern aus Prozessleittechnikern, Elektronikern und IT-Spezialisten. „Klar ist, dass die gesamte Anlage nicht einen Tag ausfallen darf“, so Wiedemann. Sie werde in zwei Schichten 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche am Laufen gehalten.

In der Regel ordern die rund 150 medizinischen Einrichtungen der Asklepios-Gruppe zwischen der Nordseeinsel Sylt und dem Bodensee, darunter allein sieben Klinken in Hamburg, täglich bis 18 Uhr ihre Bedarfe, die dann über einen eigenen Fuhrpark nachts angeliefert werden. Zudem sollen auch externe Klinken versorgt werden.

Zentrallager soll die Versorgungssicherheit garantieren

„Mit dem neuen Zentrallager verfügen wir künftig über eine deutlich bessere, softwaregesteuerte Logistik, die mehr denn je Versorgungssicherheit garantiert“, sagt Vorstandschef Hankeln. Wie wichtig diese Versorgungssicherheit sei, habe zuletzt die Corona-Pandemie gezeigt, während der es immer wieder zu Engpässen gekommen sei. Gerade deshalb sei das Unternehmen froh, nach langer, intensiver Suche - auch in der Hansestadt Hamburg - dieses Areal vor den Toren Bad Oldesloes bekommen zu haben. „Wir sind für diesen Standort vor allem sehr dankbar, weil er logistisch ideal liegt“, sagt Kai Hankeln. Über die A 1 gibt es nicht nur eine schnelle Verbindung zu den Autobahnen 7, 20, 21 und 24, sondern auch zum Hamburger Hafen, über den ein Großteil der medizinischen Waren ins Land kommt.

Wichtig sei unterdessen auch die schiere Größe des Terrains, ergänzt Wiedemann. „Die Lagerkapazität erlaubt uns, medizinische Waren containerweise, sprich in großen Mengen, zu kaufen. Das verschafft uns zum einen deutlich bessere Konditionen bei den Herstellern, zum anderen die Schaffung wichtiger Reserven“, so der Einkaufsleiter.

In Krisen unabhängiger von Lieferungen aus Fernost

Die Corona-Krise habe wie durch ein Brennglas offenbart, wie wichtig Bevorratung in diesen Zeiten sei. So werde etwa im zweiten Halbjahr dieses Jahres ein Engpass bei Latexhandschuhen befürchtet, die größtenteils aus Malaysia stammten. „Es ist einfach wichtig, in Krisensituationen künftig unabhängiger von schnellen Lieferungen aus Fernost zu sein“, sagt Reinhard Wiedemann. Die Nachfrage nach Medizinprodukten und Sicherheitsbekleidung werde auch in Zukunft hoch bleiben, da könne es überhaupt keinen Zweifel geben.

Sehr zufrieden mit der Ansiedlung des Asklepios-Zentrallagers zeigte sich unterdessen auch der ehemalige Grundeigentümer Peter Hinrich Eggers aus Rethwisch. Der Klinikverbund ist schon das zweite namhafte Unternehmen nach dem Onlineversandhändler Amazon, das der 59 Jahre alte ehemalige Landwirt in die Kreisstadt locken konnte. „Die unmittelbare Nähe zur nur einen Kilometer entfernten Anschlussstelle der A 1 hat sicher den Ausschlag gegeben“, so Eggers. Er sei überzeugt, dass von solcherart Flächenentwicklung, die neue Arbeitsplätze schafft, auch der Kreis Stormarn profitiere. „Es sind Investitionen in die Zukunft“, so Eggers.

Nebenan eröffnet Amazon ein Verteilzentrum

Schon im Oktober soll das neue Verteilzentrum des Onlinehändlers Amazon eröffnen. Die 12.600 Quadratmeter große Halle liegt direkt neben dem Asklepios-Grundstück.

Eigentümer ist das Frankfurter Unternehmen P3 Logistic Parks Deutschland, dass schätzungsweise einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag investiert. Amazon mietet das Gebäude für mindestens zehn Jahre.

Der Großteil des Acht-Hektar-Grundstücks ist Parkfläche. Im Lager und in den Büros entstehen rund 150 neue Arbeitsplätze. Pro Tag wird mit rund 500 kleineren Lieferfahrzeugen gerechnet. Je Nacht sollen circa 50 größere Lkw die Waren anliefern.

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