Schleswig-Holstein

Oldesloer nervt Schwerlastverkehr auf der Grabauer Straße

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Finn Fischer
Werner Fröhlich (v. l.), Petra Köberich, Hannelore Bohm, Christoph Schwencke, Fritz Tolkemitt und Jenni Boie wollen ein Lkw-Verbot in der Graber Straße.

Werner Fröhlich (v. l.), Petra Köberich, Hannelore Bohm, Christoph Schwencke, Fritz Tolkemitt und Jenni Boie wollen ein Lkw-Verbot in der Graber Straße.

Foto: Finn Fischer

Anwohner sorgen sich um die Schulkinder, fordern ein Lkw-Verbot. Bürgermeister macht ihnen wenig Hoffnungen.

Bad Oldesloe.  Eine kaputte Fahrbahn und die vorbeifahrenden Lastwagen lassen in der Grabauer Straße in Bad Oldesloe die Gläser in den Schränken klirren. Sorgen machen sich die Anwohner zunehmend auch um die Substanz ihrer Häuser – und um die Schulkinder. Doch die Betroffenen fühlen sich von der Stadtverwaltung und der Lokalpolitik allein gelassen.

Zunächst sah es danach aus, dass die Stadt handelt

Vor einem Jahr sammelten die Anwohner Unterschriften in der Straße, damit die politischen Gremien nach einer Lösung suchen. Doch passiert ist seitdem nicht viel. Noch immer fahren die Lastwagen in der schmalen Straße, die neben Begegnungsverkehr auch noch einen sogenannten Schutzstreifen für Radfahrer verkraften muss.

Zunächst sah es danach aus, dass die Stadt handelt und den Wünschen der Anwohner nachgibt. Nachdem die Initiative dem Bürgermeister im städtischen Ausschuss für Umwelt und Energie im November eine Liste mit 100 Unterschriften überreichte, beschloss das Gremium unter anderem eine bessere Ausschilderung der Tempo-30-Zone. Außerdem sollte die Stadt gemeinsam mit dem Land prüfen, ob ein Verbot von Lastwagen mit einem Gewicht von mehr als 7,5 Tonnen möglich ist.

Ein Verbot werde es bis auf weiteres nicht geben

„Es soll ein Lkw-Verbot in beide Richtungen geben, Markierungen auf der Fahrbahn für die Tempo-30-Zone und feste Geschwindigkeitstafeln“, freute sich Anwohner Christoph Schwencke damals nach dem Ausschuss im Gespräch mit dieser Zeitung. Diese Freude ist mittlerweile verflogen. Denn der Schwerlastverkehr rollt noch immer – und wird es wohl auch weiter tun.

Nachdem sich die Initiative jetzt – mehr als ein halbes Jahr nach der Entscheidung im Ausschuss – in der Bürgerfragestunde des Stadtverordnetenversammlung an Bürgermeister Jörg Lembke wandte, stellte dieser klar: Ein Verbot werde es bis auf weiteres nicht geben.

Verkehr über Grabauer Straße sei einzige Möglichkeit

So sieht der bereits beschlossene Lärmaktionsplan der Stadt vor, dass in der Grabauer Straße im Grunde alles so bleibt wie es ist. „Das ist politischer Beschluss und da kann ich nicht mehr viel tun“, sagte Lembke. Denn irgendwie müsse der Schwerlastverkehr vom A-21-Autobahnzubringer Bad Oldesloe-Nord auf die innerstädtische B 75 gelangen.

„Das geht derzeit nur über Grabauer Straße oder Wolkenweher Weg – und letzteres wurde von der Politik ausgeschlossen“, so Lembke. Das wäre wohl nicht weniger gefährlich. Denn dann würden die Lastwagen durch den Oldesloer Ortsteil Wolkenwehe und an der Asklepios Klinik vorbei fahren müssen.

Mehrfach seien parkende Fahrzeuge beschädigt worden

Trotzdem soll zunächst eine Verkehrszählung in der Grabauer Straße Aufschluss darüber geben, wie viele Lastwagen dort überhaupt täglich unterwegs sind. Wann Ergebnisse vorliegen werden, ist noch unklar. Nach der Forderung der Anwohner nach einem Gutachten, wie der Schwerlastverkehr die Bausubstanz ihrer Häuser beeinträchtigt, kündigte der Verwaltungschef an, Rücksprache mit dem Bauamt zu halten: „Wenn dort Handlungsbedarf besteht, werden wir das prüfen.“

Auch in der Theodor-Storm-Straße, einer in die Grabauer Straße einmündende Wohnstraße, beschweren sich die Anwohner über das dortige Verkehrsaufkommen. Hier sind es nicht die Lastwagen, sondern generelle Geschwindigkeitsüberschreitungen. Die Straße wird von vielen Autofahrern als Abkürzung „und als Rennstrecke genutzt“, wie sich ein Anwohner in der Bürgerfragestunde ausdrückte. Mehrfach seien dort bereits parkende Fahrzeuge beschädigt worden.

Bürgermeister Lembke stellt Bau einer Umgehungsstraße in Aussicht

Auf Anregung der Stadtverwaltung hat die Polizei dort bereits kontrolliert – ohne dass beunruhigende Auffälligkeiten festgestellt worden wären. Auch gilt die Straße nicht als Unfallschwerpunkt. Dafür müsste erst etwas passieren. „Es gibt eine bundesweit einheitliche Regelung, wann eine Kreuzung oder Strecke als Unfallhäufungsstelle eingestuft wird“, sagt Holger Meier, Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg. Demnach müsse es innerorts innerhalb von 300 Metern oder an einer Straßenkreuzung zu zwei Unfällen mit schweren Personenschäden, drei Unfällen des gleichen Typs oder sechs unterschiedlichen Unfällen kommen.

Ein Hoffnungsschimmer bleibt den Anwohnern aus Grabauer- und Theodor-Storm-Straße jetzt noch. Bürgermeister Lembke hat den Bau einer Umgehungsstraße in Aussicht gestellt. Die Stadt plant ein neues Gewerbegebiet zwischen Rögen und der Grabauer Straße. Durch eine Querverbindung könnte dann der vom Autobahnzubringer kommende Verkehr direkt auf die Hamburger Straße geleitet werden. Lembke: „Beim Gewerbegebiet werden wir dann auch eine neue Straßenführung planen.“

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