Kulturförderung

Kleines Theater Bargteheide erhält mehr Geld von der Stadt

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Elvira Nickmann
Ein Verein sieht optimistisch in die Zukunft: Pressesprecher Joachim Krämer (v. l.), Theatermacher Olaf Nehls und Kinochef Norbert Ohl.

Ein Verein sieht optimistisch in die Zukunft: Pressesprecher Joachim Krämer (v. l.), Theatermacher Olaf Nehls und Kinochef Norbert Ohl.

Foto: Elvira Nickmann

Stadtvertretung hat neuer Vereinbarung zugestimmt. Diese bedeutet Planungssicherheit für die Umsetzung des künstlerischen Programms.

Bargteheide. Der neue Fünf-Jahres-Vertrag des Kleinen Theater Bargteheide mit der Stadt ist unter Dach und Fach. Bei der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung segnete die große Mehrheit der Politiker den vorliegenden Entwurf ab. Damit hat der Theaterverein, der seit 2017 auch als Treuhänder der Stadt Bargteheide fungiert und dessen aktueller Vertrag Ende 2020 ausläuft, endlich Planungssicherheit.

Vereinbarung beinhaltet Option für weitere fünf Jahre

Der Vereinsvorstand beurteilt Verlauf und Ergebnis der Verhandlungen durchweg positiv. Vorstandsmitglied Norbert Ohl sagt: „Die Gespräche mit der Stadt waren völlig problemlos und sehr kooperativ.“ Vereinsvorsitzender Olaf Nehls ergänzt: „Der Fünf-Jahres-Vertrag beinhaltet eine Option auf weitere fünf Jahre.“ Er tritt mit Beginn des kommenden Jahres in Kraft.

Offensichtlich verbuchen beide Seiten den neuen Kontrakt als Erfolg. Bargteheides Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht sagt: „Es freut mich sehr, dass es Politik und Verwaltung gemeinschaftlich mit dem Trägerverein des Kleinen Theaters Bargteheide gelungen ist, eine neue Treuhandvereinbarung zu gestalten.“ Mit dieser werde die Kulturarbeit im Theater von 2021 für bis zu zehn Jahre auf ein festes Fundament gestellt. „Mein Dank gilt dem gesamten Team des Kleinen Theaters, das mit viel Engagement, Kreativität und Enthusiasmus – gerade in Zeiten von Corona – das Haus mit Leben füllt.“

Zahlen zum Vertrag sind im Haushalt aufgelistet

Lobende Worte, die beim Kleinen Theater gut ankommen. Denn nicht immer galt das Verhältnis zwischen Politik, Verwaltung und Verein als vertrauensvoll und unbelastet, die Verhandlungen zogen sich seit November 2019 hin.

Weil das Thema nicht öffentlich behandelt wurde, bemängelte der parteilose Stadtvertreter Klaus Mairhöfer im Februar dieses Jahres die „maximale Intransparenz“ des Verfahrens. Das tue er nach wie vor, erklärte Mairhöfer auf Anfrage des Abendblatts. „Die Zahlen zum neuen Vertrag finden sich im Haushalt, sind somit öffentlich zugänglich.“ Jeder, der sich dafür interessiere, könne sie nachlesen. Zudem sei die Stadt Vereinsmitglied, die Bürgermeisterin sitze im Vorstand. „Wo haben wir denn da ein schützenswertes Interesse“, fragt der Stadtvertreter.

Bisher hat Verein auch die Betriebs- und Energiekosten getragen

Was ihn störe, sei vor allem die Geheimniskrämerei. An dem Vertrag als Ganzes hat er weniger auszusetzen. So hätte er sich bei einzelnen Positionen eine präzisere Darstellung gewünscht. „Ein Vertrag sollte möglichst wenig Auslegungsmöglichkeiten bieten“, sagt der Stadtvertreter. Zugleich betont er: „Ich bin ein großer Befürworter des Kleinen Theaters.“ Es sei fantastisch, was der Verein auf die Beine stelle. „Wenn mehr als 100.000 Euro an jährlichem Zuschuss an das Theater fließen, finde ich das prima“, so Mairhöfer.

Rainer Wiegard ist für die Finanzen des Vereins zuständig. Er beziffert den institutionellen Zuschuss der Stadt von 2021 an auf 110.000 Euro pro Jahr. Ein Zuwachs von 30.000 Euro im Vergleich zu den 80.000 Euro, die der Verein in diesem Jahr bekommen habe. „Von dieser Summe haben wir bisher auch unsere Betriebs-und Energiekosten bezahlt“, erläutert Wiegard. Rund 40.000 Euro kommen pro Jahr zusammen, 70 Prozent trägt der Verein, 30 Prozent die im Haus angesiedelte Gastronomie. Auch in diesem Bereich haben sich die Vertragspartner auf neue Bedingungen verständigt.

Kostensteigerung durch mehr Veranstaltungen und Werbung

Olaf Nehls: „ Durch ein anderes Abrechnungssystem können zwei Verwaltungsschritte eingespart werden.“ Künftig übernehme die Stadt die Betriebskosten. Für Wiegard eine Frage der Gerechtigkeit: „Alle anderen Bargteheider Vereine sind bei Betriebskosten frei“, sagt er. Damit werde auch dem Umstand Rechnung getragen, dass sich durch die größere Zahl an Veranstaltungen die Personalkosten nahezu verdoppelt hätten – auf 60.000 Euro.

Der Etat für die Öffentlichkeitsarbeit für den Theaterbetrieb (Werbung, Plakate, Flyer) wurde um fast zwei Drittel auf 30.000 Euro erhöht. „Zum Vergleich: Im Haushalt vom Oldesloer Kultur- und Bildungszentrum sind allein für Herstellung, Aufstellen und Verteilen der Plakate und Flyer 54.000 Euro veranschlagt“, sagt Wiegard, der darauf verweist, dass die Verteilung in Bargteheide von Ehrenamtlern übernommen wird, statt einen Dienstleister zu beauftragen.

Coronabedingtes Programm bietet einige Überraschungen

Der Betrieb des Theaters sei mit einem mittleren Unternehmen vergleichbar. „Grob gesagt machen wir in normalen Jahren mit dem Kino einen Umsatz von etwa 110.000 Euro, im Theater 300.000 und in der Theaterwerkstatt 120.000.“ Für 2021 rechne er allein mit 185.000 Euro für Honorare und technische Dienstleistungen für die Theateraufführungen.

Trotz Corona sieht das Team optimistisch in die Zukunft. Olaf Nehls: „Für das Bühnenprogramm müssen wir im schlimmsten Fall davon ausgehen, dass die Zuschauerzahl so reduziert bleibt.“ Durch Umplanung sei ein coronabedingtes Programm entstanden, sogar mit „einigen netten Überraschungen“.

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