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Wahlkampf in Trittau zu Zeiten von Corona – wie geht das?

| Lesedauer: 6 Minuten
Elvira Nickmann
Oliver Mesch (r.) im angeregten Gespräch mit Lutz Conneus und dessen Sohn Conrad. Beide freuten sich über den Besuch des Bürgermeisters.

Oliver Mesch (r.) im angeregten Gespräch mit Lutz Conneus und dessen Sohn Conrad. Beide freuten sich über den Besuch des Bürgermeisters.

Foto: Elvira Nickmann

Bald wählt die Gemeinde einen neuen Bürgermeister. Amtsinhaber und Kandidat Oliver Mesch musste sein Konzept auf die Pandemie anpassen.

Trittau.  Die Bürgermeisterwahl in Trittau liegt in diesem Jahr mitten in den Sommerferien. Der ungewöhnliche Termin am Sonntag, 12. Juli, ist der Corona-Pandemie geschuldet. Einziger Kandidat ist der derzeitige Amtsinhaber Oliver Mesch. Doch wie lässt sich ein Wahlkampf in diesen schwierigen Zeiten überhaupt umsetzen? Und ergibt er auch dann Sinn, wenn es nur einen Kandidaten gibt?

Nicht alle Tage kommt der Bürgermeister zu Besuch

„Ja“, sagt Mesch. „Es bleibt eine Wahl, denn die Bürger können entweder mit Ja oder Nein stimmen.“ Wahlen seien grundlegend für Demokratie. „Deswegen ist es wichtig, dass viele Menschen zur Wahl gehen und wissen, wer ich bin und wofür ich stehe“, so Mesch weiter.

Dafür ist er in der Gemeinde unterwegs, geht von Haus zu Haus, klingelt an den unterschiedlichsten Türen, sucht das Gespräch mit den Trittauern. Auch an einem heißen Sommernachmittag im Juni hat er sich auf den Weg gemacht, die Luft ist noch schwül vom Platzregen, der gerade über den Ort hinweggezogen ist. In einem kleinen Körbchen hat Mesch Flyer und einige Trittau-Aufkleber verstaut. Letztere zeigen die stilisierte Wassermühle, er hat sie eigens für diesen Anlass gestalten und 1000 Stück drucken lassen. An einem Haus in der Straße Kellerberg macht er Halt, klingelt. Ein Mann öffnet, blickt überrascht. Nicht alle Tage steht der Bürgermeister vor der Tür.

Viele nutzen Gelegenheit, Mesch zu Projekten zu befragen

„Ja moin!“, begrüßt ihn der Mann freundlich. Man kennt sich, Jürgen Hinsch ist Mitglied des örtlichen Schützenvereins. Den Flyer hat er bereits studiert, er wurde zusammen mit einem Anzeigenblatt an rund 4700 Haushalte verteilt. „Ich bin gut informiert über das, was er möchte“, sagt Hinsch. Schnell entwickelt sich ein Gespräch, es geht um die Auswirkungen der Pandemie. Er werde auf jeden Fall wählen, so Hinsch, wisse noch nicht, ob er sein Votum persönlich oder per Brief abgebe. „Toi, toi, toi!“, wünscht er Mesch noch zum Abschied.

Ein paar Häuser weiter hat sich das Thema geändert, es geht ums Freibad. Viele Bürger nutzen die Gelegenheit, ihren Bürgermeister persönlich über konkrete Projekte zu befragen, Mesch nutzt die Gelegenheit, um die Meinung der Bürger einzuholen. Mal erläutert der Verwaltungschef den Ablauf von Bürgerentscheiden, mal gibt er Auskunft zu Bauvorhaben. Und immer wieder beantwortet er geduldig dieselben Fragen. Bei konkreten Anliegen zückt er ein kleines Büchlein und macht sich eine Notiz.

Zu Gesprächsthemen zählen auch persönliche Belange

Nahezu alle, die Mesch anspricht, erkennen ihn als Bürgermeister. Nicht jeder hat Fragen oder Gesprächsbedarf, doch Meschs Initiative kommt durch die Bank weg positiv an. Auch bei Manfred Kleindienst, der seit Anfang der 80er-Jahre in Trittau wohnt. „Ich finde die persönliche Ansprache gut“, sagt er. Dann fragt er Mesch nach der Entwicklung bei Radwegen, erzählt von neuen Nachbarn und diskutiert mit ihm über Immobilienpreise.

Andere fragen Persönliches: „Laufen Sie noch?“, will ein Mann von Mesch wissen und nimmt einen Aufkleber entgegen. „Ja“, sagt Mesch, sein Laufsport ist ein wichtiger körperlicher Ausgleich. Als er an einem hübschen Holzhaus im Tim-Kröger-Weg klingelt, stellt sich schnell heraus, dass Hausbesitzer Lutz Conneus und er gemeinsame Bekannte aus der Schulzeit haben. Conneus’ Sohn Conrad kommt hinzu und macht große Augen, als er den Bürgermeister sieht. „Sie kriegen ein Ja von mir“, sagt sein Vater zu Mesch. „Wir wählen immer. Man kann sich im Ort über alles Mögliche aufregen – aber nicht, wenn man nicht wählen geht.“ Brigitte Sprenger wohnt in der Hinschkoppel. Sie freut sich sichtbar über Meschs Besuch. „Wir hätten ihn sowieso gewählt“, sagt sie. „Ich finde ihn sehr sympathisch und engagiert.“

Kandidat verzichtet wegen Pandemie bewusst auf Helfer

Es ist ein fast intimer Wahlkampf, den der Kandidat unter diesen nicht alltäglichen Bedingungen führt. Formate wie Diskussionen, Talks oder Führungen im Ort sind nicht umsetzbar. Corona hat jegliche Planung zunichte gemacht. Und sorgt dafür, dass der Bürgermeister auf die Hilfe von Unterstützern bewusst verzichtete. Nur seine Familie ist eingebunden: Ehefrau Birte, die Kinder Tomma und Mogens. „Ohne ihren Rückhalt hätte ich mich nicht für eine erneute Kandidatur entschieden“, sagt Oliver Mesch.

Er hat die Genehmigung für das Aufhängen der Plakate beantragt, die dazu benötigten Ständer bei der Hermann-Jülich-Werkgemeinschaft abgeholt, sie mithilfe der Familie im eigenen Carport eingekleistert und angebracht. 25 Plakate sind es, sie hängen an Kreuzungen und wichtigen Verkehrswegen. Website und Flyer hat er selbst konzipiert, die grafische Umsetzung übernahm ein Layouter.

Manche Bürger kommen nur vorbei, um Hallo zu sagen

Einen Tag nach der Tür-zu-Tür-Aktion steht Mesch an seinem Info-Stand auf dem Schützenplatz. Es ist Markttag, kurz nach 15 Uhr. Viele Besucher bleiben für einen Plausch oder auf einen Kaffee stehen, nehmen Aufkleber und Flyer mit. Silvia Möseler kommt mit ihrer Tochter Zoe vorbei, probiert von den Keksen mit Meschs Namenszug, Sie wolle nur einmal Hallo sagen, informiert sei sie bereits.

Ein Mann wünscht sich Tempo 30 und eine Frau eine Einbahnstraße, eine andere sagt: „Moin Herr Mesch, ich bin nur zum Markt gekommen, weil mein Mann mir aufgetragen hat, dass ich Sie grüßen soll.“ Ein Ehepaar kommt auf Mesch zu, beide strahlen ihn an: „Ihre Werbung ist so schön“, loben sie. Und setzen im Weggehen nach: „Wir lieben Mesch.“

Voraussage aus einem Glückskeks traf Jahre später ein

Dessen Frau Birte sagt über ihn: „Er setzt sich mit viel Herzblut für Trittau ein.“ Dann erzählt sie eine kleine Anekdote: Als ihr Mann als Schüler zum Austausch in den USA gewesen sei, habe er einen Glückskeks bekommen. Auf dem Zettel darin habe gestanden: „Du wirst Chef in deinem Dorf werden.“

Jetzt hoffen die Meschs, dass diese Voraussage ein zweites Mal eintrifft.

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