Betrieb eingestellt

Corona-Krise: Schloss Tremsbüttel schließt das Hotel

| Lesedauer: 6 Minuten
Harald Klix
Hotelzimmer gibt es im Schloss sowie im Konsulat und der Akademie (l. daneben). In der Kornscheune (unten) sind Tagungsräume.

Hotelzimmer gibt es im Schloss sowie im Konsulat und der Akademie (l. daneben). In der Kornscheune (unten) sind Tagungsräume.

Foto: Manfred Diese / HA

Dem auf Firmen- und Familienveranstaltungen spezialisierten 50-Zimmer-Haus sind wegen der Pandemie die Einnahmen weggebrochen.

Tremsbüttel. Das wohl außergewöhnlichste Hotel im Kreis Stormarn macht dicht. Wegen der massiven Umsatzeinbußen durch die Corona-Krise seit Anfang März stellt Schloss Tremsbüttel den Betrieb ein. Zu dem 50-Zimmer-Haus gehören auch ein Restaurant und ein Café. Geschäftsführerin Silke Strathmann bestätigte die überraschende Entscheidung. „Wir dürfen seit Monaten keine Veranstaltungen mehr ausrichten“, sagt sie. Die Mitarbeiter müssen sich auf Jobsuche machen.

Für Hochzeitspaare gibt es sogar ein eigenes Trauzimmer

Das um 1893 bis 1895 erbaute Herrenhaus bietet eine Präsidenten- und eine Fürstensuite sowie acht Doppelzimmer. In zwei Nebengebäuden, der sogenannten Akademie und dem Konsulat, sind die restlichen Einzel- und Doppelzimmer sowie zwei weitere Suiten zu finden. Die Übernachtungspreise reichen von 110 Euro fürs Einzelzimmer über 145 Euro fürs Doppelzimmer bis zu 600 Euro für die Präsidentensuite. Frühstück gibt es für 17 Euro.

Das Hotel in dem 2000-Einwohner-Ort ist spezialisiert auf Firmen- und Privatveranstaltungen. Für Konferenzen sind sechs Räume vom Be­sprechungszimmer für zehn Teilnehmer bis zum Saal für 150 Personen vorhanden. Sehr beliebt sind Familienfeiern wie die Hochzeitsprogramme, bei denen sich die Brautpaare „wie Prinzessin und Prinz“ fühlen können. Es gibt sogar ein eigenes Trauzimmer direkt im Schloss. Bei schönem Wetter kann auch im acht Hektar großen Park gefeiert werden.

Zu Ostern überwog noch der Optimismus

Das Veranstaltungsverbot brachte des Kerngeschäft von einem auf den anderen Tag zum Erliegen. Die Dauer war beim Virusausbruch Mitte März nicht abzusehen. „Liebe Freunde und Gäste, auch wenn wir euch derzeit nicht bei uns im Schloss begrüßen dürfen, keine Hochzeiten und Geburtstage feiern können, keine Seminare und Fortbildungen bei uns durchführen können – wir freuen uns auf ,die Zeit danach’, in der wir vieles vielleicht mehr und intensiver genießen und wertschätzen können“, schrieb das Hotel damals auf seiner Facebook-Seite.

Auch bei den Ostergrüßen am 11. April überwog der Optimismus: „Wir freuen uns auf eine gemeinsame Zeit, die hoffentlich nicht mehr so lange auf sich warten lässt!“ Nur eine Woche später wäre eine große Trauung im Park gewesen. „Bei der Planung in den letzten Monaten haben wir uns lediglich um das Wetter gesorgt. (...) Dass uns ein Virus einen Strich durch die Rechnung machte, haben wir nicht mal erahnt“, schreiben die Organisatoren.

Vorbesitzer kam wegen Steuerhinterziehung in Knast

Bei den Gästen war das Hotel überaus beliebt, wie sich an Bewertungen auf Internetportalen ablesen lässt. Die Spanne der Kommentare vom Jahresanfang reicht von „Gut“ über „Außergewöhnlich“ und „Hervorragend“ bis zu „Fabelhaft“. Mehrfach wird das „sehr zuvorkommende“ und „freundliche“ Personal gewürdigt.

Die Familie des Hamburger Pharma-Unternehmers Detlef Strathmann hatte das Schloss im Juni 1996 gekauft. Der Preis soll bei unter sieben Millionen Mark (rund 3,6 Millionen Euro) gelegen haben, nachdem zwölf Millionen Mark verlangt worden waren. Das Gebäude hatte zwei Jahre leer gestanden. Vorbesitzer Walter Schleicher, ein Kaufmann aus Norderstedt, saß wegen Steuerhinterziehung von damals 192 Millionen Mark im Gefängnis. Der Bauspekulant hatte die Immobilie 1989 ersteigert.

Schlossgeschichte reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück

Die neuen Eigentümer steckten mehrere Millionen in die aufwendige Renovierung. Detlef Strathmann starb im Mai 2001 im Alter von 60 Jahren. Danach führte seine Witwe, die die Firma mit aufgebaut und unter anderem Aufsichtsratsvorsitzende der Strathmann AG war, die Geschäfte weiter.

Die Geschichte von Schloss Tremsbüttel reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Um 1780 ließ der dänische Amtmann Christian Graf zu Stolberg das Vorläufer-Herrenhaus errichten und später den Park anlegen. Der Ort wurde zu einem Anziehungspunkt für Dichter und Denker wie Matthias Claudius, Friedrich Gottlieb Klopstock und Wilhelm von Humboldt. Graf zu Stolberg und seine Frau Louise waren auch eng befreundet mit Johann Wolfgang von Goethe.

Im 19. Jahrhundert folgten mehrere Besitzerwechsel. 1883 erwarb die Remscheider Unternehmerfamilie Hasenclever das Anwesen und erbaute das heutige Schloss im Stil der Neo-Renaissance. 1939 kaufte Jonny Oellerich, ein ehemaliger Plantagenbesitzer in Kamerun, das Haus. 1949 eröffnete er nach dem Umbau das erste Hotel mit 21 Zimmern. 1958 wurde der Hamburger Fabrikant und spätere Honorarkonsul Siegfried Zimmermann Schlossherr. Als er 1986 starb, wurde der Hotelbetrieb schließlich eingestellt. 34 Jahre später wiederholt sich dieser Einschnitt – wegen des Coronavirus.

Beatles, Rolling Stones und Keira Knightley waren da

Weltbekannte Persönlichkeiten übernachteten im Schloss Tremsbüttel. Zu den vielen Prominenten zählen Schauspielerin Sophia Loren, die Beatles und die Rolling Stones sowie Stardirigent Leonard Bernstein. Der exzentrische Schauspieler Klaus Kinski hinterließ eine ganz besondere Notiz im Gästebuch: „Das einzige Hotel, in dem man in Deutschland wohnen kann.“

2017 übernachteten Keira Knightley („Fluch der Karibik“) und Jason Clarke („Planet der Affen – Revolution“) während der Dreharbeiten für „The Aftermath“ in Tremsbüttel.

Der amerikanische Herzchirurg Dr. Michael DeBakey feierte seine Hochzeit. Trauzeuge war Schauspieler Curd Jürgens, einer seiner Patienten. Hamburger Bürgermeister und Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein trafen sich zu vertraulichen Gesprächen. Kaufleute, Chefredakteure und Reeder aus der Hansestadt residierten im abgelegenen Schloss gern, „wenn man nicht gesehen werden wollte“.

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