Säuglingsfund

Totes Baby von Glinde: 2. DNA-Massentest durchgeführt

| Lesedauer: 3 Minuten
Petra Sonntag
Die Leiche des Säuglings lag in einem Waldstück, das direkt an das Schulgelände grenzt, etwa 50 Meter vom Wanderweg am Gellhornpark entfernt.

Die Leiche des Säuglings lag in einem Waldstück, das direkt an das Schulgelände grenzt, etwa 50 Meter vom Wanderweg am Gellhornpark entfernt.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Polizei entnahm am Sonnabend bei 63 Frauen aus dem Bereich Glinde Speichelproben, um Kindesmutter des toten Babys Leander zu ermitteln.

Glinde.  Mit der zweiten DNA-Reihenuntersuchung am vergangenen Sonnabend wollen die Staatsanwaltschaft Lübeck und die Polizeidirektion Lübeck endlich Licht ins Dunkel des Glinder Säuglingfunds im März 2019 bringen. Schüler des Glinder Gymnasiums hatten am 22. März bei einer Müllsammelaktion die halb im Waldboden vergrabene Babyleiche im Gellhornpark hinter dem Schulgelände gefunden. Laut Gerichtsmedizin war der hellhäutige kleine Junge etwa zwei Monate zu früh auf die Welt gekommen. Ermittler hatten ihm den Namen Leander gegeben. Trotz umfangreicher Ermittlungen in Glinde ist die Herkunft des Säuglings bislang unbekannt.

Von der zweiten gerichtlich angeordneten Speichelprobenentnahme bei gut 150 Frauen aus dem Bereich Glinde erhoffen sich die Ermittler des Kommissariats 1 der Bezirkskriminalpolizeiinspektion Lübeck nun endlich Rückschlüsse auf die Identität der Kindesmutter. Verwandte bis dritten Grades können nach Angaben des Landeskriminalamts Schleswig-Holstein bei einem solchen DNA-Test erkannt werden und damit Hinweise auf die Eltern geben.

Knapp 90 Frauen und Mädchen kamen nicht zur Probenentnahme

Bei der ersten DNA-Reihenuntersuchung im Februar 2020 hatten 322 entnommene Speichelproben von insgesamt 522 als Kindsmutter in Frage kommenden Frauen und Mädchen noch nicht zum Ermittlungserfolg geführt. Am vergangenen Sonnabend folgten weitere 63 Frauen der Aufforderung zur Speichelprobe, die nach Angaben der Polizeidirektion Lübeck unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen stattfand. „Die Untersuchungsdauer der Proben kann durchaus einige Wochen betragen, je nachdem, wie das Landeskriminalamt mit anderen Untersuchungen belastet ist“, sagt Ulla Hingst, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lübeck auf Anfrage dieser Zeitung. „Es haben sich bereits einige Frauen gemeldet, die den Termin am letzten Wochenende nicht wahrnehmen konnten und nun noch nachträglich ihre Probe abgeben werden.“

Die Teilnahme an dem DNA-Test ist freiwillig. Die Ermittler richten ihren Fokus derzeit auf Mädchen und Frauen im Alter von 13 bis 48 Jahren, die in der Nähe des Gellhornparks wohnen. Die Ausgewählten stammen nach Angaben der Polizei aus 37 Nationen mit 31 verschiedenen Amtssprachen.

Polizei wartet Auswertung der Ergebnisse fürs weitere Procedere ab

Bevor die Ermittler über das weitere Vorgehen entscheiden, würden sie das Ergebnis der aktuell entnommenen Proben abwarten, so Ulla Hingst. Frauen und Mädchen, die bisher keinen der angebotenen Termine wahrnehmen konnten oder verpasst haben, könnten sich noch immer für eine individuelle Terminvereinbarung bei der Kriminalpolizei Lübeck melden (Tel. 0451/131 51 50 oder per E-Mail: K1.Luebeck.BKI@polizei.landsh.de). Auch Zeugenaussagen nimmt die Polizei weiter entgegen.

Den Untersuchungen der Rechtsmedizin zufolge dürfte der Leichnam nicht länger als zwei Wochen in dem Waldstück gelegen haben und müsste somit um den 8. März 2019 herum geboren worden sein. Ob der Junge eine Totgeburt war oder zum Zeitpunkt des Ablegens noch lebte, wird aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt gegeben.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn