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Glinder Gutshaus soll zum rot beleuchteten Mahnmal werden

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René Soukup
Das Gutshaus ist ein Wahrzeichen der Stadt Glinde.

Das Gutshaus ist ein Wahrzeichen der Stadt Glinde.

Foto: Christina Kriegs-Schmidt / Stadt Glinde

Veranstaltungsbranche will durch die bundesweite Aktion Gespräche mit Politik über Rettung erreichen. Rund 1500 Unternehmen machen mit.

Glinde.  Das Personal mit Ausnahme der Auszubildenden und eines Werkstudenten in Kurzarbeit, in den vergangenen drei Monaten sind rund 95 Prozent des Umsatzes weggebrochen: Die Corona-Krise hat das Glinder Unternehmen Sing Showtechnik, ein Dienstleister in der Eventbranche, hart getroffen. Besserung ist so schnell nicht in Sicht. Denn bis 31. August sind hierzulande Großveranstaltungen verboten. Und solange es keinen Impfstoff oder ein Medikament gegen das Virus gibt, bleiben volle Konzertsäle ein Traum.

Fassade wird von 50 Scheinwerfern beleuchtet

Jetzt richtet die Firma einen Appell an die Politik zur Rettung der Branche in Form eines leuchtenden Mahnmals. Am Montag, 22. Juni, von 22 Uhr an lässt sie das Gutshaus an der Möllner Landstraße und die Villa Bode am Mühlenteich, in der das italienische Nobelrestaurant San Lorenzo beheimatet ist, für drei Stunden in Rot erstrahlen. Die Fassade der Gebäude wird jeweils von bis zu 50 LED-Scheinwerfern beleuchtet. Geld von der Stadt oder Privatpersonen erhält Sing Showtechnik dafür nicht. „Wir beteiligen uns, um die Politik aufmerksam zu machen auf unsere Situation. Es geht um Lockerungen und eine Perspektive“, sagt Martin Karnatz, Mitglied der Geschäftsleitung.

Die Aktion ist eingebettet in eine bundesweite Kampagne mit dem Namen „Night of Light“. Unternehmen aus der Veranstaltungswirtschaft, Kongresshäuser, Tagungshotels, Theater, Philharmonien, Konzerthallen und zum Beispiel Schauspielhäuser strahlen in jener Nacht ihr Gebäude oder stellvertretend eine Immobilie in der Region an. Laut Karnatz haben sich bis jetzt rund 1500 Firmen und Einrichtungen zum Mitmachen entschlossen.

Etwa eine Million Beschäftigte sind betroffen

„Unser Ziel ist es, mit der Politik im Rahmen eines Branchendialogs ins Gespräch darüber zu kommen, wie die milliardenschwere, extrem heterogene Branche der Veranstaltungswirtschaft vor einer massiven Insolvenzwelle gerettet werden und der Erhalt von bundesweit mehreren Hunderttausend Arbeitsplätzen gesichert werden kann“, heißt es auf einer Internetseite, wo die Aktion beworben wird. Dazu der Hinweis: „Die nächsten 100 Tage übersteht die Veranstaltungswirtschaft nicht!“. Sie sei einer der größten Sektoren der deutschen Wirtschaft und zähle rund eine Million direkte Beschäftigte. Es werde ein jährlicher Umsatz von rund 130 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Sing Showtechnik wurde vor drei Jahren gegründet. 2019 zog die Firma von Barsbüttel nach Glinde. Das Team besteht aus 15 Mitarbeitern inklusive drei Azubis, zum 1. August sucht die Firma trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage zwei Auszubildende. Anfang 2020 waren die Auftragsbücher voll, mit Corona änderte sich das. Veranstaltungen wurden abgesagt, einige auf 2021 verlegt.

Glinder Firma ist Partner der Band Orange Blue

Die Glinder sind Full-Service-Dienstleister mit dem passenden Equipment, dazu gehören zum Beispiel Ton-, Licht- und Medien-Technik. Karnatz, ein staatlich geprüfter Pyrotechniker, und seine Mitarbeiter betreuen unter anderem große Open-Airs wie den internationalen Feuerwerkswettbewerb in Hannover oder Ostsee in Flammen in Grömitz mit Zehntausenden Besuchern. Die bekannte Band Orange Blue unterstützen die Stormarner bei all ihren Konzerten. Auch Christina Stürmer und Guildo Horn standen schon auf Bühnen, die von Sing Showtechnik installiert wurden.

Karnatz sagt, man hangele sich derzeit von Monat zu Monat. „Ich hoffe aber noch auf Open-Air-Veranstaltungen in 2020 wie zum Beispiel Weihnachtsmärkte“, so der 39-Jährige.

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