Kennenlernbörse

Großeltern auf Zeit: Glinder Leihoma-Projekt ist gerettet

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René Soukup
Barbara Bednarz und Ralf Müller aus Glinde sind Leihgroßeltern von Moritz und Ronja. Das Foto entstand vor der Corona-Krise.

Barbara Bednarz und Ralf Müller aus Glinde sind Leihgroßeltern von Moritz und Ronja. Das Foto entstand vor der Corona-Krise.

Foto: René Soukup

Organisatoren machen doch weiter. Arbeiterwohlfahrt unterstützt das Vorhaben. Erneuter Start Ende des Sommers.

Glinde.  Nach den Sommerferien sollen sich im Glinder Gutshaus an der Möllner Landstraße wieder junge Familien samt Kindern mit Senioren zum Kennenlernen treffen – mit dem Ziel, dass ältere Menschen Großeltern auf Zeit werden. Die ehrenamtlichen Organisatoren des Leihoma-Projekts, Barbara Bednarz (70) und ihr Mann Ralf Müller (67), hatten ein Ende ihres Engagements in Erwägung gezogen wegen des mangelnden Interesses an dem Angebot. Außerdem waren sie unzufrieden mit dem Kooperationspartner, der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Jetzt haben sie sich zum Weitermachen entschlossen.

Awo-Mitarbeiterin war nicht immer verfügbar

Die Kennenlernbörse mit einem Treffen im Monat existiert im vierten Jahr. Seit Gründung wurden 48 Leihomas und -opas vermittelt, die für ihren Einsatz kein Geld verlangen. Das Projekt ist unter dem Dach des Familienzentrums Glinde & Oststeinbek angesiedelt. Träger der Einrichtung ist die Arbeiterwohlfahrt. Sie stellt in der Regel eine Kraft für die Zusammenkünfte ab. Das klappte über lange Zeit, in der jüngsten Vergangenheit aber nicht immer. Zum Beispiel im Januar dieses Jahres.

Die zuständige Awo-Mitarbeiterin wurde mit anderen Aufgaben betraut, einen Ersatz gab es nicht. Also bereiteten Bednarz und Müller alles in Eigenregie vor. Kuchen und Süßigkeiten bringen sie ohnehin immer mit. An jenem Tag kamen weder Senioren noch Eltern mit ihren Kindern – nicht zum ersten Mal. Und beim bisher letzten Treffen vor Corona im Februar waren eine ältere Frau aus Glinde sowie eine Mutter aus Reinbek samt Nachwuchs zugegen. „Die Vermittlung scheiterte an der Distanz der Wohnorte“, sagt Bednarz.

Hoffnung auf steigende Teilnehmerzahl

Inzwischen hat die Awo reagiert und den Ehrenamtlern mit Bea Siegfriedt eine neue Ansprechpartnerin zur Seite gestellt, die ihr Büro am Glinder Markt hat. „Sie ist sympathisch und aufgeschlossen“, sagt Bednarz, die nun hofft, dass die Teilnehmerzahl unter der Regie des Trios wieder wächst. Früher kamen mitunter mehr als 20 Personen ins Gutshaus. Noch ist es wegen der Pandemie geschlossen. „Wir peilen den Neustart im August an, spätestens aber im September“, so Bednarz. Voraussetzung sei natürlich, dass die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten nicht stark steige.

Die beiden Glinder sind selbst Leihgroßeltern. Moritz (fünf Jahre) und Ronja haben sie zuletzt Ostern auf der Terrasse gesehen und Abstand gehalten. An diesem Wochenende planen sie den nächsten Besuch ohne Umarmung. Das kleine Mädchen ist zwei Jahre alt geworden und bekommt jetzt Geburtstagsgeschenke. Glindes Bürgermeister Rainhard Zug sagt über die Rettung des Projekts: „Ich finde es klasse, dass die Sache fortgeführt wird und neuen Schwung bekommt. Das ist wichtig für unsere Stadt.“ Sich generationsübergreifend zu unterstützen, sei für alle eine Win-win-Situation.

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