Rufumleitung

Falsch verbunden! Die Leiden eines Ahrensburgers

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Der Ahrensburger Uwe Landwehr (78) fühlt sich seit 14 Tagen von fehlgeleiteten Anrufen der Gesundheits GmbH Deutschland genervt.

Der Ahrensburger Uwe Landwehr (78) fühlt sich seit 14 Tagen von fehlgeleiteten Anrufen der Gesundheits GmbH Deutschland genervt.

Foto: Petra Sonntag

Firmenkunden aus ganz Deutschland rufen bei dem 78 Jahre alten Uwe Landwehr an. Grund ist eine falsch eingegebene Rufumleitung.

Ahrensburg. Wieder und wieder klingelt das Telefon bei Uwe Landwehr aus Ahrensburg. Innerhalb von dreieinhalb Stunden zählt er 36 Anrufe, unter anderem aus Berlin, Köln und Thüringen. Doch eigentlich will keiner der Anrufer den 78-Jährigen sprechen. Er sagt: „Alle haben versucht, die Firma Gesundheits GmbH Deutschland zu erreichen, sind dann aber bei mir gelandet.“

Der Ahrensburger ist mittlerweile stark genervt

Einige wollten Rechnungen bezahlen und hätten ihn gefragt, ob sie ihre Kontonummer durchgeben sollten, sagt Landwehr. „Sie haben sich wohl auf einen Brief hin bei mir gemeldet.“ Die Anrufer hätten am anderen Ende der Leitung einen Mitarbeiter des Gesundheitsdienstleisters GHD erwartet, der seinen Firmensitz an der Fritz-Reuter-Straße in Ahrensburg hat. GHD ist eigenen Angaben zufolge das größte ambulante Gesundheits-, Therapie- und Dienstleistungsunternehmen Deutschlands, zählt rund 3000 Mitarbeiter und eine Million Patienten. Die Firma versorgt unter anderem Kunden zu Hause und in Pflegeheimen mit Arzneimitteln.

Uwe Landwehr machte das Unternehmen auf die fehlgeleiteten Anrufe aufmerksam. Danach sei es 14 Tage ruhig gewesen – bis zum gestrigen Montag. Am Vormittag seien erneut mehrere fehlgeleitete Kundenanrufe bei dem Ahrensburger und seiner Frau eingegangen. Immer wieder habe er die richtige Servicenummer des Unternehmens weitergeben müssen. Uwe Landwehr ist mittlerweile stark genervt. Er sagt: „Ich sehe mich als Opfer von Telefonterror.“

Landwehr: „Ich bin kuriose Telefonate schon gewohnt“

Auf Anfrage dieser Zeitung heißt es von GHD, der Fehler sei inzwischen identifiziert und behoben worden. „Es ist uns sehr unangenehm, denn es liegt hier ein einfaches Versehen eines Mitarbeiters unseres Unternehmens vor“, sagt Katrin Kollex, Leiterin Gesundheitspolitik bei GHD. Dieser habe versehentlich bei der Rufumleitung für sein Homeoffice beim Eingeben der Telefonnummer eine Ziffer vergessen. „Wir bedauern sehr, dass dadurch Herr Landwehr von Anrufen, die an unser Unternehmen hätten gehen sollen, gestört wurde“, sagt Kollex. „Wir werden dieses zum Anlass nehmen, unsere Mitarbeiter über unseren internen Informationsdienst noch einmal eindringlich zu schulen und zu sensibilisieren.“

Für Uwe Landwehr ist es nicht das erste Mal, dass unbekannte Menschen ihn anrufen. „Ich bin kuriose Telefonate schon gewohnt“, sagt er. Denn seine Nummer ähnelt ohne die Ahrensburger Ortsvorwahl einer Handyvorwahl. Insbesondere ältere Menschen bringe das schon mal durcheinander. So habe er bereits Anrufe aus verschiedenen Seniorenheimen in Ahrensburg erhalten – von Bewohnern, die ihre Angehörigen erreichen möchten. „Eine Frau wollte neulich ihre Tochter in Italien sprechen und ist bei mir gelandet“, sagt er.

Die Telefonnummer möchte Landwehr nicht ändern

Zwei bis drei solcher Anrufe registriere er pro Woche, damit habe er sich mittlerweile aber arrangiert. „Die Anrufer entschuldigen sich immer, sind lieb und nett“, sagt er. Und weiter: „Wir haben unsere Telefonnummer seit 33 Jahren und wollen daran auch nichts ändern.“ Nicht hinnehmen wolle er aber, dauerhaft von fehlgeleiteten Kundenanrufen „terrorisiert“ zu werden.

( jjd )

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