Verkehrssünder

Autobahn-Raser flieht vor Polizei – Prozess in Ahrensburg

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Eine Statue steht vor dem Amtsgericht in Ahrensburg.

Eine Statue steht vor dem Amtsgericht in Ahrensburg.

Foto: Nadine Beck

Richter verurteilt 24-Jährigen zu Bewährung. Der Verkehrssünder fuhr mit seinem Jaguar XF 190 km/h. Erlaubt war Tempo 120.

Ahrensburg.  Neun Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und ein Jahr Führerscheinsperre: So lautet das Urteil des Amtsgerichts Ahrensburg gegen einen 24 Jahre alten Autobahnraser aus Hamburg. Karim M. (Name geändert) war wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, Nötigung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis angeklagt. Das Gericht sprach ihn in allen Punkten schuldig.

Die Beamten holten den Täter auf einem Feld ein

Richter Said Evora sah es als erwiesen an, dass M. am 28. Januar 2019 in einem Jaguar XF mit Tempo 190 statt der erlaubten 120 unterwegs war, festgestellt durch einen zivilen Videowagen. M. floh vor der Kontrolle, bedrängte einen weiteren Polizeiwagen durch dichtes Auffahren und Lichthupe und überholte andere Autos rechts und über den Standstreifen.

Auf dem A-1-Parkplatz Ellerbrook (zwischen Ahrensburg und Stapelfeld) ließ M. den Jaguar stehen und lief auf ein Feld. Dort konnten ihn die Beamten einholen. Ein Polizist schilderte, dass er mit einem Kollegen Karim M. auf der A 1 stoppen wollte: „Er hat uns dann von hinten so dicht bedrängt, dass ich seinen Innenspiegel nicht mehr sehen konnte.“ Er habe dann zur Sicherheit Platz gemacht. „Ich hatte die Spur noch nicht verlassen, da hat uns der Jaguar schon links überholt. Mit meinem Arm hätte ich ihn berühren können.“

Der Kellner will nach Sperrzeit seinen Führerschein machen

Staatsanwalt Moritz Ihde sagte: „Eine Freiheitsstrafe ist nötig, da eine Geldstrafe allein nicht mehr ausreichend ist.“ Zudem forderte er drei Jahre Führerscheinsperre, weil M. bereits dreimal wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu Geldstrafen verurteilt worden war.

Verteidiger Siyamak Faghihi stellte in Frage, dass der Angeklagte der Täter war. „Die Beweisaufnahme hat nicht ergeben, dass mein Mandant am Steuer saß“, sagte er. Kein Zeuge habe M. eindeutig erkannt und sagen können, wie viele Personen im Jaguar waren. Der Anwalt hielt eine Geldstrafe und eine Führerscheinsperre von höchstens einem Jahr für angemessen. Für Karim M. bringe es mehr, wenn verkehrspsychologische Maßnahmen angeordnet würden. „Ich bereue, was ich getan habe“, sagte der derzeit arbeitslose Kellner M. „Ich sitze seitdem nicht mehr am Steuer und will meinen Führerschein machen, um mein Kind besser versorgen zu können.“

Richter: „Seine Manöver waren brandgefährlich“

Richter Evora begründete sein Urteil so: „Das Gericht ist überzeugt, dass die Taten so stattgefunden haben und der Angeklagte gefahren ist.“ Ein erfahrener Polizist habe M. sehr wohl im Jaguar erkannt. „Seine Manöver waren brandgefährlich“, so der Richter, „es hätte einen schlimmen Unfall mit Toten geben können.“ Für M. spreche, dass er seine Aktionen abgebrochen habe. „Eine Bewährungsstrafe sollte Warnung genug sein, dass er solche Taten nicht mehr begeht“, sagte Evora. Er verwies darauf, dass nach der einjährigen Sperre die Behörden entscheiden müssen, ob M. überhaupt für einen Führerschein geeignet ist.

( cit )

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