Bauvorhaben

Jersbeker Park erhält Bühne für kulturelle Veranstaltungen

In einem dritten Bauabschnitt wurde jetzt ein weiterer Teil des Jersbeker Parks wiederhergestellt, die Terrasse des ehemaligen Gartenhauses. Dietmar Liebelt (v. l.), Thimo Scheel, Julius, Irina und Nikolai von Bethmann-Hollweg, Klaus Schröder und Jürgen Rosenkranz vor der Freitreppe zum Parterre.

In einem dritten Bauabschnitt wurde jetzt ein weiterer Teil des Jersbeker Parks wiederhergestellt, die Terrasse des ehemaligen Gartenhauses. Dietmar Liebelt (v. l.), Thimo Scheel, Julius, Irina und Nikolai von Bethmann-Hollweg, Klaus Schröder und Jürgen Rosenkranz vor der Freitreppe zum Parterre.

Foto: Lutz Kastendieck

Förderverein vollendet derzeit dritten Bauabschnitt. Kampf gegen Parasitenpilz, dem immer mehr Linden zum Opfer fallen.

Jersbek.  Der weitläufige Park des einstigen Guts Jersbek verzeichnet dieser Tage besonders viele Besucher. „Durch die Kontaktsperren und Abstandsgebote in der Corona-Krise hat es wohl viele Menschen in die beschauliche Ruhe dieser wunderschönen Anlage gezogen“, vermutet Julius von Bethmann-Hollweg, Nachfahre des Grafen Theodor von Reventlow, dessen Familie das gesamte Areal seit 1840 gehört.

Ehrenamtlich Engagierte gründeten Förderverein

Was viele Gäste nicht wissen: Ohne die enge Kooperation der Familie Bethmann-Hollweg mit dem Förderverein Jersbeker Park wäre die zwischen 1726 und 1740 als klassischer Barockpark entstandene Gartenanlage für die Öffentlichkeit heute gar nicht zugänglich. „Es war nie unsere Absicht, die Tore abzusperren und uns an der Schönheit des Parks allein zu erfreuen“, sagt Bethmann-Hollweg dem Abendblatt. Andererseits entstünden durch Pflege und Erhalt der Anlage beträchtliche Kosten. „Deshalb waren wir froh, auf Menschen zu treffen, die bereit waren, sich dieser Aufgabe gemeinsam mit uns zu stellen“, so der Eigentümer.

Als der Kreis Stormarn 2009 den Pachtvertrag für den Park nicht verlängern wollte, fanden sich 42 ehrenamtlich Engagierte zusammen, denen das Relikt ambitionierter Landschaftsarchitektur aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Herzensangelegenheit ist. Wenige Monate später gründeten sie jenen Förderverein, der heute alle notwendigen Maßnahmen koordiniert, um den Park zu einem touristischen Anziehungspunkt zu machen. Auf diese Weise entstand gewissermaßen eine Public-Private-Partnership, die in diesem Jahr zehn Jahre besteht.

Rund 600 Linden zieren die weitläufige Parkanlage

Im Mittelpunkt stehen natürlich Erhalt und Beschnitt der rund 600 Linden und anderer Bäume und Gehölze, die teilweise bis zu 280 Jahre alt sind. „Allein die Pflegekosten belaufen sich auf rund 26.000 Euro pro Jahr“, sagt Vereinsvorstand Thimo Scheel. 20.000 Euro würde der Verein über Spenden aufbringen, 6000 steuere der Eigentümer bei.

Leider kämpfe man in den vergangenen Jahren zunehmend mit dem Brandkrustenpilz. Dem pandemischen Parasiten seien 2019 allein 17 Linden zum Opfer gefallen. In diesem Jahr waren es schon wieder sechs. „In den vergangenen zehn Jahren haben wir insgesamt 120 Bäume ersetzt, auch das ist ein beträchtlicher Kostenfaktor“, so Scheel. Immerhin schlage jede Neuanpflanzung samt Fällung, Bodenaustausch und Jungbaum mit rund 750 Euro zu Buche.

Es gibt bereits 80 bis 90 Baumpatenschaften

Deshalb hat sich der Verein von Beginn an um Baumpatenschaften bemüht. „80 bis 90 gibt es inzwischen“, berichtet Scheel. Wobei die Beweggründe ganz unterschiedlich seien. So gebe es unter anderem Bäume für neugeborene Kinder, verstorbene Ehepartner, aber auch für schmerzlich vermisste Vierbeiner wie Hunde und Katzen. Manch einer verbindet seine Baumspende sogar mit einer Botschaft auf kleinen Tafeln mit Versen, Daten und Namen.

„Immer öfter wird bei runden Geburtstagen, Abifeiern und Hochzeitsjubiläen für Baumspenden im Jersbeker Park gesammelt, das freut uns natürlich besonders“, so Scheel. Dabei kümmert sich der Verein bei Weitem nicht nur um das den Park prägende Grün. Auf Basis eines Gutachtens des Landschaftsarchitekten Holger Muhs aus dem holsteinischen Schönberg entwickelte der Verein unter Leitung von Klaus Schröder zudem einen Plan zur baulichen Aufwertung der Anlage.

Vereinsmitglied fungiert als Großspender

2013 konnte mit Spenden und Fördermitteln der AktivRegion Alsterland bereits der Grundriss des einst opulenten, um 1820 jedoch abgerissenen Gartenhauses mittels Plattenbändern aus rötlichem Granit nachvollzogen werden. Fünf Jahre später wurden die Wegeverbindungen vom restaurierten Parktor zum Grundriss des Gartenhauses sowie die beiden seitlichen Wege um den Cour d’honneur, den Ehrenhof, erneuert.

Durch die Großspende eines Vereinsmitglieds und eine Zuwendung der Kulturstiftung der Sparkasse Holstein konnte in den zurückliegenden Monaten der dritte Bauabschnitt realisiert werden, die Wiederherstellung der Terrasse zwischen dem einstigen Gartenhaus und dem sich nördlich anschließenden Parterre. „Sie soll künftig eine Bühne für verschiedene kulturelle Veranstaltungen im Jersbeker Park bilden“, erklärt Klaus Schröder. Eingeweiht werden sollte sie mit einem zünftigen Sommerfest zum zehnjährigen Bestehen des Fördervereins am 14 Juni. „Noch haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben, den Höhepunkt unseres Jubiläumsjahrs vielleicht doch, wie ursprünglich geplant, feiern zu können“, sagt Thimo Scheel. Und sieht deshalb den nächsten Erlässen der Landesregierung zur Corona-Pandemie mit Spannung entgegen.