Immobilienmarkt

Das Zuhause in Stormarn ist trotz der Corona-Krise begehrt

Der „Überlaufeffekt“ bringt Bauherren nach Stormarn: Wegen der hohen Preise in Hamburg weichen sie ins Umland aus.

Der „Überlaufeffekt“ bringt Bauherren nach Stormarn: Wegen der hohen Preise in Hamburg weichen sie ins Umland aus.

Foto: Markus Scholz / dpa

Nachfrage nach Immobilien ist derzeit groß. Ein Grund sind niedrige Zinsen. Historischer Tiefstand bei Zwangsversteigerungen.

Ahrensburg. Die Corona-Krise prallt am Immobilienmarkt in Stormarn offenbar ab. Häuser und Wohnungen sind zwischen Reinbek, Ahrensburg, Bargteheide und Reinfeld so begehrt wie in den vergangenen Jahren. „Die Nachfrage ist minimal rückläufig, was wegen des überaus großen Interesses in der Vergangenheit allerdings kaum Auswirkungen hat“, sagt der Bargteheider Makler Horst Gibbesch. Diese Einschätzung bestätigt Axel Schneider, Bereichsleiter Professionelle Immobilienkunden bei der Sparkasse Holstein. Er sagt: „Insgesamt bewegen wir uns noch fast auf Vorjahresniveau.“ Ähnliche Erfahrungen macht der Ahrensburger Makler Jan Harring: „Die Nachfrage nach Objekten in guter Lage ist weiterhin groß.“

Für Käufer ist Preis entscheidendes Argument

Für Horst Gibbesch, der auf fast 50 Jahre Berufserfahrung zurückblickt, wird sich an dem Trend, in Stormarn zu leben, absehbar nichts ändern. „Aus unserer Interessentenliste hat sich noch niemand streichen lassen“, sagt er. Weil der Preisdruck in Hamburg unvermindert hoch sei, ziehe es die Menschen ins Umland. „Bei uns im Kreis gibt es für weniger Geld mehr Immobilie“, so Gibbesch.

Der Preis sei für die Käufer das alles entscheidende Argument. Andere Aspekte wie beispielsweise der Arbeitsweg spielten nur eine marginale Rolle. Dass jetzt so viele Menschen im Homeoffice erleben, dass sie gar nicht mehr täglich im Büro sein müssen, werde die Nachfrage nach dem Wohnen im Grünen nicht weiter steigen lassen.

Zinsen sind größter Hebel für Preisniveau

Starken Einfluss habe dagegen das niedrige Zinsniveau: Der Satz für Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Bindung liegt deutlich unter einem Prozent. „Die Zinsen sind der größte Hebel für das Preisniveau“, sagt Gibbesch. Solange Kredite günstig seien – zurzeit sogar unter der Inflationsrate – bleibe die Nachfrage nach Eigentum hoch. Deshalb seien Preisrückgänge unwahrscheinlich. „Nach den jüngsten Steigerungen ist höchstens eine Seitwärtsbewegung möglich.“ Laut LBS Bausparkasse Schleswig-Holstein-Hamburg (siehe rechts) erhöhte sich der Wert von Häusern und Wohnungen allein im Vorjahr um knapp elf Prozent. Abwartend seien jetzt vor allem Beschäftigte aus von den Corona-Restriktionen stark betroffenen Branchen. „Da haben wir eine Beurkundung schon mal zeitlich verschoben“, sagt Gibbesch.

Dass Kaufentscheidungen mit der einhergehenden Verschuldung mit Blick auf wirtschaftliche Unsicherheiten wie Kurzarbeit oder Stellenabbau geschoben werden, beobachtet auch die Sparkasse Holstein. „Dies wird aber vermutlich nur ein temporärer Effekt sein“, sagt Immobilienexperte Axel Schneider. Er sieht noch eine ganz andere Entwicklung: „Corona trägt dazu bei, dass die Vororte, vor allem bei Familien, wieder attraktiver werden.“

Gewerbliche Vermieter könnten die Verlierer sein

Momentan sei wegen der Pandemie Zurückhaltung bei allen Beteiligten zu beobachten. „Verkäufer verzichten mit Blick auf eine Ansteckungsgefahr auf Besichtigungen“, sagt Schneider. „Auf der anderen Seite reduzieren sich die Kaufinteressenten auf die Klientel, die auch tatsächlich Interesse hat.“ Er schätzt, dass eine „Normalität“ erst im Laufe des Jahres 2021 zurückkehren wird.

Das Interesse an Immobilien in Stormarn werde insbesondere an den gut angebundenen Städten und Orten auf einem guten Niveau bleiben. Bei den Preisen erwartet Schneider eine Konsolidierung oder einen leichten Rückgang. Harring Immobilien in Ahrensburg stellt im Verkaufsbereich bisher keine Veränderungen fest. „Wir gehen davon aus, dass sich die Preise auf dem jetzigen Niveau halten beziehungsweise langfristig weiter steigen werden“, sagt Jan Harring. Weniger Interessenten gebe es moentan für Mietwohnungen.

Preisauftrieb der Vorjahre wird sich nicht fortsetzen

Nach Einschätzung von Haus & Grund Schleswig-Holstein wird die Corona-Krise keine gravierenden Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt haben. Der Verband hat rund 70.000 Mitglieder, denen etwa 80 Prozent aller Wohnimmobilien gehören. „Der eine oder andere wird zögern, seine Absicht, ein Eigenheim zu kaufen, dieses Jahr umzusetzen, wenn der Arbeitsplatz nicht mehr so sicher ist“, sagt der Vorstandsvorsitzende Alexander Blažek. Andererseits könnte die Nachfrage der Kapitalanleger nach Wohngebäuden zum Vermieten sogar steigen. Der Preisauftrieb der Vorjahre werde sich nicht fortsetzen, weil mehr Eigenheime und Wohnungen auf den Markt kämen.

Dass der Immobilienmarkt in Schleswig-Holstein „äußerst solide“ sei, zeige die Zahl der Zwangsversteigerungen: Sie ist 2019 auf einen historischen Tiefstand gesunken. Landesweit wurden 714 Anträge gestellt. 2018 waren es noch 783 und im Jahr 2008 sogar rund 3300. Im Landgerichtsbezirk Lübeck, zu dem die Kreise Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Ostholstein gehören, gab es vergangenes Jahr 204 Zwangsversteigerungen. 2018 waren es fast 1000. „Die Banken und Sparkassen haben sehr konservativ finanziert“, sagt Blažek. Und wenn Eigentümer in Zahlungsschwierigkeiten gerieten, konnten sie ihre Immobilien ohne Versteigerung gut verkaufen.

In Krisenzeit wagen weniger Menschen Kauf

Bei den Mieten erwartet Haus & Grund kaum Veränderungen. Die Zahl der Neuvermietungen und damit die Gelegenheit, mehr Geld zu verlangen, werde zurückgehen. In einer Krise wagten weniger Menschen einen Umzug oder Kauf. „Verlierer sind die Vermieter von Geschäftsräumen“, so Blažek. Dort wirke sich der fehlende Umsatz von Einzelhandel und Gastronomie stark aus.

Das Preisniveau:

34 bis 50 Prozent günstiger als in Hamburg sind Häuser und Wohnungen im Umland. Das hat der Immobilienmarktatlas 2020 der LBS Bausparkasse Schleswig-Holstein-Hamburg ergeben. Häuser kosten in Stormarn durchschnittlich 34 (Neubau) bis 41 Prozent (Bestand) weniger. Für Wohnungen sind 39 Prozent (Neubau) bis zu 50 Prozent (Bestand) weniger zu zahlen.

Die Immobilienpreise haben sich kreisweit seit 2009 fast verdoppelt. Gebrauchte Häuser kosten im Schnitt in Oststeinbek und Ahrensburg fast 3700 Euro je Quadratmeter (Hamburg 4534), in Bargteheide rund 3000, in Trittau 2700 und in Bad Oldesloe 2200 Euro. Bei Neubauten sind es in Wentorf/Aumühle 4289 Euro/Quadratmeter, in Glinde und Ahrensburg 3730.

Baugrundstücke kosten in Hamburg durchschnittlich 774 je Quadratmeter. Im Umland ist die Bandbreite groß und reicht von 82 bis 470 Euro. Glinde, Reinbek und Ahrensburg zählen mit 300 bis 350 Euro zu den teureren Orten, in Bargteheide, Bad Oldesloe und Trittau sind es 250 bis 275 Euro. Weiter auf dem Land kostet der Quadratmeter um 100 Euro.