Stormarn

Einrichtungen für Frauen in Not erwarten steigende Nachfrage

| Lesedauer: 3 Minuten
Durch die Kontaktbeschränkungen konnten viele Opfer häuslicher Gewalt in den vergangenen Wochen keine Hilfsangebote wahrnehmen (Symbolbild).

Durch die Kontaktbeschränkungen konnten viele Opfer häuslicher Gewalt in den vergangenen Wochen keine Hilfsangebote wahrnehmen (Symbolbild).

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Risiko für häusliche Gewalt steigt durch Corona-Pandemie. Ministerin verspricht Zuschüsse. Kreis meldet einen neuen Infektionsfall.

Bad Oldesloe . Mit Beginn der Lockerungen von Corona-Schutzmaßnahmen rechnen das Frauenhaus Stormarn und Frauenberatungsstellen wie der Verein Frauen helfen Frauen Stormarn in Bad Oldesloe mit steigenden Anfragen Hilfsbedürftiger.

Aktuell sind alle Plätze im Frauenhaus Stormarn belegt

„Wir befürchten einen großen Anstieg an Anfragen“, sagt eine Mitarbeiterin vom Frauenhaus Stormarn. „Durch die Beschränkungen war es vielen Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt sind, bislang unmöglich, entsprechende Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen, weil sie kaum Gelegenheit für eine Kontaktaufnahme hatten.“ Schließlich seien sie nicht allein, sondern meist mit Kind und Partner zusammen zu Hause gewesen. Da die Corona-Beschränkungen auch die Vermittlung von eigenem Wohnraum für hilfesuchende Frauen erschwerten, seien aktuell noch alle Plätze im Frauenhaus Stormarn, das in Ahrensburg ansässig ist, belegt. „Wir hoffen, den kommenden Bedarf trotzdem irgendwie auffangen zu können.“

Auch Dagmar Wölm von Frauen helfen Frauen Stormarn ist sicher: „Im Zuge der Corona-Pandemie steigt das Risiko für häusliche Gewalt. Aus anderen Ländern wissen wir, dass die Meldungen häuslicher Gewalt nach dem Lockdown zugenommen haben.“ Mit der Plakataktion „Keine ist allein“ macht der Verein derzeit auf sein Beratungsangebot aufmerksam. Plakate mit den Kontaktdaten (Tel. 04531/867 72, E-Mail: frauenberatung@fhf-stormarn.de) hängen in Reinfeld, Bad Oldesloe, Bargteheide, Ahrensburg und Großhansdorf in Geschäften aus und richten sich an Frauen und Mädchen, die Opfer von Gewalt geworden sind, unter Essstörungen leiden oder im Konflikt mit ihrer Schwangerschaft sind. „Wir sind nach wie vor erreichbar und beraten telefonisch, schriftlich oder persönlich“, sagt Wölm. „Die Beratungen sind kostenfrei, auf Wunsch auch anonym. Jetzt gibt es zudem die Möglichkeit von Videokonferenzen.“

In Stormarn gibt es 408 bestätigte Covid-19-Fälle

Das schleswig-holsteinische Gleichstellungsministerium hat in einem zweiten Nachtragshaushalt 500.000 Euro bis Jahresende bereitgestellt, um bei Bedarf weitere Plätze in Frauenhäusern zu schaffen und das Angebot von Beratungsstellen zu verstärken. Dazu zählt auch ein einmaliger Zuschuss in Höhe von bis zu 3000 Euro für die Beratungsstellen, um die technische Ausstattung für die Arbeit auf Distanz zu verbessern.

„Wir können eine Zunahme häuslicher Gewalt im Verborgenen in den vergangenen Wochen leider nicht ausschließen“, sagte Innen- und Gleichstellungsministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) am Rande einer Plenardebatte. „Deshalb wollen wir vorsorgen. Durch diese Angebote in Verbindung mit den aktuellen Lockerungen erhoffen wir uns, betroffene Frauen noch besser erreichen zu können.“

Lockerungen wirken sich noch nicht negativ auf Fallzahl aus

Auf die Zahl der bestätigten Covid-19-Fälle im Kreis wirken sich die Lockerungen noch nicht negativ aus: Bis Dienstagnachmittag betrug sie 408, das ist nur eine nachgewiesene Infektion mehr als am Vortag. 15 in Stormarn wohnende Infizierte befinden sich aktuell in stationärer Behandlung, 42 in häuslicher Quarantäne. 323 Stormarner konnten bis jetzt als genesen aus der Quarantäne entlassen werden. Seit Beginn der Pandemie sind kreisweit 28 Menschen mit Covid-19-Infektion gestorben, rund die Hälfte waren Heimbewohner

( .peso )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn