Körperverletzung

Prozess in Ahrensburg: Muss Oldesloer in die Psychiatrie?

| Lesedauer: 3 Minuten
Christian Thiesen
Eine Statue vor dem Ahrensburger Amtsgericht.

Eine Statue vor dem Ahrensburger Amtsgericht.

Foto: Nadine Beck

20-Jähriger Afghane steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Auch eigene Familienmitglieder gehörten zu seinen Opfern.

Ahrensburg.  Ist er schuldfähig oder nicht? Leidet der Angeklagte A. aus Bad Oldesloe möglicherweise an Schizophrenie? Muss er dauerhaft in eine geschlossene Psychiatrie, weil er gemeingefährlich ist? Mit diesen Fragen beschäftigt sich derzeit das Ahrensburger Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Ulf Thiele. Angeklagt ist ein 20 Jahre alter Afghane wegen gefährlicher Körperverletzung.

Es geht unter anderem um einen Vorfall im Dezember 2019

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, 2018 und 2019 in Bad Oldesloe mehrfach andere Menschen angegriffen und verletzt zu haben. Und dies sowohl mit einem Messer und anderen Gegenständen als auch teilweise gemeinschaftlich mit anderen Mittätern. Zu seinen Opfern sollen dabei sogar sein Bruder, sein Neffe und ein Freund gehört haben.

So geht es am ersten Verhandlungstag unter anderem um einen Vorfall im Dezember 2019. Zeuge F. berichtet, dass er mit dem Neffen von A. den Angeklagten in seiner Wohnung besucht habe. Dort sei die Situation eskaliert, als A. zu seinem Neffen sagte: „Dein ehrloser Vater hat mich verzaubert.“ Daraufhin kam es laut F. zu einer Prügelei zwischen den beiden Verwandten. F. verließ die Wohnung, kehrte zurück und wurde von A. an der Tür geschlagen. Der Zeuge floh daraufhin, der Angeklagte verfolgte ihn, ließ dann aber von ihm ab. „A. hatte keinen Grund, mich zu schlagen, wir waren befreundet“, sagt F. vor Gericht aus.

Lieferfahrer und zwei Gäste einer Pizzeria wurden angegriffen

Ebenfalls als Zeuge geladen ist der Bruder des Angeklagten, P. Der 24-Jährige schildert einen Vorfall wenige Stunden nach der Auseinandersetzung in der Wohnung. Er habe darüber mit A. am Fenster seiner Wohnung gesprochen. „Als ich wieder wegging, sprang mein Bruder aus dem Fenster, lief mir hinterher und hat mich angegriffen“, sagt der Bruder. A. habe ihn mit einem Messer und einer Hantelscheibe verletzt, sodass er ins Krankenhaus musste.

„Mein Bruder ist krank“, sagt P. „Er hat zu mir gesagt, er sei verzaubert und auch schon mal, dass ich nicht sein Bruder sei.“ Seit Silvester 2017 verhalte er sich merkwürdig. „Er hat auch behauptet, ich wolle ihn umbringen und dass er abgehört werde.“ Ein anderer Anklagepunkt ist, dass A. am 29. April 2019 an der Oldesloer Hebbelstraße drei weitere Personen jeweils mit Schlägen attackiert und verletzt haben soll. Dabei soll ihm eine Gruppe von bis zu neun Bekannten geholfen haben. Dies geben der Lieferfahrer und zwei Gäste einer Pizzeria als Zeugen an. Sie hatten A. zur Rede stellen wollen, weil er ein Lieferauto des Lokals beschädigt haben soll. Daraufhin wurden sie von A. und der Gruppe angegriffen.

Vor Gericht wird ein Video gezeigt, das auf Facebook zu sehen war

Von diesem Streit gibt es ein von Unbeteiligten gemachtes Video, das auf Facebook zu sehen war. Vor Gericht wird es gezeigt. Der Angeklagte verfolgt die Zeugenaussagen größtenteils regungslos, schaut meist starr vor sich hin. Nur seinen Bruder würdigt er mit Blicken. „Ich war damals sehr krank, aber jetzt geht es mir wieder gut“, sagt er. Derzeit ist A. vorläufig in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Auf Nachfragen des psychiatrischen Gutachters sagt er: „Ich war verzaubert. Ich habe Stimmen gehört und hatte Wesen im Körper. Das ist jetzt verschwunden.“ Der Prozess wird am 4. Mai fortgesetzt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn