Überholfahrstreifen

Die B 404 ist endlich frei: Lütjensees Bewohner atmen auf

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Weg mit der letzten Absperrung (v. l.): LBV-Direktor Torsten Conradt, Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) und der Landtagsabgeordnete Tobias Koch (CDU) geben die B 404 frei.

Weg mit der letzten Absperrung (v. l.): LBV-Direktor Torsten Conradt, Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) und der Landtagsabgeordnete Tobias Koch (CDU) geben die B 404 frei.

Foto: René Soukup

Dreispuriger Ausbau fertig. Monatlang quälten sich täglich Tausende Autos und Lkw auf der Umleitung durch den 3400-Einwohner-Ort.

Lütjensee.  Autofahrer haben auf der B 404 in Stormarn endlich wieder freie Fahrt. Nach knapp 16 Monaten Vollsperrung ist die Bundesstraße zwischen den Anschlussstellen Lütjensee/Schönberg und Lütjensee/Grönwohld am Donnerstag freigegeben worden. Das rund vier Kilometer lange Teilstück wurde dreispurig mit einem wechselseitigen Überholfahrstreifen ausgebaut.

Beim Bau einer Brücke hatten die Arbeiter 1963 gepfuscht

Für die rund 3400 Einwohner von Lütjensee ist damit wieder Ruhe eingekehrt. „Das ist ein unglaublicher Unterschied, der innerhalb weniger Minuten zu spüren war“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Stentzler. Die Umleitung führte während der Bauarbeiten mitten durchs Dorf. Täglich donnerten rund 10.000 Autos durch die Grönwohlder, Trittauer und Hamburger Straße sowie Hunderte Lkw. In Stoßzeiten zählten Anwohner mehr als 50 Lastwagen je Stunde. Tagsüber gab’s an den Kreuzungen häufig Staus, nachts kamen Anwohner nicht in den Schlaf.

Und dann dauerte die B-404-Sperrung noch vier Monate länger als geplant. Ursprünglich sollte die Bundesstraße schon im Dezember 2019 fertig sein. Die Arbeiter entdeckten aber im August, dass 1963 beim Bau der B-404-Brücke über die Straße Zum Moor gepfuscht worden war. Die zur Verstärkung eingesetzten Stahlrohre – die sogenannte obere Bewehrung – lagen viel zu niedrig. Statt fünf Zentimeter Tiefe waren es etwa 20 Zentimeter. Außerdem hatten sie keine richtige Verbindung zum Beton und waren lediglich am Rand in ausreichender Zahl vorhanden, nicht aber in der Mitte. Die Bewehrung ist sehr wichtig für die Berechnung der Lastverteilung. In allen Plänen war sie vorschriftsmäßig eingezeichnet worden und nicht so wie verlegt.

Auf dem Abschnitt seien künftig täglich 21.000 Fahrzeuge unterwegs

Die Ingenieure entschieden sich wegen der kürzesten Bauzeit für einen Teilabbruch und Wiederaufbau des sogenannten Rahmenriegels. Dank einer Zeltkonstruktion mit Heizung konnte auch im Winter weitergearbeitet werden. Die Zusatzausgaben haben die Gesamtkosten von 9,1 auf rund elf Millionen Euro steigen lassen.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) dankte bei der Freigabe der B 404 dem Bund für die Investition. „Damit ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu mehr Sicherheit und Verkehrsqualität auf dieser Hauptverkehrsachse gesetzt“, sagte er. Auf dem Abschnitt seien künftig täglich 21.000 Fahrzeuge unterwegs. Der dreistreifige Ausbau mache das Überholen sicherer. „Mein Dank gilt auch den Lütjenseer Bürgern, denen wir in der Zeit Umleitungsverkehre zugemutet haben“, sagte Buchholz.

Wechselseitige Überholspuren sollen Unfälle verhindern

Die wechselseitigen Überholspuren auf den 17 Kilometern zwischen der A 1 und der A 24 sollen die einstige „Todesstrecke“ sicherer und den Verkehr flüssiger machen. Zwischen 1998 und 2018 registrierte die Polizei fast 400 Unfälle. Dabei kamen 17 Menschen ums Leben, mehr als 80 wurden schwer verletzt. Häufig waren Überholmanöver der Auslöser von Frontalzusammenstößen. Als Letztes wird ein etwa vier Kilometer langer Abschnitt vom Autobahnkreuz Bargteheide bis hinter die Anschlussstelle Todendorf/Sprenge, die geschlossen wird, dreispurig ausgebaut.

Der Direktor des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr in Schleswig-Holstein (LBV.SH), Torsten Conradt, erinnerte in Lütjensee daran, dass alle am Bau Beteiligten die Arbeitsabläufe so angepasst hätten, dass unter Minimierung aller Infektionsrisiken effizient weitergearbeitet werden konnte. „Ich freue mich besonders, dass dieser wichtige Abschnitt nun trotz der Coronakrise für den Verkehr freigegeben werden kann“, sagte Conradt.

Auch SPD-Landtagsabgeordneter ist froh über die Entlastung

Parallel zum dreispurigen Ausbau wurde die Brücke über die Ripsbek erneuert. Zudem wurden Entwässerungsanlagen zwischen den frisch sanierten Anschluss-Stellen Lütjensee/Schönberg und Lütjensee/Grönwohld geschaffen. Nicht zu vergessen die Sanierungen der Rampen auf der Ost- und der Westseite der Bundesstraße.

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete für Stormarn-Mitte, Tobias von Pein, ist froh über die Entlastung für die Menschen vor Ort und auf der Durchreise. „Lärm, Erschütterungen und weitere Probleme durch den Mehrverkehr haben an den Nerven der Anwohner gezerrt“, sagte er.

Hamburger Straße muss von Grund auf saniert werden

Den Lütjenseern steht allerdings schon die nächste Dauerbaustelle ins Haus: Die von Schlaglöchern übersäte Hamburger Straße, auf der aus Sicherheitsgründen teilweise nur noch Tempo 30 erlaubt ist, muss von Grund auf saniert werden. Zudem soll der Rad- und Fußweg verbreitert werden. Baubeginn ist im Sommer dieses Jahres. Der Ausbau soll in zwei großen und drei kleineren Teilstücken erfolgen.

„Die Planung liegt in den letzten Zügen, so geht es beispielsweise noch um Abstimmungen für die innerörtlichen Umleitungen“, sagt Lütjensees Bürgermeisterin Ulrike Stentzler. Als Erstes werde der Zweckverband Obere Bille Trinkwasserleitungen erneuern, die größtenteils unter den Fußwegen liegen. Die rund 2,7 Kilometer lange Hamburger Straße war Mitte der 1950er-Jahre als Panzerstrecke mit Betondecke gebaut worden. Sie ist Teil der Landesstraße 92.

( kx )

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