Kreis Stormarn

Not-OP bei Hamburger! Schießerei in Glinde wegen Schulden?

| Lesedauer: 4 Minuten
René Soukup

Zwei Schwerverletzte nach Schießerei vor einem Golfplatz. Ein Opfer wurde lebensgefährlich verletzt. Zwei Männer auf der Flucht.

Glinde. Es ist idyllisch an der Straße In der Trift in Glinde, über die es zur 100 Hektar großen Golfanlage geht. Dort, wo der Weg aus Richtung Innenstadt einen Linksschwenk macht, befindet sich ein Bahngleis. Ringsherum Bäume und viel Grün. Vor allem am späten Abend, wenn hier keine Fußgänger mehr unterwegs sind und die Arbeiten zum Bau der Wellnessoase samt Hotel auf einem angrenzenden Acker beendet sind, herrscht Stille. Am Dienstagabend war es mir der Ruhe jedoch vorbei. Schüsse peitschten durch die Gegend.

Mehrere Kugeln trafen einen 40 Jahre alten Hamburger, der notoperiert wurde und inzwischen außer Lebensgefahr ist. Er war in Streit mit drei Männern geraten, die flüchteten. Einer von ihnen, ein 25-Jähriger aus Glinde, suchte später selbst eine Klinik auf. Er hatte eine Stichverletzung erlitten und musste ebenfalls umgehend operiert werden.

Eskalierte der Streit wegen Schulden?

„Die Ermittlungen zum Ablauf des Tatgeschehens und den Hintergründen stehen noch am Anfang und werden mit Hochdruck in alle Richtungen geführt“, sagt Ulla Hingst von der zuständigen Staatsanwaltschaft Lübeck. Nach Abendblatt-Informationen war die dreiköpfige Gruppe dort nicht zufällig auf den Mann gestoßen, ein Treffen an dem Standort soll verabredet gewesen sein.

Dabei ging es offenbar um Geld. Es heißt, Schulden seien Grund der Zusammenkunft gewesen. Die ganze Sache sei dann eskaliert. Wer von wem Geld verlangt hat und dieses eintreiben wollte, darüber gibt es nur Spekulationen. Ulla Hingst will dazu keine Angaben machen.

Sieben Schüsse nahe dem Golfplatz

Die Polizeileitstelle wurde am Dienstag um 20.38 Uhr alarmiert. Der Hamburger war zuvor mit seiner Freundin in einem silbernen Opel mit zwei Türen nach Glinde gefahren, hatte das Auto an der Kurve neben den Bahnschienen geparkt. Es soll schnell zu einer Auseinandersetzung mit den drei Männern gekommen sein, die in eine Schlägerei mündete – dann fielen Schüsse. Die Rede ist von sieben bis neun.

Golfanlagenbetreiber Jens Lessau hatte sie gehört, machte sich auf den Weg zu dem Gleis. Von seinem Haus bis dorthin sind es rund 400 Meter. Er sagt: „Da war überall Blaulicht. Ich bin nicht neugierig, wollte nur schauen, ob etwas auf unserem Grundstück passiert ist. Dann bin ich schnell wieder los.“

Zu diesem Zeitpunkt waren mehr als 20 Beamte vor Ort sowie ein Notarzt samt Rettungswagen. Polizisten mit Maschinengewehren sicherten den abgesperrten Bereich. Das Opfer, ein kahlköpfiger Mann, lag in einem Rettungswagen und wurde mit Sauerstoff versorgt, bevor er in das Boberger Krankenhaus gebracht wurde.

Währenddessen fotografierten Kriminaltechniker Spuren am Tatort. Sie fanden Hülsen und Blut am Boden. Andere Kollegen nahmen die Fahndung auf, inspizierten mögliche Fluchtwege. Auch Hunde waren im Einsatz, dazu suchten Beamte in einem Hubschrauber nach den drei Männern. Nach rund zwei Stunden wurde die Aktion erfolglos beendet.

Freundin des Angeschossenen vernommen

Noch am Abend wurde einer der Gesuchten in einer Hamburger Klinik vorstellig, zu schwer war seine Verletzung durch einen Messerstich. Nach der Operation ist auch der 25 Jahre alte Glinder außer Lebensgefahr. Ob er vor den Schüssen attackiert wurde, ist ungeklärt.

Die Freundin des Hamburgers wurde inzwischen vernommen. Ihre Aussagen sollen der Polizei helfen, den Fall aufzuklären. Über den Inhalt des Gesprächs hüllt sich Oberstaatsanwältin Ulla Hingst in Schweigen, sagt lediglich: „Ich will nicht voreilig Dinge preisgeben.“

Staatsanwaltschaft und Mordkommission ermitteln offiziell wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes und der gefährlichen Körperverletzung. Sobald es die Ärzte zulassen, so Hingst, werden auch die beiden Verletzten vernommen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn