Coronapandemie

Verein sagt Besuch von Tschernobyl-Kinder in Großhansdorf ab

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Etliche Familien aus der Nähe von Tschernobyl haben sich vor Waldbränden in eine Schule geflüchtet und dort übernachtet.

Etliche Familien aus der Nähe von Tschernobyl haben sich vor Waldbränden in eine Schule geflüchtet und dort übernachtet.

Foto: Alla Dzedzenko / HA

Wegen schwachen Immunsystems Erholungsaufenthalt ukrainischer Kinder auf nächstes Jahr verschoben. Aktuell besser in Heimat geschützt.

Grosshansdorf.  Der Großhansdorfer Verein „Pryvit – Hilfe für Tschernobylkinder“ hat den alljährlichen Besuch von Kindern aus der Region rund um das stillgelegte ukrainische Atomkraftwerk (AKW) Tschernobyl abgesagt. Wegen der aktuellen Coronapandemie sei es weder sinnvoll noch zu verantworten, die Kinder in diesem Sommer nach Großhansdorf zur Erholung einzuladen, so der Vorstand in einer Bekanntmachung. Die Kinder verfügten über ein schwaches Immunsystem und seien derzeit in ihren abgeschiedenen Heimatdörfern besser geschützt als im Schullandheim Erlenried am Ortsrand von Großhansdorf. Zudem sei keine verlässliche Planung hinsichtlich der Reisebedingungen und Unterbringung möglich. Eine Verschiebung auf den kommenden Herbst ist aus organisatorischen Gründen ausgeschlossen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit seien auch die ärztlichen Untersuchungen und Behandlungen der Kinder nicht wie gewohnt möglich, da die Ärzte, mit denen der Verein zusammenarbeitet, ihre Jahresplanung aufgrund der Pandemie anpassen müssten.

Ukrainische Kinder seit 2011 jedes Jahr in Waldgemeinde zu Gast

Seit 2011 holt der gemeinnützige Verein Kinder aus stark radioaktiv kontaminierten Gebieten rund um Tschernobyl für einen kostenlosen Erholungsaufenthalt in die Stormarner Waldgemeinde, um ihr Immunsystem zu stärken und Arztbesuche zu ermöglichen. Die ausgewählten Kinder sollen nun 2021 nach Großhansdorf kommen.

Stattdessen will der Verein jetzt verstärkt vor Ort in der derzeit von Waldbränden heimgesuchten Region helfen. Der Verein erstellt nach eigenen Angaben gerade eine Liste mit etwa 120 Familien aus 25 Dörfern, die mit Lebensmittelpaketen versorgt werden sollen. Viele Menschen seien wegen der Coronakrise arbeitslos geworden, die Kinder könnten zudem wegen der Schulschließungen kein Schulessen mehr in Anspruch nehmen. Das sei bei der knappen Haushaltslage der Familien eine erhebliche Mehrbelastung für die Betroffenen.

Zusätzliche radioaktive Belastung durch Waldbrände befürchtet

1986 hatte eine Explosion im AKW Tschernobyl für eine radioaktive Verseuchung des Landstrichs gesorgt. Seitdem ist das AKW stillgelegt. Kritiker fürchten durch die Waldbrände in der Sperrzone erneute radioaktive Belastungen.

( peso )

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