Coronavirus

Stormarner Läden wieder geöffnet – so lief es am ersten Tag

| Lesedauer: 7 Minuten
Thomas Jaklitsch und Lutz Kastendieck
Gerald Pätzold vom Geschäft „Badperle“ in Ahrensburg sieht sich für die Rückkehr der Kunden gut gerüstet.

Gerald Pätzold vom Geschäft „Badperle“ in Ahrensburg sieht sich für die Rückkehr der Kunden gut gerüstet.

Foto: Thomas Jaklitsch

Ansturm in Geschäften in Ahrensburg und Trittau bleibt aus. Auf strenge Auflagen reagieren viele Geschäfte mit Einlassbeschränkungen.

Ahrensburg/Trittau. Seit Montag haben die Stormarner trotz Coronakrise wieder eine deutlich größere Auswahl an Geschäften für ihre Einkäufe. Neben Supermärkten, Discountern, Bau- und Tierfuttermärkten sowie Apotheken und Drogerien dürfen nun auch wieder Einzelhandelsgeschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern unter Auflagen öffnen. Der große Ansturm ist aber am ersten Tag ausgeblieben.

Kunden werden deutlich auf Einlassbeschränkungen hingewiesen

In fast jedem Ahrensburger Geschäft gibt es jetzt Einlassbeschränkungen, auf die die Kunden mit Plakaten und Aufstellern hingewiesen werden. In der „Badperle“ am Rondeel dürfen zeitgleich nur drei Kunden nach Handtüchern, Seifen, Cremes oder Badaccessoires stöbern. „Die ersten waren schon da“, sagt Angela Hoch am frühen Vormittag. Normalisieren werde sich die Lage aber wohl erst, wenn auch die umliegenden Cafés wieder öffnen dürfen.

Hoch und ihr Mann Gerald Pätzold tragen statt Masken transparente Gesichtsschutzvisiere. „Da beschlagen die Brillengläser nicht mehr “, sagt Hoch. Ihr Mann habe die Visiere vor Ladenöffnung direkt beim Hersteller, der im Ahrensburger Gewerbegebiet ansässigen und auf 3D-Druck spezialisierten Firma Rolf Lenk Werkzeug- und Maschinenbau, abgeholt. „Am Freitag bestellt, am Montagfrüh bekommen, besser geht es nicht“, sagt der 56-Jährige.

Beschäftigte wünschen sich, dass Kunden Gesichtsmasken tragen

Alexandra Schokrowski von Elektro Clasen an der Hamburger Straße hat in ihrem Geschäft auf die handwerklichen Fähigkeiten ihrer Techniker zurückgegriffen, um alle Auflagen zur Hygiene zu erfüllen. Am Kassenbereich hängt eine mehrere Meter lange Plexiglasscheibe, um Mitarbeiter und Kunden zu schützen. Die Geschäftsinhaberin und ihre beiden Mitarbeiter tragen Masken, gleiches würde sie sich auch von den Kunden wünschen. Noch halte sich aber nicht jeder daran.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Überall im Laden gibt es zudem auf dem Boden Abstandsmarkierungen. „Außerdem herrscht bei uns eine Einbahnstraßenregelegung. Wer den Laden betritt, darf nur in eine Richtung gehen“, sagt Schokrowski. Fünf Kunden dürfen gleichzeitig ins Geschäft. Die Chefin selbst wacht darüber, dass diese Regel eingehalten wird. Das führte mehrfach zu Schlangen vor dem Eingang. „Das Geschäft läuft gut an, wir können nicht klagen“, sagt Schokrowski erfreut.

Im Fahrradgeschäft sind vor allem Reparaturen gefragt

Auch vor dem Fahrradhaus von Herbert Riegel in Trittau hatte sich am späten Vormittag eine Warteschlange gebildet. „Wir achten darauf, dass nicht mehr als zwei Kunden gleichzeitig ins Geschäft kommen. Auf diese Weise wollen wir unsere Kunden ebenso wie unsere Mitarbeiter schützen“, sagt der Chef Horst-Herbert Riegel.

Die meisten Wartenden hatten Räder dabei und wollten in die Werkstatt. „Obwohl die auch in den vergangenen fünf Wochen geöffnet war, sind unsere Kollegen weiter vor allem als Monteure gefragt, statt als Verkäufer“, berichtet Riegel. Von den 13 Kunden am Vormittag hätten nur zwei etwas kaufen wollen, elf seien wegen Reparaturen gekommen.

Kundschaft gibt weniger Geld für Neuanschaffungen aus

Das werde so wohl noch eine Weile bleiben, fürchtet Riegel. Die Unsicherheit sei bei vielen Menschen noch immer groß. Neben der Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus spielten wohl auch finanzielle Sorgen eine Rolle. Angesichts von Kurzarbeit und drohendem Personalabbau in vielen Unternehmen, sitze das Geld für Neuanschaffungen bei den Leuten nicht mehr so locker wie vor der Pandemie. „Die Lockerungen der Auflagen sind sicher ein Lichtblick, aber kaum mehr“, sagt Riegel.

Auch Stefan Widerstein vom Papierhaus Trittau rechnet für die kommenden Wochen mit einer deutlichen Kaufzurückhaltung. Dennoch hat sein Team die Kundenströme in dem rund 250 Quadratmeter großen Geschäft neu organisiert. So wurde etwa die Kasse für Schreibwaren und Bürobedarf von der langen Seite des u-förmigen Tresens auf eine der kurzen Seite verlegt und mit einem großen Spuckschutz versehen.

Modecentrum öffnet nur eine von drei Etagen

„Wir betreiben zugleich einen Postshop. Dessen Wartezone beansprucht jetzt deutlich mehr Platz“, erklärt Widerstein. Nun könnten sich die Wartenden an den beiden getrennten Kassen besser aus dem Weg gehen. Und der Mindestabstand von 1,50 Metern sei auch gewahrt. Dem Ordnungsamt gehen diese Maßnahmen allerdings nicht weit genug. Ein Kontrolleur belehrte Widerstein darüber, dass das Papierhaus wegen seiner Verkaufsfläche von mehr als 200 Quadratmetern zusätzlich einen Mitarbeiter abstellen müsse, der den Einlass regelt.

Pro zehn Quadratmeter ist aktuell nur ein Kunde zulässig. Das weiß auch Christian Schmittat, Geschäftsführer der Modekette MC mit Geschäften an vier Standorten in Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg. Die Trittauer Filiale hat normalerweise eine Verkaufsfläche von mehr als 1500 Quadratmetern auf drei Ebenen. Um wieder öffnen zu können, wurden Ober- und Untergeschoss gesperrt, um unter die kritische Marke von 800 Quadratmeter zu kommen.

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Zulauf am ersten Tag in Modegeschäft durchschnittlich

„Das ist uns durch die Beschränkung auf das Erdgeschoss mit 630 Quadratmetern gelungen. Wir sind unglaublich erleichtert, wieder öffnen zu können“, sagt Schmittat. Den Umsatzverlust in dem fünfwöchigen Shutdown taxierte er auf rund eine Million Euro. „Am schwierigsten war die Situation aber für unsere insgesamt 75 Mitarbeiter“, so der 40-Jährige. Die Vorfreude auf die Rückkehr in die Geschäfte sei bei allen spürbar gewesen.

Den Zulauf am ersten Tag bezeichnete er als durchschnittlich. Schmittat ist allerdings optimistisch, dass die Kundenzahlen schon bald wieder steigen werden: „Modische Kleidung muss man sehen, anfassen, spüren, anprobieren. Deshalb haben wir auch keine Angst vor Onlinehändlern wie Amazon und Co.“

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