Stormarn

Pflanzenexperten geben Tipps für den Garten

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Melissa Jahn
Hornveilchen, Bellis, Vergissmeinnicht: Rafaela Ladwig und Jasmin Zefer schwelgen im Blütenmeer, um ihren Garten fit für den Frühling zu machen.  

Hornveilchen, Bellis, Vergissmeinnicht: Rafaela Ladwig und Jasmin Zefer schwelgen im Blütenmeer, um ihren Garten fit für den Frühling zu machen.  

Foto: Melissa Jahn

Um das eigene Grün fit für den Frühling zu bekommen, sind diese Arbeitsschritte in den kommenden Wochen entscheidend.

Siek. Den berühmten „grünen Daumen“ gibt es laut Gärtnermeister Olaf Beier aus Siek eigentlich nicht. Vielmehr komme es auf die Beobachtungsgabe der Menschen an. Auf das Gespür, um die Bedürfnisse der Pflanzen zu erkennen. Und auf Wissen, welches sich jeder aneignen kann – unter anderem mit Informationen der Gartenexperten aus dem Kreis Stormarn. Das Abendblatt hat die wichtigsten Arbeitsschritte der nächsten Wochen zusammengetragen, damit der Garten fit wird für den Frühling.

Jetzt ist die richtige Zeit für die Pflege des Rasens

Der erste Schritt ist das Kalken, was noch vor dem Vertikutieren passieren sollte. „Gerade nach einem regnerischen, milden Winter hat sich viel Moos entwickelt, welches bereits bei Temperaturen von null bis acht Grad zu wachsen beginnt“, sagt Jörn Andresen, Inhaber der gleichnamigen Gärtnerei in Bargteheide. „Kalk hebt den PH-Wert, was wiederum dem Moos nicht gefällt.“ Eine Faustregel des Gartenprofis: Wenn die Narzissen verblühen, kann mit dem Vertikutieren begonnen werden. „Um kahle Stellen durch Nachsaat auszugleichen, ist die Wärme nun ausreichend“, sagt Andresen. „Sonst dienen die Samen bloß den Vögeln zum Fraß.“ Wer dem Rasen etwas Gutes tun möchte, kann anschließend organischen Dünger aufbringen. Um das Optimum zu erreichen, empfiehlt Andresen, diesen Schritt drei Mal im Jahr auszuführen, zuletzt in der Zeit von September bis Oktober.

Was kann ich gegen die lästigen Maulwürfe machen?

Wer den Maulwurf auf frischer Tat ertappt und sofort ausbuddelt, ist besonders effektiv, sagt Olaf Beier. Vergrämungsmittel hingegen wirken nur bedingt und müssen reichlich angewendet werden. „Da der Maulwurf unter Naturschutz steht, kann häufig nur abgewartet werden“, sagt Beier. „Spätestens, wenn die Arbeit im Garten beginnt und der Rasenmäher über den Boden rattert, verziehen sich die Säugetiere von selbst.“ Obwohl der Maulwurf als Schädling gilt, ist er eigentlich ein Nützling, der Insekten und deren Larven frisst sowie mit seinen Gängen maßgeblich zur Auflockerung des Bodens beiträgt.

Welche Arbeiten stehen jetzt Anfang April noch an?

Stauden und Gräser fangen zu wachsen an und können jetzt ohne Probleme zurückgeschnitten werden. Dabei ist es sinnvoll, blühende Hecken wie die Forsythie zunächst abblühen zu lassen. Anfang April geht es dann mit den Rosen weiter. „Alles Braune kann weg, das ist hier die Grundregel“, sagt Beier. „Während die Bodendecker stark wachsen und dementsprechend tief unten abgeschnitten werden können, sollten bei Kletterrosen nur einzelne Triebe verjüngt werden, damit Mauern weiterhin begrünt bleiben.“ Beachtet werden muss dabei die Vogelbrut. „Ein leichter Gartenschnitt geht, nicht jedoch großflächige Knickmaßnahmen“, sagt Andresen. „Das ist erst wieder im Herbst möglich.“

Kübelpflanzen können einen Sonnenbrand bekommen

Kübelpflanzen können aus dem Keller geholt und auf die Terrasse gestellt werden. Der Vorteil ist, dass sie sich im Frühjahr langsam an die UV-Strahlung gewöhnen, ohne einen Sonnenschaden zu bekommen. „Oleander und andere Südpflanzen müssen jedoch unbedingt vor Nachtfrost geschützt werden“, sagt Olaf Beier. „Bis in den Mai kann es vor allem nachts empfindlich kalt werden.“ Entspannt können Gartenbesitzer bei Läusen und anderen Schädlingen handeln. Beier empfiehlt, nicht beim ersten Insekt aktiv zu werden, sondern erst, wenn eine bestimmte Schädlingsschwelle überschritten wird. „Viele Mittel wirken auf Rapsölbasis“, so der Pflanzenexperte. „Das schützt die Umwelt.“

Worauf es jetzt bei der Pflege der Böden ankommt

„Es reicht, Unkräuter mit einer Hacke aus dem Boden zu holen und dabei die Erde anzurauen“, sagt Beier. „Wir raten heute nicht mehr dazu, den Boden umzugraben, da solche Aktion das Bodenleben durcheinanderbringt.“ Blumenerde kann für zusätzliches Wurzelwachstum sorgen, Tonmineralien die Wasserversorgung in sandigem Boden verbessern. Wichtig sei zudem, Kompost oder andere organische Düngemittel in die Erde zu bringen. „Zurzeit sind die Böden zusammengesackt und schwer“, sagt Olaf Beier. „Wenn Regenwürmer mit Humus versorgt werden, lockern sie diese auf.“

Gartentrends 2020 – Pflanzen setzen, die Insekten nützen!

Besonders beliebt ist Selbstversorgung, verrät Jörn Andresen. Selbst im kleinsten Garten oder auf dem Balkon können Heidelbeeren, Erdbeeren oder Kräuter angebaut werden. Im April ist die beste Pflanzzeit für Obstbäume. „Ob Kräuter und Gemüse vorgezogen oder als Pflanzen gekauft werden, kann jeder selbst entscheiden“, so Andresen. „Erlaubt ist, was Spaß macht.“ Wer Farbe in den Garten bringen möchte, kann zu Hornveilchen, Stiefmütterchen oder gefüllten Primeln greifen, sagt Olaf Beier.

Bei den Bellis ist die Sorte Erdbeersahne der absolute Verkaufsschlager. Eine Empfehlung des Gartenchefs ist zudem Goldlack, der bis in den Juni blüht und besonders Insektenfreundlich ist. „Da die Bienen im Frühling nach Nahrung suchen, sind ungefüllte Frühlingsblüher ideal“, sagt Beier. „Die Sorte ist nicht so wichtig, da es auf den Pollen der Staubgefäße ankommt.“

Das sind die Rechte von Mietern und Vermietern bei der Gartenpflege:

Mietverträge für Einfamilienhäuser regeln, ob der Garten nach eigenen Wünschen gestaltet werden darf. Festverwurzelte Pflanzen wie Bäume und Büsche gehen ins Eigentum des Vermieters über. Sie können bei Auszug weder mitgenommen werden, noch müssen sie dem Mieter abgekauft werden. Außer, es wurde im Mietvertrag eine entsprechende Regelung vereinbart.

Ähnlich konsequent urteilt die Rechtsprechung bei baulichen Veränderungen. Mieter müssen Gartenhäuser, Pavillons, Kompostplätze und Gartenteiche auf eigene Kosten zurückbauen, sollten sie mit dem Vermieter nicht abgesprochen sein (§ 546 BGB). Mieter sind verpflichtet, Gartenarbeit zu erledigen. Wann der Rasen gemäht oder Unkraut gejätet wird, darf nicht vorgeschrieben werden. Nur wenn der Garten vollkommen verwahrlost ist, kann der Vermieter eine Gartenbaufirma beauftragen und dem Mieter sogar fristlos kündigen. Die Kosten dafür muss in diesem Fall der Mieter übernehmen.

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