Prozess

Dreieinhalb Jahre Jugendstrafe für Reinbeker Drogendealer

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Der 21 Jahre alte Hauptangeklagte mit seinem Verteidiger Cornelius Diedrich.

Der 21 Jahre alte Hauptangeklagte mit seinem Verteidiger Cornelius Diedrich.

Foto: Ha

Landgericht Lübeck verurteilt Bandenchef wegen Erpressung und Betäubungsmittelhandel. Opfer berichteten von Psychoterror.

Reinbek/Lübeck.  Körperverletzung, räuberische Erpressung, Diebstahl, Handel mit Betäubungsmitteln und Raub in 14 Fällen – die Große Strafkammer des Landgerichts Lübeck hat den 21 Jahre alten Pjotr V. (Name geändert) wegen diverser Delikte zu einer Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. „Sie haben regelrecht eine Schneise durch das Strafgesetzbuch geschlagen“, sagte Staatsanwalt Kai Bergfeld. In neun weiteren Fällen wurde V. freigesprochen.

Zeugen hatten von Schutzgelderpressung berichtet

Die Anklagebehörde wirft dem Wentorfer vor, gemeinsam mit drei weiteren Männern aus Reinbek, Aumühle und Hamburg im Alter von 22, 24 und 27 Jahren versucht zu haben, den Drogenmarkt in Reinbek zu übernehmen. Die Bande habe lokale Kleindealer erpresst, für sie Marihuana zu verkaufen. Zwei Mitglieder der Gruppe hatte die Kammer freigesprochen, weil das Gericht nicht nachweisen konnte, dass sie mit Betäubungsmitteln gehandelt haben. Ein drittes verurteilte das Gericht zu einer Geldstrafe von 1200 Euro. Das Urteil gegen den Hauptangeklagten und mutmaßlichen Kopf der Bande stand noch aus.

Zeugen hatten an den vergangenen sieben Prozesstagen von Schutzgelderpressung berichtet. Wer sich geweigert habe, Marihuana zu verkaufen, oder wem das nicht innerhalb einer Frist gelang, sei von Pjotr V. verprügelt worden. Immer wieder habe der 21-Jährige versucht, seine Opfer per Telefon zu kontaktieren oder sie zu Hause aufgesucht. Wer nicht erreichbar war, sei gewaltsam bestraft worden. Ein Opfer sprach von „Psychoterror“, mehrere wurden von Polizeibeamten ins Gerichtsgebäude begleitet, weil sie Angst vor Vergeltung hatten, die V. ihnen angedroht hatte.

Gutachter empfahl Verurteilung nach Jugendstrafrecht

Zunächst hatte V. zu den Vorwürfen geschwiegen, am vergangenen Verhandlungstag hatte sein Verteidiger Mathias Huse eine Erklärung seines Mandanten mit einem Teilgeständnis verlesen. Der 21-Jährige bestritt aber, die Dealer erpresst zu haben. „Sie hatten Schulden bei mir, und erst als sie trotz mehrfacher Aufforderung nicht gezahlt haben, ist es eskaliert“, hieß es darin. Dieser Darstellung glaubten Staatsanwalt und Kammer nicht. „Die Zeugen haben den Angeklagten übereinstimmend als Person beschrieben, die sofort zuschlägt, wenn er nicht bekommt, was er will“, so Staatsanwalt Bergfeld. Opfer hätten das Bild einer „Terrorherrschaft“ gezeichnet.

Ein Gutachter des Jugendamtes hatte empfohlen, V., der im Tatzeitraum von 2017 bis 2019 jünger als 21 Jahre war, nach Jugendstrafrecht zu verurteilen. Allerdings stellte das Gericht eine „schädliche Neigung“ bei V. fest, geht also davon aus, dass der Wentorfer mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut straffällig wird. Damit ist trotz Verurteilung nach Jugendstrafrecht keine Bewährung möglich. „Sie haben sich gezielt Opfer ausgesucht, die körperlich und psychisch schwächer waren und sich nicht wehren konnten“, sagte die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz in der Urteilsbegründung. Die Verteidigung hatte die Glaubwürdigkeit der Zeugen angezweifelt, weil viele selbst in die Drogengeschäfte verwickelt seien und eine Bewährungsstrafe gefordert.

( HA )

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