Pandemie

Erster Stormarner stirbt an Corona: Testzentrum eröffnet

Sanitäterin Christiane Feddern demonstriert mit Student Torben Steiner, wie eine Probe in Ahrensburg entnommen wird (gestellte Szene).

Sanitäterin Christiane Feddern demonstriert mit Student Torben Steiner, wie eine Probe in Ahrensburg entnommen wird (gestellte Szene).

Foto: Janina Dietrich

Zahl der Covid-19-Fälle im Kreis steigt auf 147. In neuer Drive-in-Station in Ahrensburg sind bis zu 250 Abstriche pro Tag möglich.

Ahrensburg. „Achtung“ steht in großen Buchstaben auf einem Zettel vor der Drive-in-Teststation. Und darunter: „Fenster und Türen geschlossen halten und erst nach Aufforderung öffnen. Bleiben Sie in Ihrem Fahrzeug!“ Sanitäterin Christiane Feddern ist komplett in weiße Schutzkleidung gehüllt. Per Handbewegung gibt sie einem Autofahrer zu verstehen, dass er jetzt in das Zelt hineinfahren kann. Sie steht hinter einer Holzkonstruktion mit Plexiglas, lässt sich durch die geschlossene Autoscheibe eine Identifikationsnummer zeigen. Erst dann darf das Fenster geöffnet werden, mit einem Stäbchen entnimmt die Expertin einen Rachenabstrich. Innerhalb weniger Sekunden ist alles vorbei, der Patient darf weiterfahren.

Zahl der Coronainfizierten steigt immer weiter an

Seit Dienstag ist das erste Testzentrum für den Coronavirus im Kreis Stormarn in Betrieb. Auf einer ungenutzten Straße im neuen Gewerbegebiet Beimoor-Süd können Sven Beutel, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes, und sein Team bis zu 250 Abstriche pro Tag vornehmen. „Wir haben das Zentrum eingerichtet, weil wir damit rechnen, bald mehr Testkapazitäten zu benötigen“, sagt Andreas Rehberg, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Gefahrenabwehr beim Kreis. „Zudem wollen wir die Hausärzte entlasten, die teilweise keine Schutzausrüstung und nicht genügend Teströhrchen haben.“

Denn die Zahl der Coronainfizierten steigt immer weiter an. Seit Beginn der Epidemie haben sich 147 Stormarner mit dem Virus angesteckt. Ein Erkrankter ist gestorben. „Es handelt sich um einen Mann der Altersgruppe über 70“, sagt Kreissprecher Michael Drenckhahn. 16 Patienten befinden sich in stationärer Behandlung. Einer muss auf der Intensivstation des Reinbeker Krankenhauses St. Adolf-Stift beatmet werden.

Überwachung des Geländes kostet 24.000 Euro pro Monat

Im neuen Drive-in-Testzentrum in Ahrensburg wird parallel in zwei großen Zelten des Technischen Hilfswerks gearbeitet. Getestet werden dort nur Menschen, die vorher einen Termin erhalten haben. Wer den Verdacht hat, sich mit dem Virus infiziert zu haben, muss sich weiterhin telefonisch an den Hausarzt wenden oder außerhalb der Sprechstunde an die Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung unter der Nummer 116 117. Dort wird entschieden, ob ein Test vorgenommen werden soll. Anschließend übermittelt die Kassenärztliche Vereinigung eine Überweisung an das Testzentrum, dessen Mitarbeiter melden sich dann zwecks Terminabsprache.

Das Testgelände ist mit einem Bauzaun abgesperrt und wird rund um die Uhr von einem privaten Sicherheitsdienst überwacht. Allein das koste den Kreis rund 24.000 Euro im Monat, sagt Rehberg. Hinzu kämen die Kosten für den Bauzaun und die Entschädigung der ehrenamtlichen Helfer. Die Abstriche werden von Sanitätern des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), des Malteser Hilfsdienstes und des Deutschen Roten Kreuzes vorgenommen. Pro Schicht sind sechs Helfer im Einsatz, jeweils zwei kümmern sich in den Zelten um die Abstriche, zwei weitere stehen für medizinische Notfälle bereit. Die Sanitäter werden laut Sven Beutel mit der „medizinisch vorgeschriebenen Ausrüstung“ vor einer Ansteckung geschützt, tragen Kittel, Handschuhe, Mundschutz und bei Bedarf auch eine Schutzbrille.

Tests werden montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr vorgenommen

Generell solle das Ansteckungsrisiko durch einen vorgeschriebenen Ablauf so gering wie möglich gehalten werden. Die Testpersonen fahren im Auto auf das Gelände, müssen am Eingang zunächst Personalausweis, Gesundheitskarte und eine Identifikationsnummer vorlegen. Letztere erhalten sie zuvor von der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Patienten sollen ihr Auto im Testzentrum nicht verlassen und auch das Fenster nur kurz auf Anweisung für den Abstrich öffnen.

Die Tests werden montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr vorgenommen, zunächst ist laut Rehberg ein vierwöchiger Betrieb geplant. Die Probe wird aus dem Rachen entnommen. Das könne ein wenig unangenehm sein, sagt Rettungssanitäter Wilko Hackenberg. „Da die Viren meist tief in den Atemwegen hängen, müssen wir für den Abstrich auch tief in den Rachen hineingehen.“ Priorität haben Einsatzkräfte, etwa von Polizei und Rettungsdienst, „damit diese schnellstmöglich wieder arbeiten können“, wie Sven Beutel sagt. Bei dieser Personengruppe liege das Laborergebnis in der Regel nach 24 Stunden vor, bei normalen Testpersonen dauere es 48 Stunden.

Die Kosten für den Abstrich übernimmt die Krankenkasse

„Das Ergebnis wird dem überweisenden Hausarzt durch das Labor mitgeteilt“, sagt Drenckhahn. „Das Testzentrum erhält davon keine Erkenntnisse.“ Bei positivem Befund wird zudem das Gesundheitsamt informiert. Die Kosten für den Abstrich übernimmt die Krankenkasse. In Ahrensburg sollen vor allem Patienten aus Stormarn kontrolliert werden. „Es kann sein, dass uns die Kassenärztliche Vereinigung auch Menschen aus dem nahen Umland zuweist“, sagt Rehberg. „Aber es soll hier kein Gesundheitstourismus entstehen.“