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Wie Stormarner anderen durch die Coronakrise helfen

| Lesedauer: 6 Minuten
Melissa Jahn
Im Bargteheider Familienzentrum koordinieren Jonas Kröning und Sabine Wiechern Hilfsangebote und -gesuche von Privatpersonen und Firmen. 

Im Bargteheider Familienzentrum koordinieren Jonas Kröning und Sabine Wiechern Hilfsangebote und -gesuche von Privatpersonen und Firmen. 

Foto: Melissa Jahn

Ehrenamtler übernehmen Einkäufe und Botengänge oder basteln Geschenke für Senioren. Das Abendblatt stellt einige der Aktionen vor.

Bargteheide. In der Coronakrise wollen viele Stormarner ältere Menschen oder Risikopatienten unterstützen, die nicht mehr aus dem Haus gehen und jetzt auf Hilfe beim Einkaufen oder bei anderen Besorgungen angewiesen sind. Das zeigen diverse Hilfsaktionen, die derzeit in vielen Kommunen des Kreises starten. Fast stündlich erreichen die Redaktion neue Angebote von Ehrenamtlichen, Institutionen, Städten und Gemeinden. Das Abendblatt hat eine Übersicht mit wichtigen Kontaktinformationen zusammengestellt. Auch Geschäftsleute sind aufgerufen, sich an Aktionen zu beteiligen.

Gemeinde Trittau hat ein Bürgertelefon geschaltet

„Seit ich erfahren habe, dass unsere Oma ihr Zimmer in einem Pflegeheim in Niedersachsen nicht mehr verlassen darf, habe ich mir Gedanken gemacht, wie älteren Menschen geholfen werden kann“, sagt Wiebke Smercek aus Bargteheide. „Gemeinsam mit vielen Stormarnern möchte ich unseren Senioren neue Hoffnung und Lebensfreude zu Ostern schenken. Wir wollen ihnen zeigen, dass sie zwar isoliert, aber nicht vergessen sind.“ Zusammen mit ihren Kindern hat die zweifache Mutter Kartons bemalt und diese in Bargteheide bei Budni, der Bio-Oase und vor ihrem Zuhause (Lohe 39) aufgestellt. Diese können bis zum 6. April mit gemalten und gebastelten Kleinigkeiten gefüllt werden. „Die Mitarbeiter der Pflegeheime sind einverstanden und die Resonanz in den sozialen Netzwerken ist positiv“, sagt Smercek. „Jetzt hoffe ich auf reichlich Zuspruch, und dass viele Menschen etwas Hübsches beisteuern, das ich den Heimen gesammelt überreichen kann.“

Auch anderen Gemeinden im Kreis Stormarn haben Ideen entwickelt, wie Hilfe unbürokratisch funktionieren kann. Unter dem Schlagwort „trittauhältzusammen“ hat die Kommune ein Bürgertelefon geschaltet, um gegenseitige Unterstützung in Trittau zu vermitteln. Es gehe darum, in der Coronakrise solidarisch zusammenzuhalten und sich zu unterstützen, sagt Bürgermeister Oliver Mesch. Er appelliert: „Scheuen Sie sich nicht, Nachbarn oder Bekannte anzusprechen, wenn Sie Hilfe benötigen. Für die meisten von uns ist es selbstverständlich, ihre Mitmenschen in so einer Situation zu unterstützen und füreinander da zu sein.“ Wer Unterstützung benötigt oder anderen Menschen helfen möchte, kann sich werktags von 9 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 04154/807 97 60 melden, ebenso per E-Mail an trittau.hilft@trittau.de.

19 Helfer auch in Timmerhorn und Klein Hansdorf

Die Koordination der Hilfsangebote in Bargteheide, den umliegenden Kommunen des Amtes Bargteheide Land und der Evangelischen Kirche hat das Familienzentrum übernommen. Es hat unter der Nummer 04532/50 25 15 eine zentrale Hotline für Nachbarschaftshilfe eingerichtet. Sabine Wiechern, die die Einsätze koordiniert, bekommt dabei Hilfe von Erzieher Jonas Kröning. Er sagt: „Die Krippe ist bis auf die Notbetreuung geschlossen. Jetzt helfe ich als Bürokraft aus, um einen sinnvollen Beitrag zu leisten.“ 30 Helfer haben sich bisher gemeldet, um bei Botengängen, Einkäufen oder Gassirunden einzuspringen. Doch damit nicht genug: Neben ehrenamtlichen Helfern möchte das Familienzentrum künftig auch Betriebe in und um Bargteheide ansprechen, dort personelle Kapazitäten und Waren anfragen, die in naher Zukunft gebraucht werden könnten. Es gehe um eine heiße Suppe für Feuerwehrmänner nach einem langen Einsatz, einen Bäcker, der eine Versorgungsstation für Helfer mit Backwaren unterstützen könnte oder eine mögliche Notfallbetreuung für Kinder, erläutert Wiechern. „Wir wollen in der Stadt Plakate aufhängen und damit Gewerbetreibende ansprechen. Jetzt gilt es, Hilfsstrukturen aufzubauen, bevor wir sie tatsächlich benötigen.“

19 Helfer haben sich auch in Timmerhorn und Klein Hansdorf gemeldet. Steffi Pranke, Gabriele Bruns und Anja Samson haben dort eine Bürgerinitiative gegründet. Zusätzlich bringen sich viele Helfer mit besonderen Angeboten ein. Biogemüse könne vom Kattendorfer Hof geliefert, auch Desinfektionsmittel und Handschuhe könnten vor Ort beschafft werden. Gabriele Bruns sagt: „Ich bin stolz auf unsere Truppe und darauf, dass es so gut anläuft.“

Handballer aus Glinde und Reinbek helfen bei Einkäufen

„Wer wegen gesundheitlicher Einschränkungen nicht unter Leute gehen möchte, kann sich gern bei uns melden. Wir holen den Einkaufszettel von zu Hause ab und bringen anschließend die Sachen persönlich vorbei.“ Sie erreichen die Helfer unter den Telefonnummern 04532/31 19, 04532/219 85 und 04532/74 12. Das Peter-Rantzau-Haus in Ahrensburg ist derzeit zwar geschlossen, die Mitarbeiter sind aber trotzdem aktiv. Damit wegen des Coronavirus nicht alle sozialen Kontakte wegbrechen, hat der Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Jürgen Eckert, nach neuen Möglichkeiten gesucht, um alte und bedürftige Menschen weiterhin unterstützen zu können.

Eckert sagt: „Wir wollen den Leuten klar machen, dass wir sie trotz allem nicht vergessen. Viele junge Menschen haben uns ihre Unterstützung zugesichert, unter anderem aus den Sportvereinen der Stadt. Sie gehören nicht zur Risikogruppe und können leichter helfen als unsere Ehrenamtler.“ Nun gehe es darum, logistische Strukturen aufzubauen. Dann kann die Hilfe beginnen. Informationen gibt es unter der Telefonnummer 04102/21 15 15.

In den Städten Reinbek und Glinde starten die Handballabteilungen des Turn- und Sportvereins das Projekt „Handballer helfen“. Ansprechpartner ist dort Jugendkoordinator Axel Timmermann, erreichbar unter Telefon 01517/505 48 94. „Zurzeit erledige ich das Einkaufen noch allein“, sagt Timmermann. „Wenn weitere Anfragen dazukommen, kann ich auf mein Team zählen. Vieles läuft hier aber bereits über unbürokratische Nachbarschaftshilfe.“

Weitere Hilfsangebote im Kreis Stormarn:

Wer Hilfe benötigt oder andere Menschen in der Krise unterstützen möchte, kann sich auch an folgende Kontaktadressen wenden:

Reinbek: Kirchengemeinde Reinbek-Mitte, Pastor Ralf Meyer-Hansen, 040/73 09 39 96, pastor.meyerhansen@reinbek-mitte.de; Kirchengemeinde Gethsemane, Pastor Stephan Ritthaler 040/710 22 98, ritt-haler@kg-gethsemane.de

Delingsdorf: Nicole Burmeister: 01525/606 45 73, Rebecca Knaffel (nach 14 Uhr): 0173/620 61 01, Britta Kohl-Boas unter 0172/ 432 59 63

Großhansdorf: Gemeinde, 04102/69 41 51 info@grosshansdorf.de; Facebook-Gruppe „Corona Hilfe Großhansdorf“; Ev.-luth. Kirchengemeinde unter Tel. 04102/628 21; Hotline Nachbarschaftshilfe: 0800/866 55 44; Pfadfinder Stamm Waldreiter unter Tel. 0157/85 91 28 25, stafue@waldreiter.org

Ammersbek: Bürgerverein, Tel. 04532/236 26 oder 01520/445 88 35, info@ammersbeker-buergerverein.de

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