Stormarn
Moment Mal

Ansichtssache: Wie Klopapier zum Wertpapier wird

Der Autor ist Redakteur bei der Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn.

Der Autor ist Redakteur bei der Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn.

Foto: Ralph-Andre Klingel-Domdey

Nichts ist derzeit so begehrt wie Toilettenpapier. Es hat sogar das Zeug zur neuen Währung, meint der Autor.

Was für ein Scheißspiel! Seit einer Woche verliere ich eine Wette nach der anderen. Vor jedem Einkauf behaupte ich: Heute gibt’s Klopapier! Logisch! Wir sind schließlich in Deutschland. Nirgendwo auf der Welt habe ich jemals so viele verschiedene Sorten gesehen. Drei- und vierlagig. Stinknormal und extra weich. Trocken und feucht. Profan und parfümiert. Blütenweiß und bedruckt. Als Zweier-, Achter- und Zehnerpack.

Die Not macht offenbar kreativ

Doch dann komme ich in den Supermarkt und sehe – nichts! Auf zehn langen Metern gähnende Leere. Keine einzige Rolle weit und breit. Wie beschissen ist das denn? Und vor allem – warum? Jemand hat dazu einen skurrilen Vergleich ersonnen. Deutschland 2019: Die reichsten zehn Prozent besitzen mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens. Deutschland 2020: Die dümmsten zehn Prozent besitzen mehr als die Hälfte des gesamten Klopapiers. Aber kann es wahr sein, dass Leute kackfrech Klopapier horten und ihnen dabei völlig Wurscht ist, dass andere in den Orkus schauen?

Dabei macht die Not offenbar kreativ. Jedenfalls kursieren im Netz inzwischen Dutzende Beiträge zum Thema. Ein gewisser Mario Rosenau etwa hat einen flotten Klopapiersong komponiert. Eine junge Sportskanone nutzte die häusliche Quarantäne für einen Videodreh, in dem er auf Skiern erfolgreich von der Haustür über den Hof bis vor Nachbars Hecke fährt. Und was erhält er dafür? Nein, keinen Pokal und keine Pulle Schampus. Eine Rolle Klopapier!

Am visionärsten war indes ein Spaßvogel, der seinen Kaffee beim Bäcker mit einzelnen Blättern von einer Klopapierrolle bezahlt hat. Wird das Klo- am Ende tatsächlich noch zum Wertpapier, zur neuen Währung für Bückware?