Notbetreuung

Coronavirus – wie Stormarner Schulen die Krise meistern

| Lesedauer: 6 Minuten
Melissa Jahn und Filip Schwen
Dienstbesprechung an der Stormarnschule in Ahrensburg: Schulleiterin Michaela Witte (2. v. r.) mit Christine Feldkamp (v. l.) und Nadine Spiegelhoff vom Personalrat des Gymnasiums und ihrem Stellvertreter Lars Troche. 

Dienstbesprechung an der Stormarnschule in Ahrensburg: Schulleiterin Michaela Witte (2. v. r.) mit Christine Feldkamp (v. l.) und Nadine Spiegelhoff vom Personalrat des Gymnasiums und ihrem Stellvertreter Lars Troche. 

Foto: Filip Schwen

Wenige Eltern nehmen Notbetreuung in Anspruch. Lehrer stellen Aufgaben ins Internet und beantworten Fragen per Chat.

Ahrensburg.  An Stormarns Schulen herrscht Ausnahmezustand: Wegen der Corona-Pandemie bleiben die 67 Grund- und Gemeinschaftsschulen, Förderzentren, Gymnasien und Berufsschulen im Kreis seit Montag geschlossen. Für rund 31.000 Jungen und Mädchen gibt es bis zum Beginn der Osterferien am Sonnabend, 28. März, keinen Unterricht. An vielen Bildungseinrichtungen weist ein Schild darauf hin, dass der Schulbetrieb vorerst ausgesetzt ist. Auch die Kindertagesstätten bleiben zu.

Internetplattform ermöglicht Austausch von Lernmedien

Bis einschließlich Mittwoch ist eine Notbetreuung für Kita-Kinder und Schüler der ersten bis sechsten Klasse geplant. Die stellt die Lehrer an Stormarner Bildungseinrichtungen vor immense organisatorische Herausforderungen: Sie müssen die Unterrichtsinhalte so aufbereiten, dass die Schüler die Aufgaben digital von zu Hause erledigen können.

„Die Kollegen sind dazu aufgerufen, den Schülern Material über iServ zur Verfügung zu stellen“, sagt Michaela Witte, Leiterin der Stormarnschule in Ahrensburg. Die Internetplattform, die auch von vielen anderen Stormarner Schulen bereits seit einiger Zeit genutzt wird, ermöglicht den Austausch von Lernmedien sowie einen Chat mit Mitschülern und Lehrern.

Ahrensburger Gymnasium rief zur Krisenbesprechung auf

Witte betont: „Auch wenn sich viele Schüler erst einmal über die längeren Ferien freuen, gibt es einige, die es verunsichert, nichts für die Schule tun zu können.“ Das Kollegium sei daher bemüht, den Mädchen und Jungen, die gern Leistung erbringen wollten, diese Möglichkeit auch von zu Hause zu geben. Witte: „Zum Beispiel können bearbeitete Aufgaben über iServ oder per E-Mail abgegeben werden, und es gibt dann auch eine Rückmeldung.“

Am Montagmorgen hatte Witte das Kollegium des Ahrensburger Gymnasiums zur Krisenbesprechung zusammengerufen, außerdem steht die Schulleiterin in ständigem Kontakt mit dem Gesundheitsministerium in Kiel. Witte sagt: „Ich begrüße den sachlichen, ruhigen Umgang, den es zwischen Schulleitung, Eltern, Schülern, Lehrern und Behörden gibt.“

Kollegen erklären sich bereit, Notbetreuung zu übernehmen

Trotz der einmaligen Lage agierten alle Beteiligten besonnen, machten sich Gedanken, wie man die Situation am besten meistern könne. „Es gibt eine enorme Solidarität im Kollegium“, so Witte. Zahlreiche Kollegen hätten sich freiwillig bereit erklärt, die Notbetreuung zu übernehmen. Zehn Lehrkräfte waren am Montag vor Ort, alle anderen hat Witte ins Homeoffice geschickt, sie stehen auf digitalem Wege für Schülerfragen zur Verfügung.

Bis einschließlich Mittwoch werden die Schüler der ersten bis sechsten Klasse auf Anweisung des Bildungsministeriums in Kiel in den Schulen betreut, sofern beide Eltern oder ein alleinerziehendes Elternteil in einem Bereich arbeiten, der für die Aufrechterhaltung der wichtigen Infrastrukturen notwendig ist und keine Alternativbetreuung durch Verwandte oder Freunde möglich ist. Zu diesen besonders sensiblen Tätigkeitsfeldern zählen Kliniken, Pflege, Unternehmen für Arzneiprodukte, Energie-, Wasser- und Lebensmittelversorgung, Justiz, Polizei, Feuerwehr, Kindergärten und Schulen. „Bei uns hat niemand die Betreuung in Anspruch genommen, ich rechne damit, dass das in den nächsten Tagen so bleibt“, sagt Michaela Witte. Sie habe den Eindruck, dass es enge private Netzwerke gebe, auf die berufstätige Eltern zurückgriffen.

Nur 100 Kinder wurden am Montag in Schulen betreut

Auch in der Grundschule Am Aalfang in Ahrensburg wurden am Montag keine Kinder betreut. Schulleiter Roman Tietze sagt: „Die meisten Kollegen arbeiten im Homeoffice, nur eine Bereitschaftbesetzung ist im Haus.“ Diese nutze die Zeit, „um abzuarbeiten, was sonst lange liegenbleibt“. Auch mit dem Aufräumen der Klassenräume für den Großputz in den Osterferien habe man begonnen.

Per E-Mail haben die Lehrer der Grundschule Aufgaben an die Eltern der Jungen und Mädchen versandt. Tietze: „Wir setzen auch kurze Videosequenzen mit Erklärungen zu den Aufgaben ein, die Kollegen aufzeichnen.“ Derzeit konzentrierten sich die Lehrkräfte schwerpunktmäßig auf die Hauptfächer Mathematik und Deutsch. Tietze lobt: „Die Eltern reagieren überwiegend sehr besonnen, es gab wenige Anfragen.“

Alle Lehrer in der Grundschule seien anwesend

In der Grundschule Alte Alster in Bargfeld-Stegen sei „eine Handvoll Kinder“ zur Notfallbetreuung erschienen. Eine genaue Zahl wollte Schulleiterin Anja Bück nicht nennen. Sie sei überrascht gewesen, dass überhaupt Kinder gekommen seien. Probleme mit der Betreuung gebe es jedoch nicht.

Weiterhin seien alle Lehrer in der Grundschule anwesend. „Einzig gefährdete Personen oder Kollegen mit Kindern unter 14 Jahren sind von der Dienstpflicht befreit“, sagt Bück. „Die restlichen Kollegen müssen sich neu organisieren und Lernmaterial für die Kinder vorbereiten, das per Mail verschickt wird.“ Die Schulleiterin wisse über die Problematik, die sich für die Eltern aus der fehlenden Betreuung ergebe. Doch bisher hätten alle verständnisvoll auf diese reagiert. Neben abgesagten Klassenreisen und der Frage, wie es nach der Notfallbetreuung weitergehen soll, treibt Bück jedoch eine ganz andere Sorge um: Noch in diesem Sommer soll die Schule einen Anbau bekommen, um Platz für neue Erstklässler zu generieren. Bereits in den Osterferien soll es losgehen, nun wurde die Ortsbesichtigung für die weitere Planung abgesagt. „Wir hoffen, den Zeitplan bis August dennoch einhalten zu können“, so Bück.

Bildungsministerium in Kiel trifft Entscheidungen

Insgesamt rund 100 Schüler erschienen laut Schulamt am Montag zur Notbetreuung in einer Schule. „Dies zeigt die gute Organisation der Eltern“, sagt Stormarns Schulrat Michael Rebling. Er sei überrascht, dass das Angebot nicht stärker in Anspruch genommen werde.

„Die geringe Zahl zeugt vom Verantwortungsbewusstsein der Eltern“, sagt Rebling. „Besser wir handeln jetzt, als zögerlich einen nach dem anderen anstecken zu lassen.“ Ob die Betreuung auch in den kommenden Tagen aufrechterhalten bleibt, steht noch nicht fest. Die Entscheidung trifft das Bildungsministerium in Kiel.

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