Coronavirus

Für viele Stormarner Familien steht der Alltag Kopf

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Coronaferien als Herausforderung: Tobias Neumann-Overholthaus betreut Clara (7) und Anna (3), während Mutter Nadine bei der Arbeit ist.

Coronaferien als Herausforderung: Tobias Neumann-Overholthaus betreut Clara (7) und Anna (3), während Mutter Nadine bei der Arbeit ist.

Foto: Melissa Jahn

Eltern müssen Betreuung ihrer Kinder vollkommen neu organisieren. Auch Oma und Opa fallen aus. Ein Hausbesuch.

Bargteheide. Jeder Wochentag ist bei der vierköpfigen Familie Neumann-Overholthaus üblicherweise klar durchstrukturiert. Die Kinder Anna (3) und Clara (7) sind bis 16 und 17 Uhr nachmittags in Kita und Grundschule. Die Eltern Tobias (41) und Nadine (40) arbeiten. Doch seit Montag ist nichts mehr so wie immer. Denn der 16. März markiert für Zehntausende Eltern in Stormarn einen Einschnitt. Die Bargteheider Familie berichtet, wie sie mit den unfreiwilligen Corona-Ferien umgeht und das Chaos rund um die Kinderbetreuung regelt.

Die Familie kann die Betreuung nur gemeinsam managen

Tobias Neumann-Overholthaus sagt, dass er mit der Entscheidung vom Land gerechnet hatte, alle Kindergärten und Schulen zu schließen. Die Familie habe sogar gehofft, dass dieser Entschluss schon etwas früher gefallen wäre. Trotzdem musste sie einen Notfallplan aufstellen. Sofort war klar, dass Mutter Nadine am Montag allein nach Hamburg zur Arbeit fahren werde. Da sie bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGB) noch in der Probezeit ist, kann sie derzeit keinen Urlaub einreichen. Vater Tobias, der als Geschäftsführer eines Ingenieurbüros in der maritimen Branche arbeitet, arbeitet jetzt von zu Hause aus.

„Zum Glück haben wir unsere Abläufe im Voraus so strukturiert, dass jeder Mitarbeiter jederzeit und an jedem Ort auf die Daten zugreifen kann“, sagt der Familienvater. „Das kommt uns jetzt zugute.“ Ohne die Corona-Pandemie hätte er beruflich nach Japan fliegen müssen, doch das Vorhaben vor einer Woche gestrichen. Ein Vorteil für die Familie, die die Betreuung nur gemeinsam managen kann.

Künftig kann auch Nadine Neumann-Overholthaus im Homeoffice arbeiten. Sie will dann nur tageweise für den Notdienst ins Büro fahren. „Zu Hause haben wir den Tag in eine Vormittags- und Nachmittagsschicht eingeteilt, um uns mit der Kinderbetreuung abzuwechseln“, sagt der Vater. „Vor allem Führungskräften mit kleinen Kindern muss jedoch klar sein, dass die Arbeit nicht so effektiv läuft wie zuvor. Von 9 bis um 12 Uhr am Stück zu arbeiten ist unrealistisch.“

Drei befreundete Familien haben sich zusammengetan

Wenn die Kinder mal krank waren, sprangen bisher oft die Großeltern ein, die in der Nähe wohnen. Doch auch diese Betreuungsmöglichkeit ist nun nicht mehr gegeben. Das Robert-Koch-Institut appelliert eindringlich, Kinder nicht mehr von älteren Menschen betreuen zu lassen, da diese zur Risikogruppe gehören. Für Tobias Neumann-Overholthaus ist die Einhaltung dieser Vorgabe selbstverständlich. Er sagt: „Ob Feier zum 75. Geburtstag oder ein kurzer Besuch in den Ferien – wir haben alles abgesagt, was die Großeltern in Gefahr bringen könnte.“

Generell befürworte er die Entscheidung, das gesellschaftliche Leben einzuschränken. Da er keine Hilfsmaßnahmen für Eltern erwartet habe, fühle er sich auch nicht mit der Situation allein gelassen. „Das Land soll sich lieber darum kümmern, dass die Grundversorgung weitergeht“, sagt der 41-Jährige. „Und um Hilfe für Menschen, die diese dringender benötigen.“

Es sei unrealistisch, Kinder lange zu isolieren

Die Bargteheider Familie hat ihren Notfallplan noch einmal erweitert. Um kurze berufliche Termine abfedern zu können, haben sich Nadine und Tobias Neumann-Overholthaus mit zwei befreundeten Familien zusammengetan. Auch sonst spielen die Kinder regelmäßig zusammen. Falls einer den Erreger in sich trage, hätten sich die anderen sowieso angesteckt, vermutet Neumann-Overholthaus.

Außerdem sei es unrealistisch, Kinder für einen so langen Zeitraum komplett zu isolieren. „Auf dem Land haben wir den Vorteil, die Kinder draußen im Garten spielen zu lassen.“

( mej )

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