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Ärger in Reinfeld: Fraktionen wollen Bürgermeister loswerden

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Heiko Gerstmann möchte am 17. Mai als Reinfelder Bürgermeister wiedergewählt werden.

Heiko Gerstmann möchte am 17. Mai als Reinfelder Bürgermeister wiedergewählt werden.

Foto: Birgit Schücking

CDU, Grüne und WIR machen Heiko Gerstmann für Haushaltssperre verantwortlich. Auch SPD ist gegen Wiederwahl des Sozialdemokraten.

Reinfelds Fraktionen sind sich einig: Bürgermeister Heiko Gerstmann soll den Chefposten im Rathaus nach der Wahl am 17. Mai räumen. Sie werfen Gerstmann, der seit 2014 Verwaltungschef in der Karpfenstadt ist, Inkompetenz und mangelnde Kompromissbereitschaft vor. Auch Gerstmanns eigene Partei, die SPD, unterstützt seine Wiederwahl nicht. Stattdessen haben sich die Sozialdemokraten mit CDU, Grünen und Wählergemeinschaft WIR verständigt, die Kandidatur des parteilosen Kämmerers des Amtes Nordstormarn, Roald Wramp, zu unterstützen.

Gerstmann sei im Mai 2019 informiert worden

„Die Erwartungen, die wir in Heiko Gerstmann gesetzt hatten, konnte er nicht erfüllen“, sagt SPD-Fraktionschef Rolf-Jürgen Hanf. Dem Verwaltungschef sei es nicht gelungen, eine Führungspersönlichkeit zu werden. Hanf attestiert dem Bau- und Wirtschaftsingenieur und früheren Stadtverordneten auch fehlende Fachkenntnisse: „Immer, wenn es in Ausschusssitzungen anspruchsvoller wurde, musste er an seine Mitarbeiter verweisen.“ Ausschlaggebend sei aber vor allem Gerstmanns Umgang mit der Reinfelder Haushaltskrise. Die Karpfenstadt hatte seit 2010 keinen Jahresabschluss vorgelegt, der Kreis verhängte eine Ausgabensperre. Grund ist die unter Gerstmanns Vorgänger Gerhard Horn erfolgte Umstellung der Buchführung von Kameralistik auf Doppik.

„Im Rathaus wurde, anders als zugesichert, offenbar nicht mit Hochdruck an der erforderlichen Eröffnungsbilanz gearbeitet“, kritisiert Hanf. Der SPD-Fraktionschef betont: „Wir haben Herrn Gerstmann gegenüber offen kommuniziert.“ Bei einer SPD-Versammlung im Mai 2019 habe man ihn informiert, dass die Fraktion eine Kandidatur nicht unterstützen werde.

Gerstmann: „Die Fraktionen suchen einen Sündenbock“

Kritik kommt auch von den anderen Fraktionen. „Wir haben zu oft gehört ,das geht nicht’, ohne dass der Bürgermeister pragmatische Vorschläge machte“, sagt der CDU-Stadtverordnete René Krolow. Reinfeld benötige einen Bürgermeister, „der die Mitarbeiter der Verwaltung stärkt und motiviert“.

Stephan Heinrich (WIR) sagt: „Herr Gerstmann spricht sich mit der Politik oft nicht ab.“ Auch er macht den Verwaltungschef für die schwierige finanzielle Situation verantwortlich: „Die Wurzel des Problems liegt in der Amtszeit seines Vorgängers, aber Herrn Gerstmann trifft einiges an Schuld, dass wir aus der Misere bisher nicht rausgekommen sind.“ Seine Partei habe auf einen eigenen Kandidaten verzichtet, weil ein Konsens-Vorschlag der vier Fraktionen die größte Chance habe, Gerstmann abzulösen.

Bürgermeister erbte Problem von seinem Vorgänger

„Ich schätze Heiko Gerstmann als Person sehr, aber ihm fehlt die Erfahrung, um eine Verwaltung mit 120 Mitarbeitern zu führen“, sagt Geert Karnick (Grüne). Seine Partei hatte Gerstmann 2014 unterstützt. „Sitzungsvorlagen waren oft unvollständig“, kritisiert Karnick. Auch er meint: „Hätten alle Parteien eigene Kandidaten nominiert, wäre die Chance auf einen Wechsel geringer.“ Heiko Gerstmann weist die Kritik als ungerecht zurück, sagt: „Die Politik sucht einen Sündenbock.“ Er sei überzeugt, dass ein anderer beim Haushalt nicht hätte mehr erreichen können. Gerstmann: „Ich sehe mich als Teil eines Teams, weiß, dass es Dinge gibt, die meine Mitarbeiter besser können.“ Seine Aufgabe als Verwaltungschef sehe er darin, das Know-how der Rathausmitarbeiter an den richtigen Stellen einzusetzen.

Gerstmann sagt: „Ich gestehe ein, dass wir bei der Haushaltssperre Zeit verloren haben.“ Das Problem habe er von seinem Vorgänger geerbt. „In der Kämmerei herrschte seit Jahren Personalmangel, weil es keine Bewerber auf ausgeschriebene Stellen gab.“ Erst seit Beginn dieses Jahres sei die Verwaltung personell so aufgestellt wie vorgesehen. „Ich möchte das Thema Haushalt zu Ende bringen“, begründet Gerstmann seine Kandidatur. „In meiner Amtszeit haben wir die Voraussetzungen dafür geschaffen“, sagt er und verweist darauf, dass die die Abschlüsse im vergangenen Jahr für die Jahre 2010 und 2011 nachgearbeitet wurden. Bis zum Herbst würden die Jahre 2012 bis 2014 folgen.

Fraktionen wollen Roald Wramp als Verwaltungschef

Die Fraktionen wollen allerdings, dass dann Roald Wramp den Chefposten im Rathaus übernimmt. Der 48-Jährige ist Kämmerer des Amtes Nordstormarn, war dort zuvor Bauamtsleiter. „Er ist ein Vollprofi mit 20 Jahren Verwaltungserfahrung“, sagt Geert Karnick. Lorenz Hartwig (CDU) sagt: „Wir trauen Roald Wramp zu, die Haushaltsblockade zu überwinden und erforderliche Bauvorhaben wie die Sanierung der Mathias-Claudius-Schule umzusetzen.“

Neben Gerstmann und Wramp kandidiert am 17. Mai auch die 40 Jahre alte Zollbeamtin Mary-Rose Wolgast (parteilos) für das Bürgermeisteramt.

( fsn )

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