Tarifkonflikt

Busfahrer streiken – viele Stormarner Kunden sind genervt

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Dennis Potherine (40) geht während des Streiks zu Fuß von Großhansdorf nach Ahrensburg.

Dennis Potherine (40) geht während des Streiks zu Fuß von Großhansdorf nach Ahrensburg.

Foto: Mary-Nell Hertel

Menschen steigen in Ahrensburg auf Taxis um oder gehen zu Fuß. Dienstag nächstes Treffen im Tarifkonflikt geplant.

Ahrensburg. Seit Mittwoch und bis Sonntag streikt das private Omnibusgewerbe in Schleswig-Holstein. Betroffen ist auch die Ahrensburger Busbetriebsgesellschaft (ABG). Zahlreiche Linien in Stormarn fallen aus. Viele Kunden sind genervt, beschwerten sich beim Abendblatt per E-Mail oder am Telefon.

Das Thema Klimaschutz ist Kunden wichtig

Verärgert ist zum Beispiel Ingrid Capic, die am Donnerstagvormittag in Ahrensburg unterwegs war. Die 83-Jährige sagt: „Ich hatte morgens einen Termin beim Arzt. Um dort hinzukommen, musste ich acht Euro für ein Taxi bezahlen.“ Mit dem Bus wäre es für sie wesentlich günstiger gewesen. Mehr Geld auszugeben, das ist für Dennis Potherine aus Großhansdorf keine Option. Der 40-Jährige sagt: „Zwischen Großhansdorf und Ahrensburg ist die Verbindung ohnehin nicht gut. Durch den Streik muss ich jetzt eine lange Strecke zu Fuß gehen.“ Friedericke Toebe ist zwar betroffen, hat aber auch Verständnis für die Busfahrer, die mehr Gehalt verlangen. Die 73-Jährige aus Großhansdorf: „Ich muss meinen Mann mit dem Auto zur nächsten U-Bahnstation fahren, damit er nach Hamburg kommt.“ Das Thema Klimaschutz sei ihr wichtig. „Mit Blick darauf soll es vermieden werden, Auto zu fahren. Durch den Ausfall der Busse hat man aber kaum eine andere Möglichkeit, als in das Auto zu steigen.“

Der 72 Jahre alte Manfred Elmers kann dem Streik viel Positives abgewinnen, sagt: „Ich finde das gut. Es ist das gute Recht von Busfahrern, angemessene Löhne einzufordern.“ Schlecht sei der Streik für die Kinder, die im Normalfall mit dem Bus in die Schule kämen. Einige von ihnen müssen jetzt mehr Zeit für den Fahrtweg einplanen

Nach Warnstreik ist keine weitere Aktion geplant

Bei der Ahrensburger Busbetriebsgesellschaft, eine Tochter der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH), sind 50 Personen beschäftigt, der Großteil von ihnen steuert die schweren Geräte, nur wenige Kräfte arbeiten in der Verwaltung. Ver.di fordert für die Busfahrer eine Stundenlohnerhöhung um zwei Euro rückwirkend zum 1. Januar. Laut der Dienstleistungsgewerkschaft liegt das Einstiegsgehalt derzeit bei 2562 Euro brutto im Monat, nach zwei Jahren steigt die Summe auf 2600 Euro. Zugleich ist damit die höchste Gehaltsstufe erreicht.

„Es gibt Nachtzuschläge ab 23 Uhr. Zulagen am Sonntag erhalten nur jene, die für Kollegen einspringen – wer im Dienstplan vorgesehen ist, dagegen nicht“, sagt Ver.di-Streikleiter Karl-Heinz Pliete. Im Tarifvertrag ist geregelt, dass Busfahrer bei privaten Unternehmen 39 Stunden in der Woche arbeiten und zwischen 25 und 31 Tagen im Jahr Urlaub haben – je nach Betriebszugehörigkeit. Nach dem fünftägigen Warnstreik ist vorerst keine weitere Aktion geplant. Ver.di und der Omnibus Verband Nord (OVN) einigten sich auf kommenden Dienstag als neuen Verhandlungstermin im festgefahrenen Tarifkonflikt. Das jüngste OVN-Angebot reicht der Gewerkschaft übrigens nicht aus. Es sieht eine Lohnerhöhung von 200 Euro in vier Stufen bei einer Laufzeit von 30 Monaten vor.

( hpma/suk )

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