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Wer im neuen Reinbeker Sozialkaufhaus arbeitet

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Alali Zainy lebt seit neun Jahren in Deutschland.

Alali Zainy lebt seit neun Jahren in Deutschland.

Foto: Ann-Kathrin Schweers

Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten in Geschäft und lernen so die deutsche Sprache. Verkauf läuft langsam an.

Reinbek. Alali Zainy räumt Bilder, Geschirr, Toaster und Wasserkocher in die Regale. Sie ist eine von aktuell 15 durch das Jobcenter vermittelten Mitarbeitern im neu eröffneten Sozialkaufhaus an der Bergstraße in Reinbek neben dem Rewe-Supermarkt.

Kommunikation läuft manchmal noch holprig

Der sogenannte „BrAWO-Point“ wird durch die Awo Bildung und Arbeit gemeinnützige GmbH, eine Tochter der Arbeiterwohlfahrt, betrieben und richtet sich speziell an Menschen mit Migrationshintergrund. Es sind Langzeitarbeitslose, die ursprünglich aus Eritrea, Ghana, Irak, Syrien, Russland und Kosovo kommen. Sie werden durch Sprachmittler und Coaches sowie durch ihre Anleiter in verschiedenen Werkstätten gefördert und fit gemacht für einen Job auf dem freien Markt. Aktuell ist nur ein deutscher Teilnehmer dabei.

Dementsprechend läuft die Kommunikation noch holprig. „Dadurch, dass sie fünf verschiedene Sprachen sprechen, sind sie gezwungen, untereinander Deutsch zu sprechen“, sagt Thorsten Ehlers, Leiter des Awo-Sozialkaufhauses in Bad Oldesloe. Gaithaa Sakaan aus Syrien schätzt das. „Es hilft mir, die Sprache schneller zu lernen.“ Nach wenigen Wochen ist jedoch schon deutlich spürbar, wie die Teilnehmer aus sich herauskommen, sich trauen, auch einmal mit Besuchern ins Gespräch zu kommen, sagt Kerstin Krause, die als Anleiterin im kreativen und im Haushaltsbereich arbeitet.

Denn da die Regale im Sozialkaufhaus sich immer reichlicher mit Hausrat, Büchern, Kinderspielzeug und Kleidung füllen, kommen auch schon die ersten Kunden, die stöbern und anprobieren.

Kleidung schon für wenige Cent zu kaufen

„Der Verkauf ist noch verhalten, es läuft langsam aber sicher an“, sagt Ehlers, der in Reinbek vorübergehend aushilft. Einkaufen können hier Menschen mit geringem Einkommen. „Viele wissen nicht, dass die Einkommensgrenzen so hoch sind“, so Ehlers. Einzelpersonen müssen nachweisen, dass ihr Nettoeinkommen 1200 Euro im Monat nicht überschreitet.

Ein Babystrampler kann hier schon für wenige Cent gekauft werden. „Letztens kam eine Jacke von Wellensteyn rein, die kostet mit 13 Euro etwas mehr“, sagte Kerstin Krause. „Textilien sind gefragt, sie gehen weg wie warme Semmeln“, berichtet Ramona Logemann, die das Kaufhaus leitet.

Telefonische Terminabsprachen möglich

Spenden sind also willkommen. Für die Holzwerkstatt sind auch Werkzeug und Elektrogeräte wie eine Stichsäge und Akkubohrer gefragt. Bücher laufen hier, wie auch in anderen Sozialkaufhäusern, eher schlecht, sagt die Bad Oldesloerin Ramona Logemann.

Am Freitag lud Susanne Hoffmann zwei Taschen voller Herrenschuhe ab, die dankend angenommen wurden. „Zuvor habe ich gut erhaltene Dinge immer im ehemaligen Kaufhaus an der Halskestraße abgegeben“, sagt die Reinbekerin. Sie handele im Sinne der Nachhaltigkeit. „Andere profitieren davon.“

Reinbeker, die gerne eine Spende dalassen möchten, aber Hilfe beim Transport benötigen, können sich beim Fahrdienst des Glinder Sozialkaufhauses melden. Terminabsprachen sind unter der Telefonnummer 040/63 91 23 24 möglich.

( aksc )

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