Musiker

Zwei Stormarner Bands, ein Traum – durchstarten!

Phillipp Ellerbrock (v. l.), Hanna Dreu, Maxi Nessmann, Max Wiechmann und Tristan Riedinger bilden die Band Days of Northern Lights.

Phillipp Ellerbrock (v. l.), Hanna Dreu, Maxi Nessmann, Max Wiechmann und Tristan Riedinger bilden die Band Days of Northern Lights.

Foto: Mary-Nell Hertel

Junge Musiker aus Ahrensburg und Bad Oldesloe hoffen, irgendwann von Musik leben zu können. Sie haben unterschiedliche Strategien.

Bad Oldesloe/Ahrensburg. Die einen machen das Tonstudio zu ihrem zweiten Zuhause, die anderen produzieren ihr Album in den eigenen vier Wänden: Zwei Newcomer-Bands aus Stormarn wollen auf unterschiedliche Weise erfolgreich werden. Nebenbei managen die jungen Musiker Studium oder Ausbildung, verdienen Geld mit Nebenjobs.

Aus ihrer Band machten sie eine Firma

„Der Traum eines jeden Musikers ist es, von der Musik leben zu können“, sagt Hanna Dreu (21), Sängerin der Band Days of Northern Lights (DoNL) aus Bad Oldesloe. Als sie die Gruppe vor vier Jahren mit Tristan Riedinger (21), Maxi Nessmann (23), Max Wiechmann (21) und Philipp Ellerbrock (21) gründete, gingen alle Fünf noch zur Schule. „Unser größter Wunsch war es, einmal Vorband von ‚Jeden Tag Silvester‘ zu sein, eine richtige Bekanntheit in Stormarn“, erinnert sich die Sängerin. Dieser Wunsch ging schneller als erwartet bereits im April 2016 in Erfüllung und wurde zum Sprungbrett für alle weiteren Auftritte.

Seit 2018 ist die Band für sie das wichtigste Projekt, Studium und Jobs stehen hintenan. Doch wie gelingt es einer noch unbekannten Band, Auftritte zu bekommen? „Ich versende Anfragen an die Veranstalter, stelle unser Konzept inklusive Gage vor und verlinke Hörproben“, sagt Drummer Max Wiechmann. „Vieles läuft auch über Mundpropaganda, dadurch wird die Nachfrage immer größer.“ Um ihre Ausrüstung und anderes zu finanzieren, machten sie aus der Band eine Firma, in die sie jeden Monat Geld investieren. Sie meldeten ihre Band als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) an. „Das bietet den Vorteil, dass Rechnungen korrekt gestellt werden können und wir Ausgaben wie den Proberaum oder Instrumente von der Steuer absetzen können“, sagt Wiechmann.

Days of Northern Lights arbeiten am ersten Album

Am Ende des Monats wird jedem Bandmitglied entweder ein bestimmter Betrag ausgezahlt oder das Geld in Projekte gesteckt. Um ihren Traum zu verwirklichen, versuchen die Fünf zurzeit, Nebenjobs, Band und Studium unter einen Hut zu bringen. „Es kommt nicht infrage, auf ein Studium zu verzichten“, sagt Hanna Dreu. „Aber wenn ich dafür länger brauche, weil ich mich um die Musik kümmere, ist das okay.“ Sie studiert Informatik, Tristan Riedinger und Maxi Nessmann Volkswirtschaftslehre.

Vor zwei Jahren produzierten Days of Northern Lights ihre erste Single, aktuell arbeiten sie an einem Album. Es soll Mitte des Jahres veröffentlicht werden. Die Musiker verbringen derzeit 30 bis 40 Stunden pro Woche mit Musikproduzent Peter Hoffmann im Studio. Hoffmann arbeitet unter anderem mit Sängerin LaFee und Tokio Hotel zusammen. Seit September 2019 unterstützt er die Nordlichter bei der Arbeit an deren Album. Ihr neues Werk drehe sich um „Eindrücke und Momentaufnahmen aus dem Leben Hannas“. Es geht um Herzschmerz und Alltagsgeschichten. „Wir sind sehr unterschiedlich. Das spiegelt sich auch in unserer Musik wieder“, sagt Pianist Tristan Riedinger. Die Songs seien zwar alle ähnlich, dennoch hätten sie jeweils einen individuellen Sound.

Auch LEY möchten einmal hauptberuflich Musik machen

Auch die Ahrensburger Moritz Ley (20), Finn Stetzka (21) und Emil Büchner (20) gründeten ihre Band LEY während der Schulzeit. Bereits vor ihrem Zusammenfinden im Frühjahr 2017 machten die Bandmitglieder Musik. Finn Stetzka und Emil Büchner spielten gemeinsam in einer Punkrockband, entschieden dann aber in ihrer Abiturphase, eine eigene Band zu gründen.

Sie kamen mit Gitarrenspieler und Sänger Moritz Ley, den sie aus Kindergartentagen kennen, zusammen. Der 20-Jährige hatte schon eigene akustische Songs verfasst, die die Jungs mit Schlagzeug und Bass bereicherten. Mit diesen Songs gingen die Jungs dann erstmals auf die Bühne. Die Bandmitglieder sind sich einig: Auch sie wollen Musik einmal hauptberuflich machen. Noch, so sagen sie, könnten sie von den Einnahmen der Auftritte nicht leben. Sie nutzten das Geld nur für bandeigene Projekte und Produktionen. Bassist Finn Stetzka macht zurzeit eine Ausbildung zum Tischler. Seine Bandkollegen studieren, wollen zum Wintersemester auf das Fach Musik wechseln.

Die Songs handeln auch von der Sehnsucht nach Sommer

Ein Projekt hat LEY kürzlich vollendet: die Veröffentlichung ihres Albums „High &Dry“. Ihr erstes Werk hatten die Jungs damals im Tonstudio aufgenommen, diesmal machten sie es anders. „Wir hatten damals zu wenig Einfluss“, sagt Emil Büchner. Deshalb produzierte die Band ihr neues Album selbst, hat es Ende Januar veröffentlicht.

Dabei nutzten die drei Musiker ihr eigenes Equipment, bestehend aus Laptops, Mikrofonen und weiterer Technik, das sich in den Zimmern der Jungs stapelt. „Die Aufnahme kommt dann entweder im Proberaum zustande, oder jeder nimmt sein eigenes Instrument individuell auf. Aufs Zusammenspielen verzichten wir trotzdem nicht, da bauen wir uns auch mal einen Aufnahmeraum aus Matratzen“, sagen die Jungs und lachen.

Tour nach Album-Veröffentlichung geplant

Der Name ihres neuen Albums sei aus dem englischen Sprichwort „leaving someone high and dry“ entstanden. Übersetzt heißt das „jemanden im Regen stehen lassen“. Die Lieder handeln von Alltagsgeschichten, Trennungen sowie der Sehnsucht nach dem Sommer.

Trotz der unterschiedlichen Herangehensweisen sind sich beide Stormarner Newcomer-Bands einig: Sie wollen hauptsächlich mit Musik ihr Geld verdienen. Ihr nächstes Ziel haben Days of Northern Light schon im Visier. Sie wollen nach der Veröffentlichung ihres Albums eine kleine Tour machen. Unklar sei, ob das noch in diesem Jahr etwas werde. Die Jungs von LEY wollen zunächst weiterhin Musik produzieren und veröffentlichen, eine Tour könne wegen Studium und Ausbildung noch nicht geplant werden.