Firmenanfragen

Gewerbegebiete im Kreis Stormarn dringend gesucht

Jürgen Weingärtner (SPD, l.), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, mit WAS-Geschäftsführer Detlev Hinselmann im Bargteheider Ratssaal.

Jürgen Weingärtner (SPD, l.), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, mit WAS-Geschäftsführer Detlev Hinselmann im Bargteheider Ratssaal.

Foto: Janina Dietrich

Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft registriert 200 Firmenanfragen pro Jahr. Bargteheide und Kommunen loten Zusammenarbeit aus.

Bargteheide. Die Stadt Bargteheide und die umliegenden Gemeinden Todendorf, Lasbek, Steinburg, Tremsbüttel und Hammoor wollen bei der Entwicklung neuer Gewerbeflächen eine interkommunale Zusammenarbeit ausloten. Auf Initiative des Amtes Bargteheide-Land werden sie in moderierten Workshops darüber diskutieren, wie sich der verfügbare Raum östlich von Bargteheide bestmöglich gestalten lässt. Ziel ist es, gemeinsame Gewerbegebiete zu entwickeln, wie es sie in Stapelfeld/Braak und Stubbendorf/Reinfeld bereits gibt.

Freie Flächen in Bargteheide sind bereits reserviert

Denn die Nachfrage nach freien Flächen ist in Stormarn ungebrochen hoch. Rund 200 Anfragen von Unternehmen gehen jedes Jahr bei der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) ein. „Daraus entstehen 20 bis 25 Verträge“, sagt Geschäftsführer Detlev Hinselmann. „Es gab Zeiten, da haben Wirtschaftsförderer jeden Bewerber genommen. Heute gucken wir uns die Firmen sehr genau an, selektieren stark.“

Der Grund: Freie Flächen sind in vielen Orten Stormarns mittlerweile Mangelware. In Reinbek und Barsbüttel beispielsweise ist laut WAS nichts mehr zu bekommen. Auch in Bargteheide werde es nicht mehr lange dauern, bis das Gewerbegebiet Langenhorst restlos besetzt sei, wie Hinselmann am Donnerstagabend im Finanz- und Wirtschaftsausschuss sagte. Bargteheide ist einer von zwölf Gewerbestandorten der WAS in Stormarn. Im 159.000 Quadratmeter großen Areal Langenhorst seien nur noch 28.000 Quadratmeter nicht verkauft. Die Flächen seien aber schon reserviert. Hinselmann spricht von einer Anhandgabe, sagt: „Die Firmen haben etwa drei bis acht Monate Zeit, bestimmte Nachweise zu erbringen, zum Beispiel zu Wirtschaftskraft und Arbeitsplätzen.“ Er gehe davon aus, dass in zwei bis drei Jahren alle Flächen verkauft seien.

WAS verfüge über 35 Hektar unverkaufte Fläche in Stormarn

Der Geschäftsführer der WAS führt seinen Angaben zufolge bereits Gespräche mit Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht über ein neues Areal zwischen Aldi-Zentrallager und der Grenze zu Hammoor. Es handele sich um ein etwa drei Hektar großes Gebiet. „Das ist nicht besonders viel“, sagt er. Zumal sich die Fläche durch den Bau einer Umgehungsstraße in Hammoor verringern könnte. „Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr entwickelt zurzeit zwei Varianten“, sagt Hinselmann. „Bei der bevorzugten kurzen Trasse wird das Gewerbegebiet nicht tangiert.“ Die andere Variante sei aus Sicht der Wirtschaft ein „Worst-Case-Szenario“. „Dann könnten wir nicht die ganze Fläche nutzen“, sagt er.

Laut Bedarfsprognose werden in Stormarn jedes Jahr durchschnittlich 11,7 Hektar Platz für neue Firmenansiedlungen benötigt. Ausschussmitglied Norbert Siemer (CDU) möchte wissen, woher die Anfragen kommen. „Die meisten stammen aus den jeweiligen Orten selbst – von Unternehmen mit Wachstumsabsichten“, sagt Hinselmann. Das sei in Ahrensburg beim Gebiet Beimoor-Süd II so, aber auch in Bargteheide. Derzeit verfüge die WAS noch über 35 Hektar unverkaufte Flächen in Stormarn.

Start der Zusammenarbeit soll im Frühjahr erfolgen

Angesichts der Diskussion um die Ansiedlungspläne von Amazon und Asklepios in Bad Oldesloe will Ruth Kastner (Grüne) wissen, wie viele Logistikunternehmen in Bargteheide dabei seien. „Wir planen aktuell keine logistischen Ansiedlungen in Stormarn“, betont Hinselmann. „Dafür sind die Flächen zu klein.“

Start der interkommunalen Zusammenarbeit im Raum Bargteheide soll im Frühjahr sein. „Egal ob Lasbek, Todendorf, Steinburg oder Tremsbüttel – alle Dörfer wollen ihr Gemeindebudget durch Gewerbesteuereinnahmen aufbessern“, sagt Hinselmann. „Aber es ist völlig unrealistisch, dass überall Areale geplant werden und Firmen ansiedeln. Das muss dort passieren, wo es städtebaulich und landschaftlich sinnvoll ist und auch von der Erschließung her passt.“ Die Landesplanung werde es nicht genehmigen, wenn jedes Dorf ein eigenes Gewerbegebiet plane, so der WAS-Chef weiter.

Vielerorts habe Zusammenarbeit der Kommunen geklappt

Aus jeder Kommune sollen etwa drei Teilnehmer bei den Treffen dabei sein, darunter die haupt- beziehungsweise ehrenamtlichen Bürgermeister. Das Projekt wird vom Land gefördert. „Bis Spätsommer sollen Ergebnisse vorliegen.“

Die interkommunalen Gewerbegebiete in Stubbendorf/Reinfeld und Braak/Stapelfeld seien schon mehr als 20 Jahre alt. „Dort hat die Zusammenarbeit der Kommunen gut geklappt“, sagt Hinselmann. Im Herbst 2020 soll in Stapelfeld die Erschließung des länderübergreifenden Gewerbegebiets mit Hamburg beginnen, im Winter die Vermarktung.

WAS: Viele Bauern wollen ihr Land nicht verkaufen

Weitere geplante Gebiete seien der Autohof in Hammoor sowie Areale in Trittau, Barsbüttel und Reinbek. In Barsbüttel werde bereits seit zwölf Jahren daran gearbeitet, das Gebiet bei Möbel Höffner um 15 Hektar zu erweitern. Auch in Reinbek gehe es nur schleppend voran, sagt Hinselmann. „Seit drei Jahren haben wir dort wegen fehlender Flächen keine neuen Verträge mehr mit Firmen abgeschlossen." Die Folge: Betriebe wanderten ab, weil sie nicht erweitern könnten. „Das ist schlecht für eine Stadt, die auf Gewerbesteuereinnahmen angewiesen ist.“ Deshalb appelliert Hinselmann im Wirtschaftsausschuss an die Bargteheider Politiker, sich rechtzeitig um das Thema zu kümmern.

Ein Problem sei, dass Landwirte oftmals wenig Bereitschaft zeigten, Flächen zu verkaufen. „Wenn wir ein neues Gebiet entwickeln wollen, treffen wir auf drei Typen: Ein Drittel freut sich, ein Drittel will darüber nachdenken und ein Drittel will absolut nicht verkaufen“, so Hinselmann. Hinzu kämen in einigen Kommunen auch Politiker, die keine neuen Flächen ausweisen wollten. Das mache den Prozess schwierig.