Theaterstück

Jugendliche erinnern in Elmenhorst an Nazi-Gräuel

Greta Gloistehn und Yiannis Riese von den Fischbeker Theaterflöhen bei einer Probe. Am 14. März stehen sie vor Publikum auf der Bühne.

Greta Gloistehn und Yiannis Riese von den Fischbeker Theaterflöhen bei einer Probe. Am 14. März stehen sie vor Publikum auf der Bühne.

Foto: Theaterflöhe Fischbek

Achtköpfiges Ensemble bringt im März ein Theaterstück über Freiheitskämpferin Sophie Scholl auf die Bühne.

Elmenhorst.  Sie nennen sich Theaterflöhe und legen ihren Schwerpunkt auf ernsthafte Stücke mit Tiefgang: Jungen und Mädchen des Jugend- und Sportvereins Fischbek (JuSFischbek). Für die Aufführungen am 14. und 15. März hat sich das achtköpfige Ensemble das Drama um die damals 22 Jahre alte Freiheitskämpferin Sophie Scholl ausgesucht. Sie wurde am 22. Februar 1943 von den Nationalsozialisten zum Tode verurteilt und am selben Tag noch hingerichtet. Bis heute steht Scholls Handeln für herausragenden Mut und Zivilcourage.

Theaterflöhe sind auf Zusammenhalt stolz

„Es ist ein Thema, was seine Relevanz nie verliert und im Hinblick auf aktuelle politische Ereignisse besonders brisant ist“, sagt Lennart Hamann, der seit Gründung der Theatergruppe vor 20 Jahren dabei ist. Zunächst spielte er bei Kinderstücken mit und wechselte dann in den Jugendbereich der 14- bis 19-Jährigen. Für die Regie von „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ hat sich Hamann (27) mit Stefan Rehse (31) zusammengetan. Sie sind vor allem für die Organisation und Planung zuständig. „Wir sind aus den Märchen herausgewachsen, wollten uns mit ernsten Themen beschäftigen“, sagt Hamann. „Zuletzt haben wir sogar ein Stück über Sucht und Drogenmissbrauch selbst geschrieben.“

Jahr für Jahr wechseln sich Kinder- und Jugendgruppe der Theaterflöhe mit den Aufführungen ab. Entscheidungen treffe die Gruppe gemeinsam, die vor allem auf ihren Zusammenhalt stolz sei, sagt Hamann, benennt aber ein kleines Manko. Weil es jeder jedem recht machen wolle, dauerten Prozesse mitunter länger. Dafür seien am Ende alle mit dem Ergebnis einverstanden. „Unsere Aufgabe als Gruppenleiter ist es, Emotionen aus den Szenen aufzunehmen und zu verstärken“, sagt Rehse. „Neben Texten müssen vor allem die Gefühle verständlich rüberkommen, um für das Publikum glaubwürdig zu sein. Nur so können sie berühren.“

Es gehe um Widerstand und den Wunsch nach Freiheit

Auch über das Thema Widerstand im Dritten Reich stimmte die Gruppe ab und wählte konkret die Geschichte der Sophie Scholl aus. Das Stück orientiert sich am Drehbuch des gleichnamigen Kinofilms aus dem Jahr 2005. Es geht darin um die studentische Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, die in München mit Flugblättern auf das Unrechtsregime der Nazis aufmerksam machen wollte und deren prägende Mitglieder schließlich verhaftet wurden.

27 kurze, episodenhafte Szenen begleiten die Gruppe vom Abwurf der Flugblätter an der Universität bis zur Ermordung durch das NS-Regime. Im Fokus steht Sophie Scholl, ihr Verhör durch die Gestapo, der Prozess sowie der Briefwechsel mit ihrem Verlobten Fritz Hartnagel. „Es geht um Widerstand, den Wunsch nach Freiheit und den Glauben an das Gute im Menschen“, sagt Hamann. „Zum Schluss aber auch um die Frage, ob die Opfer in Anbetracht der aktuellen politischen Ereignisse nicht doch vergebens waren.“ Besonders Probleme habe den Jungschauspielern die Hakenkreuzfahne bereitet. Obwohl es nur ein Stück Stoff ist, sei es ihnen nicht leichtgefallen, vor diesem Symbol zu spielen, sagt Hamann, der selbst die Rolle des Gestapo-Chefs Robert Mohr übernommen hat.

Eine Zeitzeugin half bei Vorbereitungen auf das Stück

Da die Jugendlichen die Zeit des Nationalsozialismus höchstens aus dem Schulunterricht oder Erzählungen kennen, haben sie sich mit einer Zeitzeugin auf das Stück vorbereitet. Dadurch sei vor allem das Verständnis für die eigene Rolle gestärkt worden, sagt Greta Gloistehn (17), die mit Sophie zum ersten Mal eine Hauptrolle verkörpert. „Ich habe mich damit beschäftig, wofür die Person in ihrem Leben stand. Es ist nicht bloß eine Rolle, sondern ein Mensch, der wirklich existiert hat.“ Das Thema habe einen bleibenden Eindruck bei den Schülern hinterlassen, sagt auch Jette Peth. Bisher seien ihr die Details des Zweiten Weltkriegs nur am Rande bewusst gewesen. „Vor allem das Zeitzeugengespräch hat mich aufgerüttelt“, sagt die 16-Jährige. „Sie hat uns eines klargemacht. Wir müssen unbedingt verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt.“

Sophie Scholl – Die letzten Tage: 14. und 15. März, 15.30 Uhr, Dieter-Hamann-Sportstätte, Lohe 15 im Elmenhorster Ortsteil Fischbek. Kartenvorverkauf: Bargteheider Buchhandlung, Rathausstraße 25, Eintritt: 6 Euro